Altes Ägypten zu Besuch in Santiago de Chile

Eine große Sonderausstellung des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung gastiert derzeit in Santiago de Chile. Die Projektmanagerin und Co-Kuratorin Christina Hanus war bei der einjährigen Planung dabei.

Von Berlin nach Santiago: Die jahrtausendealten Objekte des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung haben eine lange Reise hinter sich. Von April bis August beherbergt das Centro Cultural Palacio de la Moneda in Santiago de Chile 343 altägyptische Objekte aus Berlin. Die Sonderausstellung „Antiguo Egipto – Vida en el Nilo“ ist die erste museale Präsentation über die Welt der Pharaonen in Chile überhaupt und das zweite Kooperationsprojekt der Staatlichen Museen zu Berlin mit dem Ausstellungshaus in Santiago nach der Sonderausstellung des Ethnologischen Museums Berlin im Jahr 2013 „África, Obras de Arte del Museo Etnologico de Berlín“. Der großen Eröffnung der Ausstellung am 19. April ging ein gutes Jahr intensiver gemeinsamer Vorbereitung voraus.

Plakat der Ausstellung  vor dem Centro Cultural La Moneda, in Santiago de Chile © Centro Cultural La Moneda
Plakat der Ausstellung vor dem Centro Cultural La Moneda, in Santiago de Chile
© Centro Cultural La Moneda

Enge Zusammenarbeit
Seit die chilenischen Kollegen zu Beginn des letzten Jahres ihr starkes Interesse geäußert hatten, reifte die Idee einer großen Ausstellung mit einem facettenreichen Überblick über Geschichte, Kunst und Kultur, Alltagsleben und Religion. Beide Partner des Kooperationsprojektes arbeiteten gemeinsam eng an den einzelnen Phasen der Realisierung. Das Konzept der Ausstellung wurde dabei ausschließlich in Berlin entworfen. Unter der Projektleitung von Olivia Zorn, der stellvertretenden Direktorin des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung, arbeitete unser kleines Ausstellungsteam nicht nur kuratorisch an den Inhalten, der Objektauswahl und der didaktischen Umsetzung, sondern verfasste auch alle Ausstellungstexte, stellte die Bildauswahl zusammen und entwickelte darüber hinaus grafische Ideen.

Die Redaktion des begleitenden Ausstellungskataloges mit sämtlichen Beiträgen wurde ebenfalls von unserem Team übernommen. Die Grafiker des Centro Cultural kreierten das passende Layout und gossen letztlich sämtliche Inhalte in eine ästhetische Form, die Lust macht, das Buch in einem Zug durchzublättern – auch wenn es leider nur auf Spanisch erschienen ist. Den chilenischen Architekten ist die lebendige architektonische Gestaltung der Räume zu verdanken, in die sich die Objekte harmonisch einfügen. Die Aufstellung der Objekte erfolgte gemeinsam, wobei das Berliner Team vor allem mit restauratorischer und wissenschaftlicher Beratung zur Seite stand.

Raum „Jenseits“ © Centro Cultural La Moneda
Raum „Jenseits“
© Centro Cultural La Moneda

Geschichte der ägyptischen Hochkultur
In zwei Räumen mit jeweils 620 m² entstand ein vielseitiger und epochenübergreifender Einblick in das Leben am Nil – im Diesseits wie im Jenseits. Der Nil als Lebensader Ägyptens steht dabei als verbindendes Element im Mittelpunkt, da er für die alten Ägypter im Leben wie auch nach dem Tod eine entscheidende Rolle spielte. Denn das Jenseits wurde als Abbild der diesseitigen Welt betrachtet. Der Fluss teilt auf natürliche Weise das Land in Ost und West, in die Welt der Lebenden und die der Verstorbenen, er ist Fruchtbarkeitsquelle und dient als Transportweg.

Innerhalb der Ausstellung wird ein Überblick über die Geschichte der ägyptischen Hochkultur gegeben. Wichtige Bereiche der Ausstellung umfassen dabei die Fauna und Flora des Landes, die gesellschaftliche Hierarchie, das Königtum, Berufsbilder sowie Wohnwelten. Auch die Themenkomplexe Götterwelt und altägyptischer Glaube, Tempel, Kult, Begräbnisriten und Jenseitsvorstellungen werden durch originale Objekte, erläuternde Texte und Bilder dem Besucher näher gebracht. Dabei eröffnet sich die gesamte Bandbreite des altägyptischen Kunsthandwerks, von winzig kleinen Amuletten und aus Goldblech gefertigten, filigranen Fingernagelauflagen über faszinierende Papyri bis hin zu imposanten Skulpturen von Göttern, Königen und Privatpersonen und einem 3,5 Tonnen schweren Sarkophag. Nicht nur die ausgestellten Kultgeräte und Grabbeigaben, sondern selbst die alltäglichsten Gebrauchsgegenstände bergen einen schwer zu beschreibenden Zauber.

Tiervitrine im Raum „Diesseits“ © Centro Cultural La Moneda
Tiervitrine im Raum „Diesseits“
© Centro Cultural La Moneda

Kraftakt aller Beteiligten
Einige Objekte wurden speziell für die chilenische Ausstellung aus der Dauerausstellung des Neuen Museums entliehen, andere Artefakte stammen dagegen aus den Tiefen der Depots, wurden sorgfältig restauriert und können nun zum ersten Mal Besuchern präsentiert werden. Multimediale Angebote wie beispielsweise zwei Filme, deren Skript das Ägyptische Museum und Papyrussammlung zusammen mit der Filmagentur Sammler&Jäger erarbeitet hat, runden das Erlebnis der Ausstellung ab.

Ein solch umfangreiches Ausstellungsprojekt in knapp einem Jahr mit einem kleinen ambitionierten Team auf die Beine zu stellen, bedeutete einen Kraftakt aller Beteiligten. Das Projektteam ist seinen Kolleginnen und Kollegen für die tatkräftige Unterstützung zu großem Dank verpflichtet und stolz und glücklich, diese Herausforderung gemeistert zu haben. Die große Begeisterung in Chile für das Thema „Altes Ägypten“ beflügelte stets die Zusammenarbeit beider Projektpartner. Wir wünschen den chilenischen Besuchern eine spannende Entdeckungsreise ins Alte Ägypten und viel Freude an dieser exquisiten Präsentation einer faszinierenden Hochkultur, die Europa seit Jahrhunderten in ihren Bann schlägt.

Plakate am Eingang des Centro Cultural La Moneda, in Santiago de Chile © Centro Cultural La Moneda
Plakate am Eingang des Centro Cultural La Moneda, in Santiago de Chile
© Centro Cultural La Moneda
Raum „Diesseits“ © Centro Cultural La Moneda
Raum „Diesseits“
© Centro Cultural La Moneda
Raum „Diesseits“ © Centro Cultural La Moneda
Raum „Diesseits“
© Centro Cultural La Moneda
Raum „Jenseits“ © Centro Cultural La Moneda
Raum „Jenseits“
© Centro Cultural La Moneda
Raum „Jenseits“ © Centro Cultural La Moneda
Raum „Jenseits“
© Centro Cultural La Moneda
Raum „Jenseits“ während der Eröffnungsfeier. Im Vordergrund die Umrisszeichnung einer Mumie mit darauf platzierten Amuletten und Goldauflagen.   © Centro Cultural La Moneda
Raum „Jenseits“ während der Eröffnungsfeier. Im Vordergrund die Umrisszeichnung einer Mumie mit darauf platzierten Amuletten und Goldauflagen.
© Centro Cultural La Moneda

Die Ausstellung “Antiguo Egipto – Vida en el Nilo” findet noch bis 14. August 2016 im Centro Cultural Palacio de la Moneda in Santiago de Chile statt. Weitere Informationen gibt es im Netz und auf Facebook.

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