Auf den Spuren der Alchemisten am Kulturforum

In der Alchemistenküche werden BesucherInnen zu ForscherInnen zwischen Kunst und Naturwissenschaft. In Workshops erkunden sie die Geschichte der Alchemie und ihre Verbindung zur Kunst. Fatima Caliskan hat die Entstehung des interdisziplinären Vermittlungsprojekts als Praktikantin miterlebt.

Eine riesige Mind-Map mit Fotografien, Notizen und Skizzen befindet sich an der Bürowand von Patrick Presch. Seit Februar arbeitet er an der Idee und Umsetzung der Alchemistenküche, die gemeinsam mit der Ausstellung „Alchemie. Die Große Kunst“ am 6. April ihre Pforten öffnet. In der Alchemistenküche werden verschiedene Workshops Kunst und Naturwissenschaft, Atelier und Labor sowie Ausstellung und Experiment zusammenführen. Schutzbrillen, Laborkittel und Petrischalen kommen dabei genauso zum Einsatz wie Pinsel, Pigmente und Tusche.

© Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt
Während des Kinderworkshops “Alchemistenküche” wird viel experimentiert © Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt

Umfangreiche Recherche eröffnet neue Perspektiven
Nicht nur inhaltlich treffen Kunst und Naturwissenschaft aufeinander. Die Alchemistenküche bringt KunstvermittlerInnen mit NachwuchswissenschaftlerInnen aus den Bereichen Chemie und Physik zusammen. Im Tandem leiten sie die Workshops mit verschiedenen Besuchergruppen.

Auf der Mind-Map in Patrick Preschs Büro finden sich auch kleinformatige Malereien, die bei der Recherche zu den Experimenten entstanden sind. „Wichtig bei der Auswahl der Versuchsanordnungen ist, dass sie ein bildgebendes Verfahren beinhalten, dass einen Bezug zu den Ausstellungsobjekten herstellt“, erklärt Presch. Um einen Überblick über die Möglichkeiten an Experimenten zu erhalten, wurden Publikationen zur Alchemie, zu Laborexperimenten und Versuchen für den Chemieunterricht durchgearbeitet.

„Besonders ergiebig aber waren die Gespräche mit den Naturwissenschaftlern“, erinnert sich Presch und berichtet von Treffen mit pensionierten ChemikerInnen und ChemiestudentInnen: „Ihre Erfahrungen und unterschiedlichen beruflichen Hintergründe haben uns bei der Planung der Alchemistenküche sehr geholfen.“ Die Experten gaben Einblicke in ihre Arbeitsweisen und konnten ein breites Spektrum an unterschiedlichen Ideen für geeignete Versuche anführen, die sie alle auf ihre eigene Weise in Bezug zu den Objekten der Ausstellung brachten.

Der Kinderworkshop "Alchemistenküche" im Kulturforum © Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt
Der Kinderworkshop “Alchemistenküche” im Kulturforum © Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt

Entstanden ist dabei eine ganze Liste an Experimenten, angefangen bei Farbversuchen mit Rote-Bete-Saft und Backpulver, bis hin zur Chromatographie, einem komplexen Verfahren zur Stofftrennung. Ganz im Geiste der Alchemie beschäftigt sich die Alchemistenküche mit Transformationen von Stoffen, dem Wechsel von Aggregatzuständen und dem schöpferischen Potential von Farb- und Formgebung.

Starke Symbiose der Disziplinen
Im Anschluss an die Treffen mit den ChemikerInnen folgten Besprechungen mit KunstvermittlerInnen, bei denen die inhaltliche Verbindung der Laborexperimente mit der Vermittlungsarbeit im Fokus stand: Wie kann eine kreativer Ausdruck mit der DNA-Extraktion von Pflanzenfasern aussehen? Welche Bedeutung hat alchemistische Metallurgie heute? Und kann das Malen mit Ölkreide und Zitronensäure zu einem Experiment werden?

In der Beschäftigung mit den verschiedenen Disziplinen zeigt sich, dass eine Symbiose von Kunst und Naturwissenschaft ein spannender Nährboden für Workshops in der Alchemistenküche sein wird. BesucherInnen können so selbst die Arbeit der Alchemisten erproben und zugleich etwas über die 3000 Jahre alte Genese der Alchemie bis in unsere heutige Zeit erfahren.

Die kleinen Alchemisten während des Kinderworkshops "Alchemistenküche" © Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt
Die kleinen Alchemisten während des Kinderworkshops “Alchemistenküche” © Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt

Sammlungsobjekte im Röntgenblick
Im Rahmen der Kunstvermittlung für Erwachsene ist die Zusammenarbeit der Abteilung Bildung und Vermittlung der Staatlichen Museen zu Berlin mit dem Rathgen-Forschungslabor ein besonderes Highlight. Seit 1888 arbeiten hier ForscherInnen an der Schnittstelle von Laboratorium und Museum zusammen. Eine ganze Reihe von Objekten aus den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin wurde dort bereits untersucht.

An drei Terminen präsentieren WissenschaftlerInnen Ergebnisse ihrer Arbeit in der Alchemistenküche und beziehen diese auf Objekte in der Ausstellung. Im Dialog mit den BesucherInnen und KunstvermittlerInnen erläutern sie verschiedene Methoden, wie etwa die Untersuchung mittels Röntgenstrahlen, und geben Auskunft über Alter, Herkunft und Materialzusammensetzung der Objekte.

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