Auf den Spuren von Velázquez: Mit „Compañero“ durch die Gemäldegalerie

Tobias Schmid, Praktikant bei den Staatlichen Museen zu Berlin, erkundet mit dem Compañero die Ausstellung „El Siglo de Oro. Die Ära Velazquez“ und blickt in die Welt der Kinder.

In meiner ersten Woche als Praktikant im Referat Bildung, Vermittlung, Besucherdienste der Staatlichen Museen zu Berlin war ich überrascht, ein so umfangreiches Angebot für Kinder und Jugendliche vorzufinden. Jedes Wochenende richten sich zweistündige Workshops und Ausstellungsgespräche in verschiedenen Museen an Kinder und Familien. Angeleitet von Kunst- und Kulturvermittlern können die Kinder so gemeinsam mit Gleichaltrigen das Museum oder eine Ausstellung erkunden. Welche Angebote aber gibt es für Kinder, die nicht an einer Führung oder an einem Workshop teilnehmen? Für Erwachsene gibt es in fast allen Häusern der Staatlichen Museen zu Berlin beispielsweise einen kostenlosen Audioguide für die Tour durch das Museum. Bei Siglo de Oro wurde dieser sogar von Daniel Brühl eingesprochen. Wie aber sieht es mit Angeboten für Kinder aus, die nicht an einem Ausstellungsgespräch oder einem Workshop teilnehmen? Müssen in diesem Fall die Eltern ihren Kindern die Werke erklären?

(c) Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt, 2016
(c) Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt, 2016

„Compañero“ begleitet durch die Ausstellung
Nicht in der Ausstellung „El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez“ in der Gemäldegalerie am Kulturforum: Dort werden ausgewählte Werke des Goldenen Zeitalters der spanischen Kunst mit einem ganz besonderen Vermittlungstool kostenfrei zugänglich gemacht: Ein „Compañero“ begleitet Kinder kostenfrei durch die Ausstellung. Dieser „Begleiter“ besteht aus einem Audioguide mit einem dazugehörigen Zeichenheft, die beide handlich auf einem Brett befestigt sind. Der „Compañero“ wurde speziell für die Ausstellung entwickelt und führt Kinder in einem 30-minütigen Rundgang zu zwölf Gemälden und Skulpturen.

Wie funktioniert dieser „Compañero“ in der Praxis? Als Praktikant habe auch ich mit ihm die Ausstellung erkundet. Dabei wurde ich auf eine für mich völlig neue Art und Weise an die Werke der spanischen Künstler herangeführt.

(c) Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt, 2016
(c) Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt, 2016

„Schiebe düstere Wolken ins Bild“
Wer genau war der heilige Martin, in dessen Namen jeden Herbst Laternen gebastelt werden? Wer war der prächtig gekleidete Philipp IV.? Die verschiedenen Bildsujets werden klar erläutert und die jeweiligen Künstler den Kindern vorgestellt. Immer wieder lenkt der Audioguide den Blick auf Besonderheiten oder Details und regt zum genauen Hinsehen an. So ermöglicht er einen einfachen und direkten Zugang zu den Werken. Auf jede Beschreibung folgt eine kurze Handlungsanweisung. Im Begleitheft, welches von der Künstlerin Paula Müller gezeichnet wurde, werden dann eigene Skizzen und Ideen umgesetzt.

(c) Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt, 2016
(c) Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt, 2016

Zu „Der heilige Martin und der Bettler“ von El Greco heißt es beispielsweise: „Schiebe düstere Wolken ins Bild.“, bei einem Stillleben von Cotán „Zeichne ins Bild, was dir schmeckt.“. Aus den Gegenständen eines anderen Stilllebens wird man angeregt, nach Belieben eine Menüfolge zusammenzustellen. Und hinter die heilige Margareta von Zurbarán kann man ein „richtig großes, fieses Monster“ zeichnen, für den Kriegsgott Mars ein Logo entwickeln und vieles mehr. Dieser direkte, interaktive und handlungsorientierte Zugang ist das Herzstück des Audioguides. Er kann den Kindern als Inspiration dienen und bietet dabei genug freien Raum zum eigenen Gestalten.

(c) Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt, 2016
(c) Staatliche Museen zu Berlin / Valerie Schmidt, 2016

Direkter Austausch mit der Kunst
Während meines Rundgangs traf ich auf mehrere Kinder, die ebenfalls mit dem „Compañero“ in den Händen in der Ausstellung unterwegs waren. Es kostete mich etwas Überzeugungskraft, aber schließlich durfte ich mir ihre Zeichnungen ansehen und sie erzählten mir, was sie gezeichnet haben. Im Gespräch merkte ich, wie vertraut die Kinder durch den „Compañero“ mit den Werken wurden. Durch die Hörtexte und ihre eigenen Zeichnungen und Ideen kamen die Kinder – und auch ich – in einen direkten Austausch mit den ausgestellten Gemälden und Skulpturen. Mir wurde eines klar: So kann Kunst für Kinder zu einem relevanten Teil ihrer eigenen Lebenswelt werden! Und wer weiß – vielleicht erwächst aus dem ein oder anderen kleinen Meister demnächst ein ganz großer?

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