Blick hinter die Kulissen: Alltag in den Restaurierungswerkstätten

Restauratorinnen und Restauratoren arbeiten in der Regel im Verborgenen – doch ihre Arbeit ist die Grundlage, um überhaupt Dinge im Museum zeigen zu können. Anlässlich des Ersten Europäischen Tags der Restaurierung am 14. Oktober hat unser Kollege Christof Hannemann mit einigen der Fachleute gesprochen.

Text: Christof Hannemann

Bei einem Museumsbesuch genießt man die Begegnung mit berühmten Kunstwerken und faszinierenden Objekten – doch viele der erstaunlichen Dinge in unseren Sammlungen können nur gezeigt werden, weil zahlreiche Mitarbeiter hinter den Kulissen an ihrem Erhalt arbeiten. Obwohl sie den Besuchern verborgen bleiben, ist ihre Arbeit von immenser Bedeutung für die Museen. Die Rede ist von unseren Restauratoren, die sich in ihren Werkstätten nicht nur um die Erhaltung der einmaligen Objekte kümmern, sondern auch stetig neue Methoden zur Wiederherstellung beschädigter Exponate entwickeln.

Jedes Objekt birgt für die Restauratoren eine eigene Herausforderung. Das Kunstgewerbemuseum beherbergt zum Beispiel eine Schmuckschatulle aus vergoldetem Silber mit unzähligen emaillierten Besatzstücken, die die Restauratorin Wibke Bornkessel beschäftigt: „Jedes Objekt hat eine eigene Geschichte und dementsprechend ist auch der Erhaltungszustand einzigartig. Immer wieder muss man sich in die Materialität und deren Zusammenspiel einarbeiten, um eine geeignete Restaurierungsmethode zu finden“.

Schmuckschatulle aus vergoldetem Silber mit emaillierten Besatzstücken nach der Restaurierung. © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum / Wibke Bornkessel
Schmuckschatulle aus vergoldetem Silber mit emaillierten Besatzstücken nach der Restaurierung. © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstgewerbemuseum / Wibke Bornkessel

Es ist aber nicht nur der reine Erhaltungsauftrag, mit dem die Restauratoren beschäftigt sind. Auch die Rekonstruktion, etwa von bereits in der Antike beschädigten Statuen, liegt in ihrem Aufgabenbereich, wie der Leiter der Restaurierungswerkstätten der Antikensammlung, Wolfgang Maßmann, berichtet: „In den letzten drei Jahren haben wir uns sehr intensiv mit Ergänzungsfragen an antiken Skulpturen beschäftigt. Wir haben drei bedeutende Statuen aus Pergamon aufwendig ergänzt bzw. rekonstruiert und dabei von Fall zu Fall entschieden.“ Das besondere an diesen Restaurierungs- und Ergänzungsarbeiten, erklärt der Fachmann weiter, sei die Gestaltung der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Bildhauern, Restauratoren, Archäologen und Naturwissenschaftlern: „Immer wieder mussten wir die verschiedenen Varianten von Ergänzungen beispielhaft modellieren, sie diskutieren und schließlich gemeinsam Entscheidungen treffen“.

Aufgrund der intensiven Nähe zum Material der jeweiligen Objekte tragen die Restauratoren auch einen wesentlichen Beitrag zu deren Erforschung bei. Im Fall von Zeichnungen aus der Rembrandtschule konnte Antje Penz, die Restauratorin des Kupferstichkabinetts,mit Hilfe der Infrarot-Reflektographie feststellen ob Arbeiten mit einer Eisengallustinte oder einer kohlenstoffhaltigen Tusche gefertigt wurden. Bei der Infrarot-Reflektografie wird die Zeichnung mit Infrarotstrahlen beleuchtet, um eventuelle Unterzeichnungen zu erkennen… Aus den Ergebnissen der Untersuchungen leiten die Experten dann die geeignete restauratorische Behandlung ab.

Antje Penz bei der Restaurierung von Aquarellen am Mikroskop. © Staatliche Museen zu Berlin / Christof Hannemann
Antje Penz bei der Restaurierung von Aquarellen am Mikroskop. © Staatliche Museen zu Berlin / Christof Hannemann

Neben all diesen Tätigkeiten sind unsere Restauratorinnen und Restauratoren manchmal auch Pioniere in ihren Arbeitsfeldern, wie Hiltrud Jehle, Restauratorin im Bode-Museum, erzählt: „Unser Beruf hat sich längst zu einer wissenschaftlichen Disziplin entwickelt: Wir erforschen Materialien und historische Herstellungstechniken, untersuchen Farb- und Bindemittel sowie Degenerationsprozesse. Gleichzeitig arbeiten wir an der Entwicklung präventiver Maßnahmen, halten Vorträge, publizieren und arbeiten auf Augenhöhe mit Naturwissenschaftlern und Kunsthistorikern“. Hiltrud Jehle befasst sich speziell mit der Erforschung von Elfenbein und geht der Frage nach, wieso es unter Einfluss von Licht ausbleicht und was sich dabei auf molekularer Ebene abspielt.

Hiltrud Jehle am Auflichtmikroskop bei der stratigrafischen Untersuchung eines Malschichtaufbaus. © Staatliche Museen zu Berlin / Dieter Köcher
Hiltrud Jehle am Auflichtmikroskop bei der stratigrafischen Untersuchung eines Malschichtaufbaus. © Staatliche Museen zu Berlin / Dieter Köcher

In ganz anderen Dimensionen bewegt sich Alexandra Czarnecki, die vorrangig für die Restaurierung von tonnenschweren Marmorstandbildern verantwortlich ist. Sie kann sich derzeit einen großen Traum erfüllen und die berühmte Prinzessinnengruppe des preußischen Bildhauers Johann Gottfried Schadow restaurieren. Das Originalmodell aus Gips stand knapp 25 Jahre in der mittlerweile geschlossenen Friedrichswerderschen Kirche in Berlin-Mitte und der Zahn der Zeit nagte sichtbar an ihm. Die Oberfläche ist durch die vielen Anstriche stark in Mitleidenschaft gezogen worden und bedarf einer aufwendigen Behandlung. Weil die Skulptur jedoch aus Gips besteht und dessen Restaurierungsmöglichkeiten noch nicht gut erforscht sind, muss sich Alexandra Czarnecki hierbei voll und ganz auf ihre zehnjährige Berufserfahrung verlassen.

Alexandra Czarnecki bei der Restaurierung der Büste von Jean Jaques Rousseau eines unbekannten Künstlers. Im Hintergrund die Prinzessinengruppe von Johann Gottfried Schadow. © Staatliche Museen zu Berlin / Alexandra Czarnecki
Alexandra Czarnecki bei der Restaurierung der Büste von Jean Jaques Rousseau eines unbekannten Künstlers. Im Hintergrund die Prinzessinengruppe von Johann Gottfried Schadow. © Staatliche Museen zu Berlin / Alexandra Czarnecki

Von tonnenschweren Standbildern bis hin zu kleinen fragilen Holzfigürchen begegnet unseren Restauratorinnen und Restauratoren in ihrem Arbeitsalltag so ziemlich alles. Marion Böhl aus dem Bode-Museum sah sich bei der Restaurierung einiger 16 cm kleiner Holzfiguren von Frans van Loo aus dem 17. Jahrhundert einem wahren Nerventest ausgesetzt. Jede Berührung bedeutete zugleich eine Gefährdung der kleinen geschnitzten Partien . Eine ruhige Hand war Grundvoraussetzung für dieses Vorhaben.

Marion Böhl bei der Restaurierung der Thronenden Maria mit Kind. © Staatliche Museen zu Berlin / Malith Krishnaratne
Marion Böhl bei der Restaurierung der Thronenden Maria mit Kind. © Staatliche Museen zu Berlin / Malith Krishnaratne

Am Ende des Tages schaffen es unsere Restauratorinnen und Restauratoren es immer wieder, die einmaligen Museumsstücke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und für die Nachwelt zu erhalten. Währenddessen kommen sie den Kunstwerken näher als manch Anderer und entlocken ihnen nicht selten verborgene Geheimnisse.

Die Staatlichen Museen bieten zum Ersten Europäischen Tag der Restaurierung am 14.10.2018 ein umfassendes Programm in zahlreichen Häusern an. Die Veranstaltungen finden von 10 bis 17 Uhr statt und sind kostenfrei mit Eintrittskarte.

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