Food Revolution im Kunstgewerbemuseum: Design zwischen Gebrauch und Diskurs

Die Ausstellung Food Revolution 5.0 im Kunstgewerbemuseum zeigt Designkonzepte, die Alternativen zum aktuellen Ernährungssystem vorschlagen. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Neila Kemmer sprach mit der Berliner Designerin und Künstlerin Johanna Schmeer über Visionen für eine bessere Zukunft.

Interview: Neila Kemmer

Die Ausstellung Food Revolution 5.0 beschäftigt sich kritisch mit dem Nahrungssystem und unserem Verhältnis zu Lebensmitteln. Was meinen Sie, brauchen wir eine Food Revolution und wenn ja, wie könnte sie aussehen?
Johanna Schmeer: Wenn die Weltbevölkerung in den nächsten 30 Jahren auf fast 10 Milliarden Menschen anwächst, wie es prognostiziert wird, und gleichzeitig der Klimawandel zu deutlich häufigeren Ernteausfällen führt, werden Veränderungen unseres Nahrungssystems und unseres Essverhaltens notwendig werden. Dazu gehört zum Beispiel, weniger Fleisch zu essen, da die Fleischproduktion einen erheblichen Kohlenstoff-Fußabdruck und Wasserverbrauch verursacht. Die Landwirtschaft muss sich auf extremere Wetterverhältnisse und weniger verfügbares Frischwasser vorbereiten. Hier gibt es aktuell interessante Forschung im Bereich der Pflanzenzucht für salzhaltige Böden in den Niederlanden.

Die Ausstellung geht von einem revolutionären Potential des Designs aus und zeigt auch Ihre Arbeit Bioplastic Fantastic. Worum geht es darin und wie trägt sie zur Food Revolution bei?
Als ich das Projekt Bioplastic Fantastic begann, war ich zunächst nicht an Essen interessiert. Mich interessierten eher Materialinnovationen der Zukunft, die synthetischen Materialien biologische Funktionen zuführen können, und die Wege, um sie im Design zu nutzen. Essen war eine potentielle Anwendung dafür, aber die Idee des Projekts ist nicht, diese Art eines Nahrungssystems als erstrebenswert darzustellen, sondern vielmehr als einen Startpunkt für Diskussionen darüber zu nutzen, wofür wir diese Technologien verwenden wollen.

Johanna Schmeer, Bioplastic Fantastic, 2014, © Johanna Schmeer
Johanna Schmeer, Bioplastic Fantastic, 2014, © Johanna Schmeer

Worin liegt Ihr Hauptinteresse in Ihrer Design-Praxis?
Meine Arbeit bewegt sich hauptsächlich im Feld des Conceptual Designs, einer Richtung, die sich vor allem damit beschäftigt, neue Ideen zu diskutieren. Häufig existiert diese Art von Projekten in der Form nicht-funktionaler Modelle, Filme etc. Im Design allgemein scheint es eine Trennung zwischen „Gebrauchs-“ und „Diskursdesign“ zu geben und ich interessiere mich gerade ziemlich dafür, Designansätze zu entwickeln, die beides zugleich leisten können. Außerdem möchte ich in die Diskussionen eingebunden bleiben, die konzeptuelles Design hervorbringt, und deren Ergebnisse für kommende Arbeiten nutzen

Woran arbeiten Sie gerade? Geht es bei Ihren aktuellen Arbeiten auch ums Essen?
Ich arbeite gerade an einer Installation, in der Pflanzen und Pilze in einem Mikroklima aufgezogen werden, das bestimmte Aspekte atmosphärischer oder geografischer Bedingungen simuliert, die in zukünftigen Umgebungen herrschen können. Das Projekt ist noch in der Entwicklungsphase, aber es ist eng mit Nahrung verknüpft, besonders im Kontext zukünftiger Landwirtschaft und Geoengineering. Ein Teil des Projekts behandelt biologische Ansätze für Geoengineering, zum Beispiel Forschung, um Pflanzen als Dämmmaterial gegen das Tauen in der Arktis nutzbar zu machen.

Johanna Schmeer ist Künstlerin und Designerin. Sie studierte Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste Berlin und Design Interactions am Royal College of Art. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen und wird noch bis 30.9.2018 im Kunstgewerbemuseum am Kulturforum gezeigt.

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