“Hörst du das Klavier?” – Jugendliche Fiktionen im Hamburger Bahnhof

Im Hamburger Bahnhof steht die Welt Kopf, seit Jugendliche in einem eigenen Audioguide dort die Grenzen zwischen Realität und Fiktion ausloten. Als Praktikantin im Referat Bildung, Vermittlung, Besucherdienste hat Charlotte Pohl das Projekt „Stell die Verbindung her“ begleitet.

Text: Charlotte Pohl

Was ist eigentlich Fiktion? Ausgehend von Bildern mit verschiedenen Szenarien fragten Jugendliche im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin Ende 2017: Wie stelle ich mir ein ideales Leben in einer fiktiven Welt vor? Welche Regeln und Gesetze gibt es in dieser Welt? Wäre das Leben dort besser oder schlechter?

Alienangriffe und vertauschte Rollen
Die Diskussion dieser Fragen war Teil des Projekts „Stell die Verbindung her“ innerhalb der Kooperation „Kiez Meets Museum“ zwischen Berliner Leben – eine Stiftung der Gewobag und der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. Die Teilnehmenden sind Schülerinnen und Schüler der Schule an der Jungfernheide und besuchen die achte Klasse. Ziel des Teilprojektes war es, einen besonderen Audioguide – von Jugendlichen für Jugendliche – zu entwickeln, der seit Dezember 2017 erhältlich ist.

Jugendliche arbeiten im Projekt "Stell die Verbindung her" an einem Audioguide für den Hamburger Bahnhof. (c) Staatliche Museen zu Berlin / Annika Büssemeier
Jugendliche arbeiten im Projekt “Stell die Verbindung her” an einem Audioguide für den Hamburger Bahnhof. (c) Staatliche Museen zu Berlin / Annika Büssemeier

Nachdem sie sich in der Diskussion mit der fiktiven Welt auseinandergesetzt hatten, erhielten die Jugendlichen den Auftrag, in Kleingruppen eigene Geschichten zu entwickeln. Einzige Bedingung: Die Geschichten sollten im Hamburger Bahnhof spielen. Was dabei entstand, war eine Sammlung unterschiedlichster Ideen und Vorstellungen fiktiver Szenarien. Von einer emotionslosen, schwarz-weißen Welt über eine Welt, in der die Rollen von Tieren und Menschen vertauscht sind, zu einem Bombenfund mit anschließendem Angriff von Aliens war alles vertreten.

Insgesamt hatten die Schülerinnen und Schüler eine Woche Zeit und erhielten Unterstützung von einer Kunstvermittlerin und einem Hörbuchautor. In der Projektwoche lernten die Teilnehmenden auch die Software für das Erstellen ihrer Audiotracks kennen. Sie probierten sich und das Programm durch das Erstellen von Sounds aus, die sie passend zu ihren Geschichten gestalteten.

Abwechslungsreiche Ergebnisse
Während die einen sich mit der Software vertraut machten, gingen die anderen in den Ausstellungsraum und schrieben weiter an ihren Geschichten. Sie lernten verschiedene Kunstwerke und Installationen kennen, die von Joseph Beuys über Andy Warhol bis zu Quin Yufen reichten. Eines der vorgestellten Kunstwerke sollten sie sich aussuchen und als Bezugspunkt in ihre Geschichten einfließen lassen. In diesem Stadium wurden viele der anfangs entworfenen Fiktionen überarbeitet, geändert oder ganz verworfen.

Jugendliche arbeiten im Projekt "Stell die Verbindung her" an einem Audioguide für den Hamburger Bahnhof. (c) Staatliche Museen zu Berlin / Annika Büssemeier
Jugendliche arbeiten im Projekt “Stell die Verbindung her” an einem Audioguide für den Hamburger Bahnhof. (c) Staatliche Museen zu Berlin / Annika Büssemeier

In den folgenden Tagen wurden die Geschichten fertiggestellt, mit Hilfe des Hörspielautors aufgenommen und mit den vorproduzierten Sounds zusammengeführt. Auch das Intro und Outro des Audioguides wurde von den Schülerinnen und Schülern gestaltet.

Am Ende des Projektes war jede Kleingruppe sehr zufrieden mit ihrem Ergebnis – waren doch so unterschiedliche Tracks entstanden, dass Abwechslung und viel Freude beim Anhören des Audioguides garantiert sind. Es lohnt, den Audioguide selbst auszuprobieren!
Der Audioguide für Jugendliche ist kostenfrei an der Kasse des Hamburger Bahnhofs entleihbar.

Das Projekt ist Teil der Kooperation „KIEZ MEETS MUSEUM“ der Nationalgalerie und “Berliner Leben – Eine Stiftung der Gewobag”. Realisiert werden Projekte, welche die Teilhabe junger Menschen aus strukturschwachen Quartieren am kulturellen Leben der Stadt ermöglichen sollen.

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