Idee, Obsession, Handwerk – Musik in der Ausstellung “Alchemie. Die Große Kunst”

Anlässlich der Ausstellung „Alchemie. Die Große Kunst“ sprach Jagoda Kamola, wissenschaftliche Museumsassistentin, mit dem Theatermusiker Matthias Krieg, der eine elektro-musikalische Komposition für die Ausstellung entworfen hat.

Interview: Jagoda Kamola; Foto: Stefan Kuntner

Herr Krieg, Sie haben die Musik zu unserer Ausstellung „Alchemie. Die Große Kunst“ komponiert. Ihr Stück „plus minus kosmos“ wird in der Ausstellung donnerstagabends gespielt. Teile aus Ihrer Komposition begleiten auch unseren Ausstellungstrailer, der in den Yorck Kinos zu sehen ist. Was bedeutet Alchemie für Sie?
Matthias Krieg: Alchemie bedeutet für mich, sich in einem Spektrum aus Idee, Obsession, spezialisiertem Handwerk, Dilettantismus, Selbst -und Fremdtäuschung zu bewegen, an einem gleichzeitig materialbezogenen wie metaphysischen Geschehen zu arbeiten.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Musik und der Alchemie?
Man kann Zusammenhänge konstruieren, je nachdem welchen Aspekt man ins Auge fasst oder wie viel Abstand zur Sache man einnimmt. Es gibt zum Beispiel in Beidem das tiefliegende Motiv der Entgrenzung, den Übergang in etwas Höheres. Der Idee, dass man als Mensch einen Moment oder einen Stoff schaffen könnte, der eine Universallösung für alle offenen Fragen ist, alle nichtgelebten Emotionen in sich fasst, führt mich als Musiker regelmäßig in die Irre. Außerdem stößt man in der Musik wie in der Alchemie auf ein Phänomen, welches das Nicht-Greifbare, vielleicht sogar das Zufällige enthält. Im besten Fall spielt man damit.

Sie sind als Theatermusiker tätig. Welchen Einfluss hat diese Tätigkeit auf die Komposition gehabt? Vor welche Herausforderungen wurden Sie gestellt?
Im Theater muss ich Musik in verschiedener Hinsicht kontextualisieren – räumlich, inhaltlich, performativ. Dieses Training ist sicherlich hilfreich bei allem, was ich musikalisch tue.
Außerdem visualisieren sich musikalische Passagen vor meinem inneren Auge. Dadurch könnte man sagen, dass die Musik in gewisser Weise Bildern folgt. Diese Bilder sind nicht zwangsläufig theatral, nicht einmal konkret, aber das Theatrale steckt zu einem gewissen Anteil in ihnen.
Den Raum akustisch und musikalisch ins richtige Wahrnehmungsverhältnis zu bringen, also die Musik in den Raum hinein zu inszenieren – als Klang – das hat auch was von Theater.
Neu war, dass es während des Komponierens kein Gegenüber gab. Ich arbeite sonst auf der Bühne mit der realen Anwesenheit aller, die den Raum live zusammen kreieren.

Vielleicht könnten Sie noch schnell den Titel „plus minus kosmos“ erläutern?
Der Titel verweist auf die Hybris, den Irrsinn und die Banalität, die jeder Schöpfung zu Grunde liegen, aber auch auf das Unvorhergesehene, das Entrückte und die Schönheit, die daraus hervorgehen können.

Die Komposition von Matthias Krieg ist noch bis 23. Juli 2017 täglich ab 17 Uhr in der Ausstellung “Alchemie. Die Große Kunst” zu erleben. Sie untermalt außerdem den Trailer zur Ausstellung:

Das Interview führte Jagoda Kamola, wissenschaftliche Museumsassistentin in der Generaldirektion und im Rahmen der Ausstellung „Alchemie. Die Große Kunst“. Jagoda Kamola ist zuständig für das begleitende Veranstaltungsprogramm.

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