Labbu, Ischtars Löwe aus dem Pergamonmuseum

Ein plüschiger Neuzugang hält derzeit das Pergamonmuseum auf Trab: Labbu, der Löwe aus Babylon. Doch woher stammen die babylonischen Löwen und welche Bedeutung hatten sie? Helen Gries, Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Vorderasiatischen Museum, kennt die Ursprünge.

Text: Helen Gries

Löwen waren bereits in der Antike der Inbegriff von Stärke und Macht. Im alten Mesopotamien waren sie ein Symbol der Könige und haben die wichtigsten Götter begleitet – so auch die launische Ischtar, Göttin der Sexualität und des Krieges. Auf der berühmten Prozessionsstraße des babylonischen Ischtar-Tempels, die Menschen aus aller Welt heute im Pergamonmuseum bewundern können, sind daher auch zahlreiche Löwen abgebildet. Im Alten Orient wurde der Löwe übrigens „Labbu“ genannt. Über das Griechische stammt unser heutiges Wort „Löwe“ von diesem akkadischen Begriff ab.

Besucher in der rekonstruierten Prozessionsstraße von Babylon. © Staatliche Museen zu Berlin, Pergamonmsueum / Achim Kleuker
Besucher in der rekonstruierten Prozessionsstraße von Babylon. © Staatliche Museen zu Berlin, Pergamonmsueum / Achim Kleuker

Der babylonische König Nebukadnezar II. ließ im 6. Jahrhundert vor Christus die prachtvolle Prozessionsstraße und das Ischtar-Tor von Babylon bauen. Die Prozessionsstraße führte vom im Stadtgebiet gelegenen Ischtar-Tempel zum Ischtar-Tor. Die Wände der Straße waren mit farbig glasierten Ziegeln verziert, auf denen die fast lebensgroßen Löwen der Göttin Ischtar abgebildet waren. Auf dem Ischtar-Tor hingegen sind Drachen und Stiere dargestellt, die Marduk, den Stadtgott von Babylon sowie Adad, den Wettergott, repräsentieren. Im gleißenden Sonnenlicht Mesopotamiens müssen die funkelnden Glasurziegel einen atemberaubenden Kontrast zur braunen Lehmziegelarchitektur ihrer Umgebung gebildet haben. Jeden Besucher Babylons muss dieses Farbspiel sofort in seinen Bann gezogen haben.

Eine antike Meisterleistung
Die einzelnen Löwen der Prozessionsstraße bestehen jeweils aus 47 unterschiedlichen Ziegeln, die zu einem Tier zusammengesetzt waren. Die Löwen wurden aber nicht nur auf die Ziegel gemalt, sondern sind auch plastisch ausgeformt worden. Hierzu wurde der weiche Ton der Ziegel vor dem Brennen in eine spezielle Form gedrückt. Danach wurden die modellierten Ziegel in kräftigen Farben glasiert. Damit die einzelnen Tierfiguren korrekt zusammensetzt werden konnten, waren auf der Oberseite der Ziegel kleine Markierungen angebracht. Sie gaben die Reihe und Lage des jeweiligen Ziegels in der Mauer an. Die Herstellung und der Aufbau dieser monumentalen Glasurziegelfassaden war eine technische und handwerkliche Meisterleistung.

Labbu - das Plüschtier der Firma Steiff © Uli Grohs
Labbu – das Plüschtier der Firma Steiff © Uli Grohs

Im Jahr 1899, ganz zu Beginn der Grabungen in Babylon im heutigen Irak, fielen den Ausgräbern die leuchtenden blauen Glasurziegel auf. Doch anstelle prächtiger, bunter Fassaden fanden sie tausende kleine glasierte Ziegelfragmente. Zahlreiche dieser unscheinbaren Bruchstücke gelangten im Rahmen einer Fundteilung mit dem Osmanischen Reich ab 1903 und mit der irakischen Antikendirektion im Jahr 1927 nach Berlin. Dort wurden tausende Fragmente gereinigt, in großen, mit Wasser gefüllten Holzfässern entsalzt, anschließend getrocknet und nach Farben und Formen sortiert. Die einzelnen Tiere der Prozessionsstraße und des Ischtar-Tores wurden danach in mehrjähriger mühevoller Arbeit wie ein riesiges Puzzle wieder zusammengesetzt und zur Eröffnung des Museums im Jahr 1930 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Von den ursprünglich 120 Löwen der Prozessionsstraße sind heute 30 im Pergamonmuseum ausgestellt.

Neben diesen 30 Löwen findet man im Museum nun einen weiteren Artgenossen: Den Löwe Labbu – ein Plüschtier der Firma Steiff. Von dem anmutigen Gang des Tieres bis hin zur Mähne ist Labbu den ausgestellten Löwen der Prozessionsstraße nachempfunden. Das Stofftier ist ab sofort im Webshop der Staatlichen Museen zu Berlin und in der Buchhandlung Walter König im Pergamonmuseum erhältlich.

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