Palau-Haus im Ethnologischen Museum: Die Dachabdecker kommen

Der Umzug des Ethnologischen Museums ins Humboldt Forum geht voran. Zuletzt wurde das komplette Dach des großen Palau-Hauses abgedeckt, das in der Mitte der Südsee-Abteilung stand und jetzt den Weg nach Mitte antritt. Restauratorin Leonie Gärtner betreut den Prozess.

Der Umzug des Ethnologischen Museums ins Humboldt Forum geht voran – zuletzt wurde das komplette Dach des Palau-Hauses abgedeckt. Wie ist dieses Dach konstruiert und woraus bestand die Dachdeckung?
Leonie Gärtner: Das Haus ist aus über 245 Einzelteilen aufgebaut, die ursprünglich ohne Nägel oder Verleimung, nur durch die Verzapfung der Einzelteile miteinander verbunden waren. Der Dachstuhl des Berliner Palau-Hauses wurde für die Ausstellung 1970 originalgetreu rekonstruiert, für die Befestigung der Sparren und Balken wurde Kokosfaserschnur verwendet.
Die Dachdeckung besteht aus Dachdeckelementen, die in den 1960er Jahren in Ozeanien vorgefertigt wurden. Für diese wurden die Blätter der Pandanuspalme um einen Stab gelegt und festgenäht. Diese Dachdeckelemente wurden dann, vergleichbar mit Dachziegeln oder Schindeln, zum Decken des Dachs übereinander gelegt und am Dachstuhl festgebunden.

Das halb abgedeckte Palau Haus im Ethnologischen Museum. Foto: SPK / Stefan Müchler
Das halb abgedeckte Palau Haus im Ethnologischen Museum. Foto: SPK / Stefan Müchler

Werden die Palmenblätter im Humboldt Forum wiederverwendet oder wird das Dach neu gedeckt?
Die Palmblätter sind nach über 40 Jahren in der Ausstellung gealtert und stark versprödet. Zudem wurden sie mit einem Brandschutzmittel behandelt, was dazu geführt hat, dass der Staub sehr fest an der Oberfläche klebt. Die Palmblätter lassen sich nicht mehr reinigen, und auch nicht ohne Beschädigung abnehmen und wieder anbringen. Daher werden sie für die Ausstellung im Humboldt Forum nicht wiederverwendet.
Das Museum ist im Kontakt mit Personen vor Ort in Ozeanien und klärt zurzeit, ob es möglich ist, die Dachdeckelemente von Männern aus Palau herstellen und das Dach im Humboldt Forum auch von Ihnen decken zu lassen.

Die alten Dach_Elemente des Palau Hauses werden entsorgt. Foto: SPK / Stefan Müchler
Die alten Dach_Elemente des Palau Hauses werden entsorgt. Foto: SPK / Stefan Müchler

In welchen weiteren Schritten wird der Umzug des Palau-Hauses ablaufen?
Jetzt gerade erfolgt die Dokumentation des Hauses und es werden Pläne gezeichnet, damit das Haus im Humboldt Forum wieder korrekt aufgebaut werden kann. Als nächstes werden die vorkragenden beschnitzten Giebelbretter abgenommen. Dann wird das Haus nach und nach vom First aus nach unten abgebaut. Alle Einzelteile werden gereinigt und die fragile Bemalung wird gefestigt. Danach werden alle Teile für den Umzug verpackt. Im Humboldt Forum wird das Haus dann wieder aufgebaut und erhält zum Schluss seine neue Dachdeckung aus Palmblatt.

Was ist dabei die größte Herausforderung für Sie als Restauratorin?
Das Projekt läuft über eine sehr lange Zeit – inklusive vorbereitender Arbeiten über vier Jahre –, man braucht also einen langen Atem. Außerdem sind sehr viele unterschiedliche Akteure zu koordinieren, wie die freiberuflichen Restauratoren, Kunstspeditionen, unsere Kontaktpersonen in Palau, Dachdecker und Museumstechniker, damit das Haus am Ende im Humboldt Forum wieder in seiner ganzen Pracht präsentiert werden kann.

Abdeckung des Dachs des Palau-Haus im Ethnologischen Museum. Foto: SPK / Stefan Müchler
Abdeckung des Dachs des Palau-Haus im Ethnologischen Museum. Foto: SPK / Stefan Müchler

Alle Informationen zum Humboldt Forum gibt es auf der Webseite der Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

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