Schmuck für Cranach im Kunstgewerbemuseum: Preziosen aus dem Land der Moderne

Die Ausstellung „Beautiful Mind“ im Kunstgewerbemuseum zeigt zeitgenössische Interpretationen von Schmuckstücken auf Gemälden Cranachs des Jüngeren. Sie basiert auf einem gleichnamigen Wettbewerb der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt. Wir sprachen mit deren Direktorin Manon Bursian.

Frau Bursian, wie kam es eigentlich zu dem Wettbewerb und was genau war die Aufgabenstellung?
Am Anfang stand der Wunsch, Lucas Cranach dem Jüngeren zu seinem 500. Geburtstag ein besonderes Geschenk zu machen: ein prächtiges Schmuckstück, das in der Renaissance wurzelt, aber ganz modern ist. Zu Cranachs Lebzeiten waren aufwändig gestaltete Schmuckstücke aus kostbaren Metallen, Perlen und Edelsteinen Ausdruck für den Reichtum und sozialen Status ihrer Träger und Trägerinnen. Wir haben uns überlegt, heutige Künstlerinnen und Künstler zu bitten, sich mit der Schmuckkunst der Renaissance auseinanderzusetzen. Heraus kamen großartige Interpretationen von Schmuckstücken, die Cranach der Jüngere, seine Frauen, Söhne und Töchter und die von ihm porträtierten Zeitgenossen getragen haben. Ich muss an dieser Stelle hervorheben, dass der Beautiful-Mind-Wettbewerb mit Abstand der erfolgreichste Wettbewerb war, den die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt seit ihrer Gründung vor gut zehn Jahren initiiert und begleitet hat. Die ungeahnt große Zahl der Wettbewerbsbeteiligten mit 146 Einsendungen zeigte, dass die deutsche Schmuckszene, um ganz unbescheiden zu sein, eigentlich auf so eine Idee gewartet hat.

Wie unterscheidet sich zeitgenössisches Schmuckdesign von Schmuckdesign zu Cranachs Zeiten?
Adel und wohlhabendes Bürgertum entdeckten zu Cranachs Zeiten eine Leidenschaft für Luxus und Repräsentation. Der Reichtum der Goldschmiedekunst und die Begeisterung für neue Formen und bilderreiche Kombinationen zeugen von der Lust am Schmücken und dem Spiel mit dem Material gleichermaßen. Schöpfergeist und Wagnis sind auch den heutigen Künstlern eigen. Einzig die Materialien und die technischen Bedingungen sind heute vielfältiger.

Was ist in Ihren Augen das Besondere an Schmuck und Schmuckdesign?
Vor der Kleidung war der Schmuck. Hermann Parzinger hat in seinem Prometheus-Buch ja schön davon erzählt, dass der Schmuck seit Menschengedenken seine eigene Faszination entfaltet. Der moderne Schmuck genießt trotz der industriellen Herstellung wieder mehr und mehr das Vertrauen von Privatkunden, die das hohe Können und aufrichtige Streben anerkennen und letztlich fördern. Der Künstler heute sucht nach Symbolik, Liebesbeweisen und identitätsstiftende Eigenschaften. Nur wer all diese Wünsche erfüllt, kann besonders sein. Gleichzeitig gibt es in der Schmuckszene die Haltung, vom Alltäglichen abzuweichen und etwas einzigartig Schönes zu schaffen.

Wie definieren Sie die Rolle der Kulturstiftung des Landes Sachsen-Anhalt?
Die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt sieht sich als Anstifterin für spannende, experimentelle Kunst, die aber auch ein großes Publikum findet. Das ist uns ganz wichtig. Insofern war das Initiativprojekt »Beautiful Mind. Ein Schmuckstück für Cranach« ideal: hohe Resonanz, interessante Arbeiten und nun auch noch eine Ausstellung in Berlin. Was will man mehr?

Gibt es in Sachsen-Anhalt denn eigentlich Resonanz für solche Anstiftungen? Man hört ja immer wieder, es sei ein schrumpfendes Land, in dem junge Leute keine Perspektiven hätten.
Sachsen-Anhalt ist aus der Geschichte heraus ein Land der Moderne. Das Bauhaus kam 1926 nicht ohne Grund nach Mitteldeutschland. Heute hat es eine kleine, aber unglaublich quirlige Gestalterszene – von Künstlern, Designern bis hin zu Modemachern. Inzwischen ist diese Szene sowohl national als auch international stärker vernetzt. Auch von dieser Abenteuerlust zwischen Stendal und Dessau wollen wir in Berlin erzählen.

Die Ausstellung »Beautiful Mind. Ein Schmuckstück für Cranach« läuft vom 20. Mai bis 28. August im Kunstgewerbemuseum am Kulturforum.

Brosche von Bettina Dittlmann: o. T., 2012; Foto: Rene Arnold
Brosche von Bettina Dittlmann: o. T., 2012; Foto: Rene Arnold
Kerstin Mayer Halsschmuck Perlenreif Gold, Süßwasserperlen, 2005 Foto: René Arnold
Kerstin Mayer Halsschmuck Perlenreif Gold, Süßwasserperlen, 2005 Foto: René Arnold
Halsschmuck von Mareen Alburg Duncker: für Eva, 2014; Foto: Rene Arnold
Halsschmuck von Mareen Alburg Duncker: für Eva, 2014; Foto: Rene Arnold
Halsschmuck von Dorothea Prühl: Kragen, 2014; Foto: Rene Arnold
Halsschmuck von Dorothea Prühl: Kragen, 2014; Foto: Rene Arnold

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