Schwarz ist nicht gleich schwarz. Farbe und Metall in der Neuen Nationalgalerie

Die Grundinstandsetzung der Neuen Nationalgalerie erfordert unzählige Detailentscheidungen. Anne Schmedding und Constanze von Marlin erfuhren beim spezialisierten Dienstleister ProDenkmal mehr über die denkmalgerechte Restaurierung der Bauteile und Oberflächen der Gebäudehülle und Innenräume.

„Je besser wir im Detail forschen, je mehr Erkenntnisse wir aus den Untersuchungen zum Bestand ziehen, desto denkmalgerechter kann die Restaurierungsplanung erfolgen“, erklärt Wolfgang Frey, Geschäftsführer von ProDenkmal. Mit äußerster Akribie widmet sich ein Team von Mitarbeitern unterschiedlicher Disziplinen seit 2013 im Auftrag des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung insbesondere den Themen Metall, Holz und Stein. In loser Folge werden wir an dieser Stelle über besondere Materialuntersuchungen berichten.

Bemusterungstermin der Fassung auf Metall in der Neuen Nationalgalerie (vlnr Fritz Neumeyer, Dirk Lohan, Daniel Wendler, Martin Reichert). Foto: Schmedding.vonMarlin
Bemusterungstermin der Fassung auf Metall in der Neuen Nationalgalerie (vlnr Fritz Neumeyer, Dirk Lohan, Daniel Wendler, Martin Reichert). Foto: Schmedding.vonMarlin
Begutachtung des Zustands der Stahlkonstruktion der Glasfassade außen. Foto: Schmedding.vonMarlin
Begutachtung des Zustands der Stahlkonstruktion der Glasfassade außen. Foto: Schmedding.vonMarlin

Der sorgfältige Umgang mit den vorhandenen Materialien ist nicht nur aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wichtig, um möglichst weitgehend die bauzeitliche Substanz zu erhalten. Auch für die Qualität der Architektur von Mies van der Rohe ist die präzise Kontrastierung von der kühlen Glas-Stahl-Architektur mit warmen Holztönen und grünem Marmor von großer Bedeutung, weswegen bei der Restaurierungsplanung die Farbwirkung aller Materialien im Blick behalten werden muss. Markant schwebt das 65 mal 65 Meter große, auf nur acht Stützen gelagerte Stahldach über dem ansonsten stützenlosen Ausstellungsraum.

Ein wichtiger Bestandteil des architektonischen Werkes
Der fast schwarze Anstrich des Dachs wiederholt sich bei den filigranen Pfosten der Glasfassade. Die Beschichtung, ein grau-schwarzer, matter Lack, ist ein wichtiger, die Ästhetik des Baus prägender Bestandteil der Originalsubstanz. Historische Quellen belegen, dass sich Mies van der Rohe selbst mit der Farbgebung und den Beschichtungsstoffen auseinander gesetzt hat. Demzufolge sind die heute noch sichtbaren oder unter den Überfassungen verborgenen Originalbeschichtungen der Stahlkonstruktion ein wichtiger Bestandteil des architektonischen Werkes.

Voruntersuchung der Metallbeschichtung in der Neuen Nationalgalerie. Foto: BBR/ProDenkmal
Voruntersuchung der Metallbeschichtung in der Neuen Nationalgalerie. Foto: BBR/ProDenkmal
Muster für die Neubeschichtung der Pfosten außen. Foto: BBR/ProDenkmal
Muster für die Neubeschichtung der Pfosten außen. Foto: BBR/ProDenkmal
Untersuchung der Metallbeschichtung der Pfosten unter der Decke. Foto: BBR/ProDenkmal
Untersuchung der Metallbeschichtung der Pfosten unter der Decke. Foto: BBR/ProDenkmal

Die Deckenuntersicht der großen Halle im Innenbereich präsentiert sich weitestgehend in der Erstfassung, weswegen sie nur gereinigt und punktuell ausgebessert werden soll. Komplizierter ist die Ausgangslage bei allen sonstigen Metalloberflächen. Beispielsweise wurden die innen liegenden Pfosten der Stahl-Glasfassade, soweit aus den vorhergehenden Farbuntersuchungen bekannt, bereits mehrfach neu beschichtet. Um zu sehen, was von dem Originalanstrich übrig ist und wie er genau beschaffen ist, wurden kleine Flächen freigelegt.

Gestrichen wird mit dem Pinsel
Mit den Testflächen konnte nachgewiesen werden, dass eine Freilegung der bauzeitlichen Oberfläche im Sichtbereich mit angemessenem Aufwand durchgeführt werden kann. Sämtliche Überfassungen werden unter Erhalt der ursprünglichen Anstrichoberfläche entfernt, um die Erstintention des Farbanstrichs mit seinem Pinselduktus und der gleichmäßig matten Erscheinung wieder erlebbar zu machen. Partielle Fehlstellen werden retuschiert. Das wird im oberen Bereich nicht fortgeführt, weil hier voraussichtlich kaum Originalsubstanz vorhanden ist oder erhalten werden kann. Um trotzdem einen einheitlichen Eindruck zu erreichen, wird auch oben die Farbe wie ursprünglich mit einem Pinsel gestrichen.

Mustertafel für die Oberflächenbehandlung der Stahlkonstruktion. Foto: Schmedding.vonMarlin
Mustertafel für die Oberflächenbehandlung der Stahlkonstruktion. Foto: Schmedding.vonMarlin
Die Mustertafeln zeigen die unterschiedliche Oberflächenwirkung je nach den Farbauftrag mit dem Pinsel gestrichen oder gespritzt. Foto: Schmedding.vonMarlin
Die Mustertafeln zeigen die unterschiedliche Oberflächenwirkung je nach den Farbauftrag mit dem Pinsel gestrichen oder gespritzt. Foto: Schmedding.vonMarlin
Schadstellen an den Metallpfosten der Glasfassade. Foto: Schmedding.vonMarlin
Schadstellen an den Metallpfosten der Glasfassade. Foto: Schmedding.vonMarlin

Die restauratorische Voruntersuchung für die Metallfassungen charakterisiert Roland Sommer von ProDenkmal mit den Worten „schwarz ist nicht gleich schwarz“. Den richtigen Farbton für die Beschichtung der Metallelemente zu treffen, verlangt große Sorgfalt, weil der Gesamteindruck dadurch enorm verändert werden kann. Ziel der Restaurierungsmaßnahme ist es, einen einheitlichen, authentischen Eindruck wieder herzustellen, der lediglich bei sehr genauem Hinsehen den Wechsel zwischen erhaltenen Erstfassungen, freigelegten bzw. restaurierten Bereichen und Neufassungen offenbart.

Text: schmedding.vonmarlin.

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