Skulptur trifft Musik: Zooey und Lioba zwischen Erdung und Hyperventilation

Junge KünstlerInnen haben sich von Canovas „Tänzerin“ im Bode-Museum zu vier Kompositionen inspirieren lassen. Am Freitag werden die Stücke zum Abschluss der Ausstellung „Canova und der Tanz“ live aufgeführt – hier stellen wir die KünstlerInnen vor.

Anlässlich der Ausstellung „Canova und der Tanz“ im Bode-Museum haben junge KünstlerInnen eigene Skulpturvertonungen entwickelt, die im Rahmen der Ausstellung vorgestellt wurden. Zur Finissage kommen nun noch einmal alle KünstlerInnen zusammen und präsentieren ihre Werke zum ersten und einzigen Mal gemeinsam. Zooey Agro und Lioba Marthé Kaszemeik treten im Team auf: gemeinsam entwickelten sie eine Performance für Tanz, Stimme und Zuspieler, bei der die Choreographie von Lioba und die Musik von Zooey schrittweise aufeinander Bezug nehmend entstanden.

Welchen Impuls habt ihr bei der ersten Begegnung mit der Skulptur verspürt?
Lioba: Sympathie.
Zooey: Befremden.

Welcher künstlerische Gedanke steckt hinter eurer Komposition und Choreographie?
Zooey: „All musical truth resides in the body“, zitiert die New Yorker Künstlerin Meredith Monk den Schweizer Komponisten Dalcroze. Die „Beatmung“ der Skulptur, die Idee von Heilung durch Tanz, wie in der Tarantella, die vielleicht zur „Befreiung“ der Tänzerin führen kann – all das sind Ideen, die in die Arbeit eingeflossen sind.
Lioba: Die Skulptur stellt das Endprodukt eines Schaffensprozesses der bildenden Kunst dar. Im Gegensatz zu dieser kann der Tanz als darstellende Kunst nicht in derselben Weise ein Endprodukt schaffen. Selbst wenn eine Choreographie erarbeitet wird, wird diese nie bei jeder Vorführung dieselbe sein, da die Umsetzung und Atmosphäre sowohl von der physischen und psychischen Verfassung der Tänzerin oder des Tänzers als auch von der des Publikums beeinflusst wird.
Spannend ist, dass die Tänzerin – obgleich „Endprodukt“ – für meine Improvisation und Choreographie den Startpunkt, den Impuls gibt. Weder ist bekannt, woher die in ihr festgehaltene Bewegung kommt, noch wohin sie führt.
In meiner Improvisation lasse ich mich besonders von dem Bild der in Stein festgehaltenen, dynamischen Bewegung und von der durch die Musik geschaffenen Atmosphäre inspirieren. Doch auch die Pose der Skulptur und ihr Standpunkt im Raum, in Beziehung zu den anderen Tänzerinnen, beeinflussen mich in meinem Tanz.
Die Idee im choreographischen Teil meines Tanzes ist es, eine klare Verbindung zur Musik zu kreieren und die Idee der „Befreiung“ zu vertanzen.

Welche Bedeutung hat die räumliche und dreidimensionale Ebene der Skulptur für eure Vertonung und Choreographie?
Zooey: Wandernde Stereoeffekte schaffen eine bewegtere klangliche Räumlichkeit – die Dreidimensionalität wird gespiegelt in den drei teilnehmenden Akteurinnen: der „Tänzerin mit den Zimbeln“, der Tänzerin Lioba Kaszemeik und mir, die die Musik vorproduziert hat und nun singt. Weiterhin wird durch die Skulptur der Tänzerin mit den Zimbeln und die vier anderen Skulpturen ein Aktionsraum im Raum geschaffen.

Könnt ihr eure Kompositionen in drei Worten beschreiben?
Lioba: Befreiung, Verbindung, Erdung.
Zooey: Puls, Hyperventilation, Rausch.

Die große Finissage zu “Canova und der Tanz” findet am Freitag, den 20.1.2017 ab 18 Uhr im Bode-Museum statt. Eintritt ist der reguläre Museumseintritt.

Finissage auf Facebook.

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