Tür in die Vergangenheit: Ein spanisches Kleinod in der Gemäldegalerie

Im Vorfeld der großen Ausstellung „El Siglo de Oro“ in der Gemäldegalerie präsentierten die dortigen Fachleute ein besonderes Kleinod. Das Gemälde des spanischen Künstlers Juan Antonio de Frías y Escalante (1633-1669) birgt ein interessantes Geheimnis …

Auf der Flucht vor Isebel, der Frau des israelischen Königs Ahab, ist der Prophet Elias erschöpft im Schatten eines Baumes eingeschlafen. Ein Engel hat sich über Elias gebeugt und versucht, ihn mit einer zarten Berührung an der Schulter zu wecken. Mit dem Zeigefinger seiner rechten Hand weist er auf einen Laib Brot und einen mit Wasser gefüllten Krug.

Juan Antonio de Frias y Escalante: Der Engel erweckt den Propheten Elias in der Wüste, um 1650/60, © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Foto: Jörg P. Anders
Juan Antonio de Frias y Escalante: Der Engel erweckt den Propheten Elias in der Wüste, um
1650/60, © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Foto: Jörg P. Anders

Diese biblische Szene auf einem 49×33 cm großen Pinienholz-Täfelchen beschäftigt derzeit die Fachleute der Gemäldegalerie. Im Zuge der Vorbereitungen für die große Ausstellung „El Siglo de Oro – Die Ära Velazquez“ wurde das Gemälde „Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste“ (ca. 1650/60) eingehend untersucht – mit überraschendem Ergebnis. „Bei der Überprüfung einer Röntgenaufnahme des Bildes entdeckten wir eine Fehlstelle“, erklärt die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Babette Hartwieg, „dabei handelte es sich um ein Schlüsselloch.“ Zudem, so erklärt die Wissenschaftlerin weiter, sind in den Röntgenaufnahmen an der rechten Seite des Bildträgers zwei Scharniere zu erkennen. Diese Indizien sowie die Ausführung auf Holz und das kleine Format erhärten den Verdacht: Vermutlich hat es sich bei dem Objekt einst um ein verschließbares Türchen gehandelt.

Babette Hartwieg, die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, berichtet von der Untersuchung des Gemäldes. Foto: SMB / Sven Stienen
Babette Hartwieg, die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, berichtet von der Untersuchung des Gemäldes. Foto: SMB / Sven Stienen

Da die im Bild festgehaltene alttestamentarische Speisung des Propheten Elias eine häufig verwendete vorausdeutende Darstellung für das Abendmahl ist, fungierte es mit großer Wahrscheinlichkeit als Tür eines Schränkchens, in dem in einer Kirche die Hostien und der Abendmahlskelch aufbewahrt wurden – vielleicht auch als Teil eines großen Altars. In Spanien kommen derartige, mit bildlichen Darstellungen versehene Türchen in zahlreichen Sockeln von Altarretabeln des 17. Jahrhunderts vor.

„Es ist schon etwas Besonderes, wenn man sich vorstellt, wie der Priester vor der Feier des Abendmahls diese Tür öffnete und die Hostien herausholte“, begeistert sich Kurator Sven Jakstat, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ausstellung mitarbeitet. „Diese Brücke in die Vergangenheit wollen wir für die Besucher der Ausstellung El Siglo de Oro vermehrt schlagen und Ihnen auf diese Weise neue Perspektiven auf die Kunst des 17. Jahrhunderts ermöglichen“, erklärt er weiter.

Kurator Sven Jakstat vor „Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste“ (ca. 1650/60) von Juan Antonio Escalante in der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie. Foto: SMB / Sven Stienen
Kurator Sven Jakstat vor „Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste“ (ca. 1650/60) von Juan Antonio Escalante in der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie. Foto: SMB / Sven Stienen

Das Gemälde wurde aufgrund der überaus lockeren, an die venezianische Malerei erinnernden Malweise lange dem italienischen Barockmaler Francesco Maffei zugeschrieben. Die Ergebnisse der kunsttechnologischen Untersuchung des Werkes erhärten nun jedoch die vermutete Herkunft des Gemäldes aus Spanien, wo es aufgrund stilistischer Argumente seit den 1970er Jahren mit Juan Antonio de Frías y Escalante (1633-1669) aus Madrid in Verbindung gebracht wurde. Einen genaueren Blick auf das Original können Interessierte im Rahmen von „El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez“ werfen, wo es als Werk Escalantes im Kontext der großen spanischen Meister wie El Greco und Velázquez präsentiert wird.

Das Gemälde „Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste“ (ca. 1650/60) von Juan Antonio Escalante in der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie. Foto: SMB / Sven Stienen
Das Gemälde „Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste“ (ca. 1650/60) von Juan Antonio Escalante in der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie. Foto: SMB / Sven Stienen
Roberto Contini, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gemäldegalerie, vor dem Gemälde „Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste“ (ca. 1650/60). Foto: SMB / Sven Stienen
Roberto Contini, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Gemäldegalerie, vor dem Gemälde „Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste“ (ca. 1650/60). Foto: SMB / Sven Stienen
Kurator Sven Jakstat vor „Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste“ (ca. 1650/60) von Juan Antonio Escalante in der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie. Foto: SMB / Sven Stienen
Kurator Sven Jakstat vor „Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste“ (ca. 1650/60) von Juan Antonio Escalante in der Restaurierungswerkstatt der Gemäldegalerie. Foto: SMB / Sven Stienen
Babette Hartwieg, die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, berichtet von der Untersuchung des Gemäldes. Foto: SMB / Sven Stienen
Babette Hartwieg, die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, berichtet von der Untersuchung des Gemäldes. Foto: SMB / Sven Stienen
Babette Hartwieg, die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, berichtet von der Untersuchung des Gemäldes. Foto: SMB / Sven Stienen
Babette Hartwieg, die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, berichtet von der Untersuchung des Gemäldes. Foto: SMB / Sven Stienen
„Bei der Überprüfung einer Röntgenaufnahme des Bildes entdeckten wir eine Fehlstelle“, erklärt die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Babette Hartwieg, „dabei handelte es sich um ein Schlüsselloch.“  Foto: SMB / Sven Stienen
„Bei der Überprüfung einer Röntgenaufnahme des Bildes entdeckten wir eine Fehlstelle“, erklärt die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Babette Hartwieg, „dabei handelte es sich um ein Schlüsselloch.“ Foto: SMB / Sven Stienen
„Bei der Überprüfung einer Röntgenaufnahme des Bildes entdeckten wir eine Fehlstelle“, erklärt die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Babette Hartwieg, „dabei handelte es sich um ein Schlüsselloch.“  Foto: SMB / Sven Stienen
„Bei der Überprüfung einer Röntgenaufnahme des Bildes entdeckten wir eine Fehlstelle“, erklärt die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Babette Hartwieg, „dabei handelte es sich um ein Schlüsselloch.“ Foto: SMB / Sven Stienen
„Bei der Überprüfung einer Röntgenaufnahme des Bildes entdeckten wir eine Fehlstelle“, erklärt die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Babette Hartwieg, „dabei handelte es sich um ein Schlüsselloch.“  Foto: SMB / Sven Stienen
„Bei der Überprüfung einer Röntgenaufnahme des Bildes entdeckten wir eine Fehlstelle“, erklärt die Leiterin der Restaurierungswerkstatt, Babette Hartwieg, „dabei handelte es sich um ein Schlüsselloch.“ Foto: SMB / Sven Stienen
Babette Hartwieg, Leitende Restauratorin der Gemäldegalerie. Foto: SMB / Sven Stienen
Babette Hartwieg, Leitende Restauratorin der Gemäldegalerie. Foto: SMB / Sven Stienen
Um interessante Indizien auf der Rückseite zu zeigen, wird das Gemälde umgedreht. Foto: SMB / Sven Stienen
Um interessante Indizien auf der Rückseite zu zeigen, wird das Gemälde umgedreht. Foto: SMB / Sven Stienen
Die Rückseite offenbarte laut Babette Hartwieg, dass es sich beim Bildträger wahrscheinlich um eine Tür handelte. Foto: SMB / Sven Stienen
Die Rückseite offenbarte laut Babette Hartwieg, dass es sich beim Bildträger wahrscheinlich um eine Tür handelte. Foto: SMB / Sven Stienen
Die Rückseite offenbarte laut Babette Hartwieg, dass es sich beim Bildträger wahrscheinlich um eine Tür handelte. Foto: SMB / Sven Stienen
Die Rückseite offenbarte laut Babette Hartwieg, dass es sich beim Bildträger wahrscheinlich um eine Tür handelte. Foto: SMB / Sven Stienen
Die Rückseite offenbarte laut Babette Hartwieg, dass es sich beim Bildträger wahrscheinlich um eine Tür handelte. Foto: SMB / Sven Stienen
Die Rückseite offenbarte laut Babette Hartwieg, dass es sich beim Bildträger wahrscheinlich um eine Tür handelte. Foto: SMB / Sven Stienen
Die Röntgenaufnahme des Gemäldes offenbart bisher Verborgenes. Foto: SMB / Sven Stienen
Die Röntgenaufnahme des Gemäldes offenbart bisher Verborgenes. Foto: SMB / Sven Stienen

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