Was macht eigentlich … Frank Marohn, Museologe und Depotverwalter am Ägyptischen Museum

Bei den Staatlichen Museen zu Berlin arbeiten täglich hunderte MitarbeiterInnen daran, den Betrieb zu managen und tolle Projekte auf die Beine zu stellen. Hier schauen wir Frank Marohn, Museologe und Depotverwalter am Ägyptischen Museum und Papyrussammlung über die Schulter.

Frank, du bist bereits seit vielen Jahren beim Ägyptischen Museum, wolltest du denn schon immer im Museum arbeiten?
Eigentlich war es mein Kindheitstraum, im Ägyptischen Museum zu arbeiten. Da ich aber in der DDR nicht die Chance hatte Ägyptologie zu studieren, musste ich diesen Traum vorerst aufgeben. Ich wurde zunächst Nachrichtentechniker bei der Deutschen Reichsbahn. Unverhofft ergab sich 1988 die Chance, mich als „Depotverwalter für die Gemälde des 19. Jahrhunderts“ an der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin zu bewerben. Die Bewerbung war erfolgreich und ich studierte danach Museologie in Berlin und Leipzig. 1991 konnte ich mich schließlich auf eine Stelle als „Depotverwalter am Ägyptischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin“ bewerben – mein Kindheitstraum wurde war. Manche Wege sind nicht immer geradlinig, aber gerade deshalb interessant. Man sollte nie seine Träume aufgeben, denn es kann sein, dass sie plötzlich wahrhaftig werden.

Woran arbeitest du gerade?
Neben der digitalen Standortverwaltung, der Betreuung von Gastwissenschaftlern sowie der Sichtung, Verpackung, Organisation und Bereitstellung von Objekten für den nationalen- und internationalen Leihverkehr, schreibe ich gerade an einem Aufsatztext über einen Gipsabguss Ramses II. aus unserer Sammlung. Dessen Original aus Granitmaterial ist im Ägyptischen Museum Turin zu sehen. Das Buch, in dem dieser Aufsatz erscheinen soll, beschäftigt sich speziell mit der Ausstellungsgestaltung der Ägyptischen Sammlung im Neuen Museum durch den Ägyptologen Richard Lepsius.

Wie sieht dein Berufsalltag aus?
Hauptsächlich habe ich mit der Betreuung der etwa 37.000 Objekte des Ägyptischen Museums zu tun. Diese werden aufgrund der Klimaanforderungen in verschiedenen Depots nach Material getrennt aufbewahrt. Bedingt durch die Geschichte der Sammlung, ist seit dem letzten Weltkrieg und der 41 Jahre dauernden Trennung Deutschlands eine grundlegende Revision der Objekte bis heute noch nicht abgeschlossen. Alles muss in einem Datenbanksystem erfasst und fotografisch dokumentiert werden. Die Zusammenarbeit mit Restauratoren und Wissenschaftlern ist dabei ein wesentlicher Bestandteil meiner täglichen Arbeit. Dazu kommen Planungen für neue Depots, die modern, effektiv und zukunftsweisend sein sollen. Die Betreuung von Objekten während eines Transports oder eines Ausstellungsauf- und -abbaus sind ebenfalls umsichtig zu erfüllende Aufgaben.

Was magst du am meisten an deinem Beruf?
Die vielfältigen Möglichkeiten, mit ägyptischen archäologischen Objekten umzugehen, aber auch mit Menschen zusammenarbeiten zu können.

Und was am wenigsten?
Unzuverlässigkeit und den teils enormen Zeitdruck bei vielen Tätigkeiten.

Im Verlauf der Zeit hast du die Sammlung an verschiedenen Standorten betreut: Hat dir ein Standort für deine „Schützlinge“ besonders gut gefallen?
Ich mochte besonders die Unterbringung der Objekte im Untergeschoss des Pergamonmuseums. Da sich mein Büro im Südflügel des Gebäudes befand, war die Nähe zu den Objekten bei verschiedenen Fragestellungen und Tätigkeiten, besonders bei der Betreuung von Gastwissenschaftlern, praktisch. Durch die 2012 beginnende Sanierung des Pergamonmuseums mussten die Depotbestände des Ägyptischen Museums komplett ausziehen und sind nun an mehreren Orten in Berlin verteilt. Dabei wurden beispielsweise über 3.000 Steinobjekte, teils tonnenschwer, mithilfe einer Kunsttransportfirma bewegt.

Die Arbeit eines Depotverwalters ist sehr vielseitig und umfangreich. Kommt der Museologe in dir dabei oft zu kurz?
Die Vielfalt der Aufgaben innerhalb der Verwaltung und Organisation der Depots lässt wirklich wenig Zeit, sich mit den Dingen zu beschäftigen, die mir selbst am Herzen liegen und die durch das Studium der Museologie vertieft wurden. Ich interessiere mich unter anderem sehr für die Geschichte der Gipsabguss-Sammlung des Ägyptischen Museums.

Hast du ein Lieblingsobjekt oder eine Lieblingsobjektgruppe?
Viele Objekte sind mir inzwischen ans Herz gewachsen, vor allem Kulturgeschichtlich interessante Stücke der Ägyptischen Sammlung. Dazu gehört zum Beispiel eine aus vergoldetem Stuck bestehende Mumienmaske eines Mannes aus dem Grab der Aline, die bemalte Kalksteinstele eines biertrinkenden Syrers aus der Amarna-Zeit oder ein derzeit im Depot befindliches Kosmetikkästchen aus Holz mit kleinen Behältern für Augenschminke. Eine Objektgruppe, die ich gerne einmal in der Ausstellung des Neuen Museums sehen würde, sind die Uschebtis. Von diesen besitzt das Ägyptische Museum circa 1.600 Objekte aus verschiedenen Materialien wie Holz, Fayence, Stein oder gebranntem Ton. Auch die Objektgruppe der etwa 80 Kanopengefäße aus Kalzit-Alabaster, Kalkstein, gebranntem Ton, Fayence und Holz wäre es wert, einmal in einer Ausstellung gezeigt zu werden.

Würdest du gerne einmal eine Zeitreise in eine längst vergangene Epoche Ägyptens unternehmen? Wenn ja, in welche und was würde dich besonders interessieren?
Es würde mich reizen, in die Zeit von Nofretete und Echnaton oder von Kleopatra zu reisen, um zu sehen, ob die heutige Wissenschaft mit ihren Thesen Recht hat oder nicht.

Was ist das kurioseste oder aufregendste Erlebnis, das du mit deinem Job verbindest?
Aufregend ist es, manchmal aufgrund meiner visuellen Erinnerung Fragmente von Objekten im Depot zu finden, die seit Jahrzehnten unerkannt und teils mit neuer Inventarnummer versehen dort lagern. Mal war es ein Stück einer Kalksteinstele, ein anderes Mal ein Fragment einer Terrakottafigur oder ein Stück eines Holzsarges, ferner Fragmente von Uschebtis, die ich wieder zusammenführen konnte. Das sind die „kleinen Ausgrabungen“ im Depot, die Glücksmomente für mich darstellen.

Letzte Frage: Was würdest du nachts allein im Museum tun?
Schlafen wahrscheinlich und von Königen und Königinnen des Alten Ägyptens träumen.

Foto: David von Becker

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