Was macht eigentlich … Karsten Dahmen, Kurator im Münzkabinett

Bei den Staatlichen Museen zu Berlin arbeiten täglich hunderte MitarbeiterInnen daran, den Betrieb zu managen und tolle Projekte auf die Beine zu stellen. Hier schauen wir ihnen über die Schulter, auf den Schreibtisch oder unter das Mikroskop. Dieses Mal: Karsten Dahmen, Kurator im Münzkabinett.

Woran arbeiten Sie gerade?
Ich inventarisiere zwei belgische Gedenkmünzen aus diesem Jahr, welche an die Schlacht von Waterloo und den Sieg der alliierten Engländer, Preußen und Belgier über Napoleon vor genau 200 Jahren erinnern. Zudem werte ich eine Publikation von 1742 und einen handschriftlichen Münzkatalog von um 1770 aus, die beide denselben Fund römischer Silbermünzen des 1. bis 3. Jhs. n. Chr. im heutigen Ostpreußen beschreiben. Die rund 1.100 Münzen sind 1741 in das Münzkabinett gebracht worden und – wenn nicht, wie damals üblich, gegen bessere Exemplare ausgetauscht worden – in Teilen noch heute in unserer Sammlung nachweisbar.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Es lässt sich neben den regulär geplanten Projektvorhaben und Ausstellungen schwer vorhersagen, was die jeweils nächste Woche bringen wird. Als eine der fünf großen Münz- und Medaillensammlungen weltweit bekommen wir viele Anfragen von ganz unterschiedlichen Leuten. Münzsammler, Menschen, denen Angehörige eine Sammlung hinterlassen haben und die nicht wissen, wie sie diese einzuschätzen haben, Kollegen und Numismatiker aus dem In- und Ausland. Die Anliegen sind ganz verschieden, im Fokus steht aber immer die Erschließung unseres Sammlungsbestandes von über einer halben Million Originalobjekten sowie 200.000 historische Münzgipse für die Öffentlichkeit und die Forschung. Die Münzen und Medaillen müssen klassifiziert, beschrieben, mit Literatur versehen, fotografiert, ihre Herkunft muss geprüft und schließlich die Objekte in unserer Datenbank eingepflegt werden. Auch gehört es zu meinen Aufgaben, unsere Münzdatenbank redaktionell zu betreuen. Ganz spannend ist die sich gerade entwickelnde internationale Zusammenarbeit zur Erstellung von Meta- und Normdaten, welche eine Austauschbarkeit der Datenbankinhalte über den ganzen Globus und Sprachgrenzen hinweg ermöglichen wird. Die Früchte unserer Arbeit kann sich ein jeder auf unserer Webseite anschauen.

Was mögen Sie am meisten an Ihrem Beruf?
Ganz eindeutig die große Variation in den Aufgaben, den zu betreuenden Gebieten hier im Kabinett und vor allem die direkten Bezüge zu unserer Geschichte. Man kann sich gerade mit antiken Münzen beschäftigen, dann eine Anfrage zu ummayadischen, also frühislamischen Münzen beantworten und dann kurz darauf einen Abbildungswunsch aus dem Bereich Renaissancemedaillen erfüllen. Natürlich ist man auch froh, einmal am Stück ein Anliegen durchziehen zu können. Anders als man vielleicht denken mag, arbeiten hier nicht ältliche, eingestaubte Herren mit Lupe vor dem Auge, sondern ein verhältnismäßig junges Team aus festen und freiwilligen Mitarbeitern, Projektmitarbeitern, Studenten und zeitweise auch ausländischen Kollegen. Ich persönlich finde es extrem spannend, wie wir hier nicht nur die traditionellen Methoden der numismatischen Arbeit verwenden, sondern beispielsweise bei guter Überlieferungslage das historische Objekt, ein Inventar des 18. Jhs., ausführliche Fachbeschreibungen und das allen zugängliche Medium Internet und Objektdatenbank miteinander verknüpfen können. Und wenn uns online mal ein Fehler passiert, kommt schnell ein Email-Kommentar eines Lesers, auf den wir in Sekunden reagieren können.

Und was am wenigsten?
Schwimmer im Kupfergraben!

Was ist das kurioseste oder aufregendste Erlebnis, das Sie mit Ihrem Job verbinden?
Nur ein Beispiel: Zu unserer Goldgiganten-Ausstellung vor einigen Jahren haben wir – alle Objekte zusammengerechnet – rund 180 kg Gold gezeigt (leider nicht alles unsere eigenen Bestände, sondern auch Leihgaben). Die mussten natürlich irgendwie aus unserem Depot in den Ausstellungsraum und das geht eigentlich nur per Hand. Es hat schon etwas, einen Goldbarren von 12 kg zu tragen. Ich kann versichern, dass dies schwerer ist als man denkt und der Weg hoch in den ersten Stock des Bode-Museums auf einmal sehr lang sein kann.

Was würden Sie nachts im Museum tun?
Mir hat die ‚alte‘ Südseeabteilung im Ethnologischen Museum in Dahlem immer sehr gefallen. Wenn das Humboldt-Forum im neugebauten Stadtschloss eröffnet ist, dann könnte ich mir eine spannende Nacht dort vorstellen, aber nicht allein, sondern mit meinem Sohn auf Entdeckungstour.

Foto: Achim Kleuker

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