Was macht eigentlich … Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin

Bei den Staatlichen Museen zu Berlin arbeiten täglich hunderte MitarbeiterInnen daran, den Betrieb zu managen und tolle Projekte auf die Beine zu stellen. Hier schauen wir ihnen über die Schulter. Dieses Mal: Prof. Dr. Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin.

Woran arbeiten Sie gerade?
Vor kurzem bin ich von der Eröffnung der Ausstellung „Twilight over Berlin. Masterworks from the Nationalgalerie, 1905–1945“ in Jerusalem zurückgekehrt. Bei solchen Veranstaltungen wird einem bewusst, welche wichtigen Aufgaben der Kunst- und Kulturbereich im internationalen Kontext übernimmt: Anlass für die Ausstellungseröffnung war nämlich nicht nur das 50-jährige Bestehen des Israel Museums, sondern auch das 50-jährige Jubiläum der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel.

Hier in Berlin bin ich an der Organisation der sammlungsübergreifenden Ausstellung „Holbein in Berlin. Die Madonna der Sammlung Würth mit Meisterwerken der Staatlichen Museen zu Berlin“ beteiligt, die ab 21. Januar 2016 im Bode-Museum gezeigt wird.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Der Generaldirektor ist vor allem bei den Dingen gefordert, die alle Sammlungen und Einrichtungen der Staatlichen Museen zu Berlin betreffen. Dazu gehören Bauaufgaben von der Sanierung der Neuen Nationalgalerie bis zum Neubau der James-Simon-Galerie, große nationale und internationale Ausstellungskooperationen und zahllose Anfragen in Hinblick auf unser Programm, mögliche Kooperationen oder andere Planungen.

Mein Berufsalltag folgt einem sehr engen Terminkalender. Es gibt interne Rücksprachen oder große Team- oder Gremienbesprechungen. Auch Begegnungen mit Partnern, Förderern oder Sammlern gehören zu meinem Alltag. Als Generaldirektor muss ich – beraten von einem Team von Fachleuten unterschiedlicher Bereiche – Entscheidungen treffen und Probleme lösen, wenn andere nicht weiterkommen.

Was mögen Sie am meisten an Ihrem Beruf?
Die ständig wechselnden Szenarien: Dieses Durcheinander in Hochgeschwindigkeit auf der einen Seite und auf der anderen dann der komplette Kontrast, wenn ich mich als Kunsthistoriker auch mal in Ruhe mit Werken unserer Sammlungen beschäftigen kann.

Besondere Freude bereitet mir die Vorbereitung der Ausstellung „El Siglo de Oro. Die Ära Velazquez“, die ich als Projektleiter betreue. Mit diesem Projekt leisten wir kunsthistorische Pionierarbeit, was die Wahrnehmung spanischer Malerei und Skulptur in Deutschland angeht. Ich freue mich dementsprechend auf den Sommer 2016 am Kulturforum und bin gespannt, wie die Besucherinnen und Besucher auf die Ausstellung reagieren.

Und was am wenigsten?
Den enormen Zeitaufwand, der zur Erfüllung dieser Aufgaben notwendig ist. Die zeitliche Dimension und manchmal auch die extremen Belastungen und der große Druck, die damit zusammenhängen.

Was ist das kurioseste oder aufregendste Erlebnis, das Sie mit Ihrem Job verbinden?
Während einer Dienstreise nach Sankt Petersburg im Jahr 2010 brach der isländische Vulkan Eyjafjallajökull aus und legte den europäischen Flugverkehr lahm. Statt einer geplanten Reisezeit von ca. fünf Stunden und einer Ankunft am Freitagabend in Berlin verzögerte sich meine Reise erheblich und wurde zu einem kleinen Abenteuer. Der Rückflug wurde auf Grund der vulkanischen Rauchschwaden gestrichen. Nur dank der Unterstützung des Direktors der Eremitage gelang es unter ‚ungeklärten Umständen‘, für einen englischen Kollegen und mich ein Zugticket nach Berlin zu ergattern. Am Samstagabend ging es mit dem Nachtzug nach Moskau, dort wurde es hektisch: In kürzester Zeit mussten wir quer durch die Stadt zu einem anderen Bahnhof, um dort noch den Anschlusszug zu erwischen. Nachdem wir unsere Plätze im Kurswagen eingenommen und uns von der morgendlichen Hektik erholt hatten, beschlossen wir, für das Abendessen einen Tisch im Speisewagen zu reservieren. Wir freuten uns auf ein entspanntes Essen, während die russische Tundra an uns vorüberziehen sollte. Mit Erstaunen mussten wir uns belehren lassen, dass der Speisewagen im Laufe des Nachmittags abgekoppelt würde, über Mittag bereits alle Tische reserviert seien und es auch sonst nichts zu kaufen gäbe. Hungrig erlebten wir die lange Etappe von 25 Stunden Zugfahrt nun anders als erwartet. Dass wir phasenweise in unserem Wagen eingeschlossen wurden, um diverse Gleiswechsel zu vollziehen, war eine Kleinigkeit. Die Umspurung in Brest (Weißrussland) auf das europäische Gleissystem mit Hilfe eines Krans, der den Wagen (uns darin eingeschlossen) auf das andere Gleis hob, beeindruckte dagegen sehr. Nach sage und schreibe 33 Stunden Fahrtzeit erreichten wir am Montagmorgen endlich Berlin, und ich konnte noch pünktlich in die Arbeitswoche starten.

Letzte Frage: Was würden Sie nachts allein im Museum tun?
Anstatt allein im Museum zu sein, würde ich – wenn wir es uns leisten könnten – lieber bei freiem Eintritt die Türen rund um die Uhr öffnen.

Foto: Achim Kleuker

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