Was macht eigentlich … Miguel Helfrich, Leiter der Gipsformerei

Miguel Helfrich leitet die Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin. In unserem Porträt erzählt er, wie dort Kunst aus der gesamten Menschheitsgeschichte zu neuem Leben erweckt wird und was es mit der DNA der Objekte auf sich hat.

Woran arbeiten Sie gerade?
Wir arbeiten in unterschiedlichen Projekten an der Erforschung und Entwicklung der Sammlung der Gipsformerei. Auch gilt es unser Angebot qualitativ hochwertig und international zu präsentieren. Wir nehmen derzeit zum Beispiel an einer mehrjährigen Welttournee von deutschen Manufakturen teil, die gerade in Shanghai gastiert. In letzter Zeit bekommen wir außerdem vermehrt Anfragen von zeitgenössischen chinesischen Künstlern und Kunstmuseen.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Einen typischen Berufsalltag habe ich eigentlich nicht, dazu sind die Aufgaben zu vielfältig. Das einzige ist vielleicht mein täglicher Rundgang durch unsere Werkstätten, aber das ist sogleich auch eine meiner liebsten Tätigkeiten.

Was mögen Sie am meisten an Ihrem Beruf?
Die Beschäftigung mit vielfältigen kulturellen Themen in Verbindung mit einem jahrhundertealten Kunsthandwerk. Es lagern Formen und Abgüsse dreidimensionaler Kunstobjekte aus nahezu allen Epochen der Menschheitsgeschichte in unseren Depots. Rund 7000 Objekte machen die Gipsformerei zu einem „virtuellen Universalmuseum“. Aber die Museumsrepliken kommen erst dann zum Vorschein, wenn ein entsprechender Kundenauftrag vorliegt. Das bedeutet, dass ich in unseren Werkstätten immer neue Werke sehe. Einige von ihnen wurden vielleicht seit hundert Jahren nicht mehr bestellt und sind dann für kurze Zeit für uns wieder erfahrbar. Dieser Wechsel zwischen Beständigkeit und Flüchtigkeit hat eine ganz eigene Faszination.
Hinzu kommt, dass unsere Museumrepliken in der Regel aus alten historischen Formen gefertigt werden. Jede Woche mit zu verfolgen, wie aus einer Form eine fertige Replik entsteht, ist großartig und immer wieder aufregend. Und dann kommt natürlich die Übergabe an den Kunden. Sehr oft haben wir nicht nur zufriedene, sondern begeisterte Kunden. Dieser Teil der Arbeit ist wunderbar.

Und was am wenigsten?
Ich bin gelegentlich etwas ungeduldig und würde einiges gerne schneller geschehen lassen!

Was ist das kurioseste oder aufregendste Erlebnis, das Sie mit Ihrem Job verbinden?
Anhand unseres Archivs von Abgussformen können wir sogar Kunstwerke wieder erstehen lassen, die im Original verschollen sind, die ganz oder teilweise zerstört wurden. Wenn man so will, haben wir in unseren historischen Formen die DNA der verlorenen Originale und können diese in unseren Ateliers wieder ins Leben rufen.

Letzte Frage: Was würden Sie nachts allein im Museum tun?
Ich würde mir das schönste Werk aussuchen und davor ungestört meditieren.

2 Kommentare

  1. Amalia Batalla - 31. Juli 2015, 11:20 UHR

    Ich Gratuliere Ihnen für die schöne Zeitung bericht Herrn Miguel Helfrich, bin eine alte freundin (Spanierin ) Ihre Eltern.Bitte geben Sie Ihre Eltern ,Ines und Klaus Liebe Grüsse von Amalia Batalla.Auch für sie weiter alles Gute,Ihre Amalia Batalla

  2. INES HELFRICH - 30. August 2015, 18:13 UHR

    Querida Amalia, acabo de ver tu comentario e-mail del 31.07.15 sobre un artículo resp. a la Gipsfomerei del los SMK y Miguel. Ahora vivimos hace casi año y medio en Berlin. Nos gustaría volver oír de ti. El nro. de teléfono aqui es 030-548 15401.

    Hasta pronto
    Inés

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