Was macht eigentlich … Olivia Zorn, Stellvertretende Direktorin des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung

Bei den Staatlichen Museen zu Berlin arbeiten täglich hunderte MitarbeiterInnen daran, den Betrieb zu managen und tolle Projekte auf die Beine zu stellen. Hier schauen wir Olivia Zorn, Stellvertretende Direktorin des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung über die Schulter.

Frau Zorn, Sie sind schon lange im Ägyptischen Museum und Papyrussammlung tätig. Erinnern Sie sich noch an den ersten Tag?
Ich habe am 16. Juli 2001 als Volontärin beim Ägyptischen Museum und Papyrussammlung angefangen. Damals waren die Ausstellung und ein Teil der Büros noch im Östlichen Stülerbau in Charlottenburg untergebracht. Da montags das Museum geschlossen war, hatte ich gleich an meinem ersten Tag die Möglichkeit, die Nofretete-Büste in einer Privataudienz zu besichtigen. Und ich war natürlich ein wenig aufgeregt, wurde aber von allen sehr herzlich empfangen und sofort als vollwertige Kollegin ins Team integriert. Das war eine wunderbare Erfahrung.

Während der vergangenen Jahre haben Sie verschiedene Standorte der Sammlung kennengelernt. Welcher hat Ihnen am besten gefallen?
Jeder Standort hat seinen ganz besonderen Charme. In Charlottenburg war es sehr familiär, jeden Morgen ging man an Nofretete vorbei und konnte den Grünen Kopf persönlich begrüßen. Die Aufstellung der Exponate war zwar optimal den gegebenen Verhältnissen angepasst, aber da die Rotunde sowie der anschließende Marstall und die Remise eigentlich keine musealen Räume waren, mussten natürlich Einschränkungen gemacht werden.
Die Präsentation im Alten Museum war völlig neu, da die Ausstellung nun im Gegensatz zur chronologischen Aufstellung in Charlottenburg thematisch gegliedert war. Außerdem gab es Tageslicht in den Räumen, wodurch die Exponate lebendiger wirkten. Wegen der begrenzten Fläche war die Ausstellung überschaubar und es hat viel Spaß gemacht, hier Besucher zu führen.
Das Neue Museum ist architektonisch – nicht zuletzt auch wegen des Restaurierungskonzeptes – das interessanteste Gebäude, auf welches das Ausstellungskonzept optimal abgestimmt ist. Dadurch, dass ich in den Prozess des Wiederaufbaus und der Konzeption sehr stark eingebunden war, ist mir dieser Standort ganz besonders ans Herz gewachsen. Einerseits kenne ich die intimen Details des Hauses, andererseits begeistert es mich mit seiner professionellen musealen Präsenz.

Woran arbeiten Sie gerade?
Als Langzeitprojekt bereite ich gerade eine große Sonderausstellung vor, die voraussichtlich 2019 in Japan gezeigt werden wird und einen sehr fundierten Einblick in die altägyptische Religion und Göttervorstellungen geben soll. Dazu werde ich das Konzept entwickeln, die Exponate auswählen, Begleitmaterialien und einen Katalog vorbereiten. Daneben ist eine Hauptaufgabe aller Kuratoren die Revision der Objekte, bei der diese mit allen Details in unsere digitale Museumsdatenbank aufgenommen werden. Des Weiteren arbeite ich an einer kleinen Publikation zu den Exponaten des Mittleren Reiches in unserer Dauerausstellung, die in unserer Reihe „Ägypten im Blick“ erscheinen wird.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Als stellvertretende Direktorin habe ich ein vielfältiges Aufgabengebiet mit verschiedenen administrativen Tätigkeiten, Leitungsaufgaben, Vorbereitung von Anträgen, Erstellen von Leistungsverzeichnissen, Koordinierung, Führung von Staatsgästen aus dem In- und Ausland, Kontaktpflege zu Kollegeninnen und Kollegen im In- und Ausland, Bearbeiten von wissenschaftlichen Anfragen, Objektbearbeitung, Vorbereitung von Katalogen und Publikationen.

Was mögen Sie am meisten an Ihrem Beruf?
Die Museumsarbeit ist sehr vielfältig und diese Abwechslung ist sehr reizvoll. Man kommt mit vielen interessanten Menschen zusammen und kann sich – insbesondere hier an den Staatlichen Museen – mit vielen Kollegeninnen und Kollegen austauschen und gemeinsame Projekte realisieren. Ich mag es, mich nicht nur mit dem eigenen, eng begrenzten Fachgebiet zu beschäftigen, sondern „über den Tellerrand“ zu blicken und mich der Herausforderung der öffentlichen Präsenz zu stellen.

Und was am wenigsten?
Eigentlich mag ich alles an meinem Beruf. Nur das Verfassen von Protokollen und Beurteilungen gehört nicht zu meinen Lieblingsaufgaben.

Was ist das kurioseste oder aufregendste Erlebnis, das Sie mit Ihrem Job verbinden?
Als das Museum noch in Charlottenburg war, hat eine Frau der Nofretete-Büste in regelmäßigen Abständen Blumen mitgebracht. Das fand ich nicht nur kurios, sondern vor allem eine nette und familiäre Geste, die aber auch nur in die noch recht private Atmosphäre in der Rotunde des Östlichen Stülerbaus gepasst hat.
Aufregend sind alle Kurierreisen, bei denen man mit Objekten unterwegs ist – insbesondere, wenn man im Cargo-Flugzeug direkt hinter dem Piloten mitfliegen darf.

Was würden Sie als bisherige Meilensteine Ihrer Arbeit ansehen? Sicher gehören der Wiedereinzug der Sammlung ins Neue Museum und die Eröffnung des Hauses 2009 dazu?
Der erste Meilenstein war die Vorbereitung der großen Sonderausstellung „Visions of the Divine – Masterpieces of the Museum Island Berlin“, an der 10 Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin beteiligt waren und die 2005 in Tokio und Kobe gezeigt wurde. Mir oblag die Koordination in allen Bereichen.
Der Umzug ins Alte Museum, bei dem ich schon an der Konzeptentwicklung mitarbeiten durfte und auch die Koordination übernommen hatte, und die Vorbereitung der Restaurierungsausstellung „kulturGUTerhalten“ zusammen mit meinem Kollegen Uwe Peltz von der Antikensammlung waren weitere Highlights meiner Karriere.
Und natürlich war der Wiedereinzug ins Neue Museum mit allen sich über Jahre hinziehenden Vorbereitungen der größte Meilenstein in meiner Tätigkeit, der wahrscheinlich auch in Zukunft nicht übertroffen werden kann.
Großartig war aber auch in der jüngsten Vergangenheit die Kuratierung der Sonderausstellung „Antiguo Egypto“ in Santiago de Chile, die mit über 340 Objekten und mehr als 500.000 Besuchern zur erfolgreichsten Sonderausstellung Südamerikas wurde.

Haben Sie ein Lieblingsobjekt oder eine Lieblingsobjektgruppe?
Mein Lieblingsobjekt ist ein kleiner, in Bronze mit Goldeinlagen gearbeiteter Steinbockkopf, der vermutlich einmal den Bug einer Götterbarke zierte. Das detailliert gestaltete, äußerst lebendig wirkende Gesicht ist sehr faszinierend.
Ansonsten fände ich es sehr schön, wenn wir mehr Schmuck in der Ausstellung präsentieren könnten und natürlich gibt es zahlreiche Objekte, die das Publikum interessieren. Aber wir schicken sie dann wenigstens zu Sonderausstellungen.

Würden Sie gerne einmal eine kleine Zeitreise in eine vergangene Epoche Ägyptens unternehmen? Wenn ja, in welche und was würde Sie besonders interessieren?
Da mein Forschungsschwerpunkt auf dem Mittleren Reich (ca. 2100-1750 v. Chr.) liegt, würde ich sehr gerne einmal in diese Epoche reisen. In dieser Zeit fangen die Menschen an, sich komplexeren religiösen Fragen nach der Existenz des Jenseits und dem Sinn des Lebens zu stellen. Ich würde gerne einmal mit einem weisen Schreiber im alten Ägypten darüber diskutieren.

Letzte Frage: Was würden Sie nachts allein im Museum tun?
Einfach durch die Räume schlendern, die Ruhe genießen und mir vorstellen, worüber sich die Skulpturen miteinander unterhalten.

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