Wie klingt Korea? Impro statt K-Pop

Korea ist unter Jugendlichen hierzulande vor allem für quietschbunten K-Pop bekannt. Doch die Musiker des AsianArt Ensemble konnten eine Schülergruppe aus Berlin für andere Seiten koreanischer Kultur begeistern. Uta Rahman-Steinert vom Museum für Asiatische Kunst berichtet.

Teenager gehören eigentlich nicht zum Fanclub des Museums für Asiatische Kunst. Auf den ersten Blick haben Tuschmalereien oder Porzellanvasen tatsächlich kaum Berührungspunkte mit der Lebenswelt der Jugendlichen. Die Musiker des AsianArt Ensembles haben es trotzdem geschafft, mit dem Museum und den Kids zwei Bereiche zusammenzuführen, die sonst nichts miteinander zu tun haben. Und weil sie Musiker sind, haben sie das Ganze sogar noch zum Klingen gebracht.

Das AsianArt Ensemble ist in seiner Besetzung und der Musik, die es darbietet, weltweit einzigartig: Mit Instrumenten aus China, Japan und Korea sowie europäischen Streichern wollen die Musiker zwischen Neuer Musik und Weltmusik eine „Neue Musik der Welt“ kreieren. Nun haben die koreanischen und deutschen Musiker des Ensembles mit der Klasse 822 der Sophie-Scholl-Schule in Tempelhof-Schöneberg eine Komposition im koreanischen Stil entwickelt – denn alle Schülerinnen und Schüler der Klasse spielen ein Instrument.

Schüler musizieren mit dem AsianArt Ensemble im Museum für Asiatische Kunst. (c) Museum für Asiatische KunstSchüler musizieren mit dem AsianArt Ensemble im Museum für Asiatische Kunst. (c) Museum für Asiatische Kunst
Schüler musizieren mit dem AsianArt Ensemble im Museum für Asiatische Kunst. (c) Museum für Asiatische Kunst

„Mit der U-Bahn nach Asien“
Zunächst begann das Projekt jedoch mit einem Museumsbesuch im März 2016. Im Museum für Asiatische Kunst sollten die Jugendlichen etwas über Korea erfahren. Sie erforschten gemeinsam mit einer Ethnologie-Studentin Geschichte und Kultur des Landes. Manche Schüler waren verwundert, dass es auch in Korea schneit. Dagegen staunte die Studentin, dass die jungen Musiker Namen koreanischer Instrumente nennen konnten, die hierzulande meist unbekannt sind.

Eine Kuratorin am Museum für Asiatische Kunst stellte ausgewählte Kunstwerke aus Korea vor und erzählte dazu Geschichten, die Verborgenes preisgaben. Das Haarband einer Großmutter spielte hier ebenso eine Rolle wie die Regen spendenden Kräfte von Drachen. Entdeckerfreude und Erstaunen setzten dabei so viel Kreativität frei, dass die Schülerinnen und Schüler noch im Museum begannen, ihre eigenen Geschichten zu verfassen. Die Reportage vom Museumsbesuch fand unter dem Titel „Mit der U-Bahn nach Asien“ sogar Eingang in den Sonderdruck „Jugend und Schule“ der Berliner Zeitung.

Synästhesie von Kunstwerken und Klängen
In Zusammenarbeit mit fünf Profi-Musikern des Ensembles ging es für die Schülerinnen und Schüler dann daran, die Geschichten in Musik umzusetzen. Die fremdartigen Klänge einiger traditioneller koreanischer Instrumente dienten als Inspirationsquelle, um in Improvisationen neue Klangwelten zu erforschen. Am Ende erarbeiteten die Jugendlichen in kleinen Gruppen eigene Partituren und entwickelten ihre Geschichten weiter zu Musik-Performances.

Vier der Stücke wurden schließlich ausgewählt und im Juli im Foyer der Museen Dahlem für Familien und Freunde aufgeführt. Zum Abschluss des Konzerts fanden sich Schülerinnen und Schüler, die Musiklehrerin sowie die Musikerinnen und Musiker des Ensembles zu einer großen Improvisation zusammen. Da kamen ziemlich viele Musizierende zusammen und statt Noten gab es lediglich ein paar skizzierte Notationen – eine große Herausforderung! Die Jugendlichen spielten aber hochkonzentriert und professionell. Die Zuhörer erlebten Korea in ungewohnten Tönen und in einer wunderbaren Synästhesie von Kunstwerken und Klängen.

Das Projekt wurde mit Unterstützung des Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung realisiert.

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