Wunschführung im Bode-Museum: “Kunst aus dem Feuer”

Bei der Führung “Ihr Wunschbild” im Bode-Museum können die Besucher entscheiden, worum es geht: “Glut der Liebe” oder “Kunst aus dem Feuer”? Abgestimmt wird auf Facebook, die Museumspädagogin Sigrid Otto stellt hier die Themen schon mal vor. Ein Einblick ins Thema “Kunst aus dem Feuer”.

Entscheiden Sie selbst, welches Thema in der öffentlichen Führung “Ihr Wunschbild” am 31. Oktober um 15 Uhr im Bode-Museum behandelt wird: “Glut der Liebe” oder “Kunst aus dem Feuer“? Abgestimmt wird auf facebook.com/bodemuseum – hier ein näherer Blick auf die “Kunst aus dem Feuer”:

Andreas Schlüter (1659/60-1714): Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, 1697-1703 (galvanoplastische Kopie). Foto: Antje Voigt
Andreas Schlüter (1659/60-1714): Reiterstandbild des Großen Kurfürsten, 1697-1703 (galvanoplastische Kopie). Foto: Antje Voigt

Der Auftakt ist gigantisch: Schon in der großen Kuppel wartet der Große Kurfürst auf uns, hoch auf seinem wilden Ross, dessen Energie kaum zu bändigen ist. Eigens war der Gießer Johann Jacobi an den kurfürstlichen Hof nach Berlin gerufen worden, um dieses Reiterstandbild und das des Kurfürsten Friedrich III. (ab 1701 König Friedrich I.) zu realisieren. Allein das von Andreas Schlüter für sein wohl berühmtestes Kunstwerk geschaffene Gipsmodell war 5,50 Meter hoch und benötigte eine aufwendige Eisenkonstruktion.

Antonio Begarelli (um 1499-1565): Altargruppe. Foto: Antje Voigt
Antonio Begarelli (um 1499-1565): Altargruppe. Foto: Antje Voigt

„Wehe den Antiken, wenn diese Erde Marmor würde!”
Diesen berühmten Ausspruch zu Begarellis Skulpturen hat Giorgio Vasari Michelangelo in den Mund gelegt. Das leicht und mit großer Spontaneität zu bearbeitende Material Ton lässt Begarellis Engel umso lebendiger und bewegter erscheinen. Eine besondere, gleichwohl diffizil komponierte Art des Naturalismus.

Giambologna (1529-1608): Mars Gradivus, um 1580. Foto: Jörg P. Anders
Giambologna (1529-1608): Mars Gradivus, um 1580. Foto: Jörg P. Anders

Wie er da so zackigen Schrittes energisch voranschreitet, der Kriegsgott Mars, mit dem kurzen Schwert in der angespannten rechten Hand und offensichtlich alles genau im Blick, ist er ein ideales Beispiel für die Kleinbronzen Giambolognas, die an Fürstenhöfen in ganz Europa begehrt waren.

Benedetto da Maiano (1442-1497): Bildnis des Filippo Strozzi, 1475. Foto: Antje Voigt
Benedetto da Maiano (1442-1497): Bildnis des Filippo Strozzi, 1475. Foto: Antje Voigt

Was hat das Bode-Museum, was der Pariser Louvre nicht hat? Das aus Ton gefertigte Modell für jene heute im Louvre präsentierte Marmorbüste von Filippo Strozzi, der in Paris streng und stolz blickt, in Berlin dagegen nahbarer und grüblerischer wirkt. Die Berliner Ton-Büste ist ein herausragendes Beispiel für die Arbeitsweise eines Bildhauers.

Vincenzo Pacetti (1746-1820): Der Barberinische Faun, 1799. Foto: Jörg P. Anders
Vincenzo Pacetti (1746-1820): Der Barberinische Faun, 1799. Foto: Jörg P. Anders

Nein, Sie sind nicht im Führungsthema verrutscht, auch wenn dieser trunken und selbstvergessen sich in all seiner männlichen Schönheit hocherotisch darbietende Faun durchaus auch zum Liebes-Rundgang passen würde: Hier wollen wir uns vertiefen in die Idee der Bozzetti, die Künstlern gewissermaßen als Werkskizze in 3D dienten und oft aus dem leicht formbaren Material Ton gefertigt wurden. Unser Berliner Faun hier ist Pacettis Modell für seine Ergänzungen an der berühmten antiken Skulptur des Barberinischen Fauns.

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