Für die Ewigkeit eingebaut: Buddhistische Kulthöhlen aus dem Museum für Asiatische Kunst im Humboldt Forum

Zwei buddhistische Kulthöhlen aus dem Museum für Asiatische Kunst werden zu den Highlights im Humboldt Forum gehören. Restaurator Toralf Gabsch erklärt, was das Besondere an den Höhlen ist.

Text: Toralf Gabsch

Mit der Eröffnung des Humboldt Forums werden im 3. Obergeschoss des Hauses zwei einzigartige, fest mit dem Bau verbundene buddhistische Kulthöhlen von der Seidenstraße präsentiert. Die „Höhle der 16 Schwertträger“ (Kizil, Xinjiang, China, 5./6. Jh. n. Chr.) ist im großen Kuppelsaal (Abb. 1 und 2) die Hauptattraktion des Raumes. Die „Höhle der Ringtragenden Tauben“ wird auf der gleichen Etage im Kubus Süd (Abb. 3 und 4) innerhalb einer umlaufenden Vitrinen- und Galeriekonstruktion als zweites Wunderwerk dieses Hauses zu bestaunen sein.

Stahlkonstruktion mit aufliegenden Steinplatten als Tragkonstruktion für die Wandmalereien der "Höhle der 16 Schwertträger"; Foto: Toralf Gabsch 2018
Stahlkonstruktion mit aufliegenden Steinplatten als Tragkonstruktion für die Wandmalereien der “Höhle der 16 Schwertträger”; Foto: Toralf Gabsch 2018

Ursprünglich waren derartige Höhlen mit ihren Fresken des 5. bis 11. Jahrhunderts Teil einer buddhistischen Tempelanlage, welche in der Oase von Kizil nahe der Stadt Kucha an der nördlichen Seidenstraße gelegen ist. Die Höhlen, welche den Mönchen als Unterkunft und Kulträume dienten, wurden in das weiche Gestein der Berge gegraben. Die ausgehöhlte Felsformation ist anschließend mit einer groben Lehmputzschicht überzogen worden. Eine zweite feine Putzschicht aus Lehm bildete den Untergrund für die weiße Gipsgrundierung. Darauf entstanden die Vorzeichnungen, wofür Kohlestifte oder teilweise vorgefertigte Schablonen zum Einsatz kamen. In die Vorzeichnung wurden oft Zeichen der heute ausgestorbenen tocharischen Schrift als Farbangaben eingefügt, nach denen die in Tempera-Technik ausgeführte Malerei erfolgte. Diese ist oftmals mit Goldapplikationen veredelt worden.

Ansicht mit Wandgemälden aus dem hinteren Umwandlungsgang der Kulthöhle; Foto: Aucoteam 2009
Ansicht mit Wandgemälden aus dem hinteren Umwandlungsgang der Kulthöhle; Foto: Aucoteam 2009

Entdeckt wurden beide Kulthöhlen während der vier preußischen „Turfan-Expeditionen“ zwischen 1902 und 1914 vom damaligen Direktor der Indischen Abteilung des Museums für Völkerkunde Albert Grünwedel (1856-1935). Nach ihrem Ausbau 1914 kamen die Seccomalereien nach Berlin, wurden dort konserviert und restauriert und im Museum in der Stresemannstraße bis 1939 ausgestellt. Die „Höhle der Ringtragenden Tauben“ konnte als quadratisch-vereinfachter Kultraum ausgestellt werden, während von der „Höhle der 16 Schwertträger“ aus Platzgründen nur einzelne Gemälde zu sehen waren. Nach dem zweiten Weltkrieg gelangten die Sammlungen nach Dahlem. Auch hier wurde nur die „Höhle der Ringtragenden Tauben“ im Gemäldeverbund gezeigt. Sie konnte zwischen 1997 und 2000 im Museum für Indische Kunst wissenschaftlich erforscht, umfangreich restauriert und in den ursprünglichen Raummaßen rekonstruiert werden.

In den Folgejahren begannen Restauratoren in verschiedenen Projekten die zweite buddhistische Kulthöhle gemeinsam mit Kunsthistorikern und in Kooperation mit den chinesischen Kolleginnen und Kollegen detailliert zu untersuchen. Sie entwickelten nach den originalen Raummaßen ein Aufbaukonzept für das Humboldt Forum. Während die „Höhle der Ringtragenden Tauben“ in Dahlem seit 2016 entrestauriert und demontiert wurde und seit Frühjahr 2018 bereits im Humboldt Forum wieder eingebaut wird, warten die restaurierten Gemälde der „Höhle der 16 Schwertträger“ noch auf ihren Umzug in das Schloss.

Galeriekonstruktion mit der hölzernen Innenschale für die "Höhle der Ringtragenden Tauben"; Foto: Toralf Gabsch 2018
Galeriekonstruktion mit der hölzernen Innenschale für die “Höhle der Ringtragenden Tauben”; Foto: Toralf Gabsch 2018

Nach Fertigstellung beider Werke, werden diese mit der Eröffnung des Humboldt Forums den dauerhaften Anker für die sie umgebenden Kunstsammlungen des Museums für Asiatische Kunst bilden. Derart aufwendige Bearbeitungen der Kunstwerke sind nicht ohne Risiko. Die Restauratoren unternehmen dabei oft eine Gratwanderung des ethisch Vertretbaren, sind aber voller Hoffnung, dass dieser Eingriff in die Originalsubstanz auf wirklich lange Zeit der Letzte gewesen sein wird.

Diese Höhlen sind in ihrer Art in Museen weltweit einmalig. Die archäologischen Gemälde zeugen vom Leben und Sterben des Buddha und eröffnen darüber hinaus einen Blick in die weitreichenden kulturellen und künstlerischen Verflechtungen entlang der Seidenstraßen. Das Publikum wird sie bald bestaunen und sich von den Wundertaten Buddhas verzaubern lassen können.

Zustand der Kulthöhle in Dahlem 2000 zur Neueröffnung des Museum für Indische Kunst; Foto: Iris Papodoupolos
Zustand der Kulthöhle in Dahlem 2000 zur Neueröffnung des Museum für Indische Kunst; Foto: Iris Papodoupolos

Dieser Text erschien zuerst im MuseumsJournal.

Ähnliche Beiträge

kommentieren

Beitrag kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *