Was macht eigentlich … Anne Sklebitz, Volontärin im Museum für Vor- und Frühgeschichte

Von der Steinzeit bis in die digitale Ära: Als wissenschaftliche Volontärin hat Anne Sklebitz täglich mit den verschiedensten Themen zu tun. Derzeit bereitet sie nicht nur eine Archäologie-Ausstellung vor, sondern arbeitet auch an einem Virtual-Reality-Projekt zum zehnjährigen Jubiläum des Neuen Museums.

Interview: Sven Stienen

Woran arbeiten Sie gerade?
Derzeit arbeite ich an zwei großen Projekten, der Ausstellung „Berlins größte Grabung. Forschungsareal Biesdorf“ und einem Virtual-Reality-Projekt anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Wiedereröffnung des Neuen Museums.

Worum geht es bei dem Virtual-Reality-Projekt?
Die ehemalige Ausstattung in der zentralen Treppenhalle des Neuen Museums wird wieder sichtbar gemacht. Sie bestand vor allem aus großflächigen Wandmalereien, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Sie wurden Mitte des 19. Jahrhunderts im Auftrag des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. von dem Künstler Wilhelm von Kaulbach angefertigt. Die gesamte Treppenhalle war mit einem vielschichtigen Ensemble von Malereien verziert, die das Weltbild dieser Epoche repräsentierten. Der Hauptzyklus bestand aus sechs monumentalen Darstellungen: Auf der Südwand zeigten sie den Turmbau zu Babel, Homer und die Griechen sowie die Zerstörung Jerusalems, auf der Nordwand die Hunnenschlacht, die Kreuzfahrer von Jerusalem und das Zeitalter der Reformation. So hat die Treppenhalle im Neuen Museum die ganze Kulturgeschichte in sich vereint. Mit unserer Virtual-Reality-App – oder kurz VR-App – wollen wir diesen Bilderzyklus wieder erlebbar machen und erklären.

Was erwartet die Besucher*innen konkret?
Bei den Bänken in der Treppenhalle liegen VR-Brillen bereit, durch die man die jeweils gegenüberliegende Wand betrachtet. Zwei 360°-Filme, die in den VR-Brillen gezeigt werden, vermitteln einen Eindruck der Treppenhalle um 1920. Der damalige Zustand steht im Kontrast zu der heutigen, von David Chipperfield gestalteten Halle: Hier zeugen nun die leeren, vernarbten Wände von der Geschichte des Hauses, der Zerstörung im Krieg und der Zeit als Ruine während der Teilung Berlins. Die Wandgemälde wiederherzustellen, hätte diesem Konzept widersprochen, weil damit nur ein einziger Ausschnitt aus der wechselhaften Geschichte des Hauses repräsentiert gewesen wäre. Die Virtual Reality kann nun den Eindruck der originalen Wandbemalung ergänzen und damit diesen Teil der Geschichte des Hauses wieder erlebbar machen. Außerdem erklärt sie, wie die Menschen zur Entstehungszeit des Hauses dachten.

Was beeindruckt Sie selbst an dem VR-Projekt am meisten?
Es ist toll, wie man plötzlich auch ohne VR-Brille die Bilder an den Wänden sieht. Durch die VR erhalten sie mehr Lebendigkeit als auf den alten Schwarz-Weiß-Abbildungen, die eigens für das Projekt farbig rekonstruiert wurden. Außerdem kann ich durch die digitale Rekonstruktion die moderne Architektur viel besser verstehen. Im direkten Vergleich ist es besonders faszinierend zu sehen, wie gut die Architektursprache in der Treppenhalle wiederhergestellt wurde.

Wie sieht Ihr Berufsalltag neben diesem besonderen Projekt aus?
Als Kuratorin der Ausstellung „Berlins größte Grabung“ bin ich gerade ebenfalls sehr beschäftigt. Darüber hinaus bin ich in unterschiedlichste Abläufe vom Ausstellungsdesign über die Planung der Publikation bis zur Entwicklung von Vermittlungsformaten eingebunden.

Was mögen Sie an dem Job am meisten?
Der Alltag im Museum ist sehr vielfältig, außerdem hat man immer mit vielen Menschen zu tun – beides finde ich toll.

Und was am wenigsten?
Anstrengend wird es, wenn Termindruck dazukommt, etwa kurz vor dem Abschluss eines Projektes oder einer Ausstellungseröffnung. Aber das gehört auch dazu und manchmal ist es auch ganz gut so.

Gibt es ein besonderes Ereignis, das Sie mit Ihrer Arbeit verbinden?
Vieles an dem Job ist für mich besonders. Kurios können kleinere Aufgaben sein, wie eine Bahnfahrt durch Berlin mit dem Hirschgeweih, das für die Replik einer steinzeitlichen Maske genutzt wurde, die wir in der Biesdorf-Ausstellung zeigen. Aufregend ist für mich momentan vor allem der Gedanke an die Eröffnung meiner ersten eigenen Ausstellung sowie die Vorfreude auf das VR-Projekt in der Treppenhalle.

Was würden Sie nachts im Museum tun?
Wahrscheinlich würde ich mich erst mal etwas gruseln und hoffen, dass die Mumien in Ruhe weiterschlafen. Dann würde ich aber auf Entdeckungstour gehen, um in aller Ruhe die Objekte mal in einem anderen Licht zu betrachten.

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