Im SPK-Magazin zur Einheit: Was macht Kohl in Köpenick?

Das neue SPK-Magazin erscheint anlässlich des 25. Jubiläums der Wiedervereinigung der Sammlungen des preußischen Kulturbesitzes. MitarbeiterInnen, die die historischen Ereignisse miterlebt haben, erzählen darin ihre Geschichte. Für Manuela Krüger, Magazinverwalterin im Schloss Köpenick, begann die Einheit mit einer Schrecksekunde.

“Ich bin in Köpenick aufgewachsen und war als Kind sehr oft im Schloss. Damals hätte ich mir nicht vorstellen können, dort einmal zu arbeiten. Mit dem Ziel, Maskenbildnerin zu werden, habe ich ursprünglich Friseurin gelernt. Zum Glück merkte ich früh, dass dieser Job auf die Dauer nicht das Richtige für mich sein würde. In Leipzig schien sich eine interessante Alternative zu bieten – ein Museologie-Studium. Dort wurden aber nur zehn Leute pro Studienjahr angenommen und man riet mir, den Museumsbetrieb erst einmal gründlich kennenzulernen. Also bin ich zur Kaderabteilung der Staatlichen Museen marschiert und habe gesagt: Ich möchte an den Museen arbeiten, egal was und wo.

So bin ich ins Kunstgewerbemuseum im Schloss Köpenick gekommen, wo gerade eine Leiterin der Aufsichten gesucht wurde. Diese Stellen waren für viele in der DDR ein Sprungbrett in den Museumsbetrieb. Man muss sich den Job nicht so vorstellen wie heute. Damals wachten Rentner über die Museumsschätze und um die musste sich jemand kümmern. 1989 ergab sich die Chance, auf die Stelle des Magazinverwalters umgesetzt zu werden, der bisherige hatte sich in Richtung Westen verabschiedet. Dadurch konnte ich mich endlich noch intensiver um meine geliebte Kunst kümmern und bekam eine Delegierung zum Museologie-Fernstudium in Leipzig. Dann kamen der Mauerfall und die Einheit und eine ungewisse Zukunft für Schloss Köpenick. Die Gerüchte wurden immer lauter. Sie besagten, dass das Schloss als Kunstgewerbemuseum aufgegeben und die Kunst nach Tiergarten, in den West-Berliner Teil der Sammlung, geholt werden sollte. Ebenso wurde erzählt, Kanzler Kohl suche ein neues Gästehaus der Bundesregierung und sei sogar schon im Schloss gesichtet worden.

Manuela Krüger © SPK / Werner Amann
Manuela Krüger © SPK / Werner Amann

Bürgerbegehren für Köpenick
Ab 1991 begann die Räumung der Bestände Richtung Tiergarten, da der Berliner Senat behauptete, Schloss Köpenick sei dermaßen baufällig, dass es unverantwortlich sei, dort Kunst zu bewahren und Besucher einzulassen. Wir sollten nur noch mit Bauhelmen arbeiten. Uns leuchtete das nicht ein. Das Schloss wurde zu DDR-Zeiten seit 1963 bei laufendem Betrieb Stück für Stück saniert. Warum sollte es plötzlich einfallen? Wir wollten auf keinen Fall, dass das Haus als Museumsstandort geschlossen wird, haben uns mit dem Köpenicker Bürgermeister und dem Kulturamt in Verbindung gesetzt und eine Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren initiiert.

An einem Sonnabend im Januar 1992 fuhren dann der damalige Kultursenator Ulrich Roloff-Momin und der Stiftungspräsident Werner Knopp, die Generaldirektoren und beide Direktoren unseres Museums in Köpenick vor, um zu entscheiden, ob das Haus für die Sammlung weiter genutzt wird und ob es offen bleibt oder nicht. Der Innenhof war voller Menschen, die für den Erhalt des Schlosses als Kunstgewerbemuseum demonstrierten. Uns war es egal, ob unser Protest personalrechtliche Konsequenzen haben könnte. Wenige Tage später kamen die erlösenden Nachrichten. Der Senator erklärte, Schloss Köpenick bleibe ein Standort für das Kunstgewerbemuseum und werde, solange es die Baumaßnahmen zulassen, bei offenem Ausstellungsbetrieb generalsaniert. Das war geschafft!”

Manuela Krüger wurde 1967 in Ost-Berlin geboren und arbeitet seit 1988 als Magazinverwalterin am Kunstgewerbemuseum im Schloss Köpenick (Ost-Berlin).

Das Gespräch führte Ingolf Kern. Alle Infos zum neuen SPK-Magazin gibt es hier.

1 Kommentar

  1. Ja, die Zitterpartie von damals ist mir noch gut in Erinnerung. Jetzt ist das Schloss schön und standfest. Wenn noch jemand dafür sorgen würde, dass das Grünflächenamt die unansehnlichen Container (am Park in Sichtweite des Schlosseingangs) aus dem Blickfeld entfernen würden, wäre es noch schöner. Es ist dafür extra ein Platz vorgesehen.
    Beste Grüße, Martin Claus

Beitrag kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *