Bronzen von San Casciano: Letzte Chance für die Sensation!
Lesezeit 3 Minuten
Die Ausstellung „Die Bronzen von San Casciano“ wird bis zum 9. November verlängert – eine einmalige Chance, die spektakulären Neufunde außerhalb Italiens in dieser Vollständigkeit zu erleben. Martin Maischberger, designierter Direktor der Antikensammlung, erklärt, warum die Bronzen eine echte Sensation sind.
Interview: Sven Stienen
Die Bronzen von San Casciano – wie kam diese Sensationsschau überhaupt nach Berlin, ins Alte Museum?
Martin Maischberger: Die Antikensammlung hat 2024 eine große Rückgabeaktion von Kulturgütern aus Raubgrabungen an Italien durchgeführt – in diesem Umfang einmalig. Das italienische Kulturministerium hat sich erkenntlich gezeigt: zum einen mit mehreren langfristigen Leihgaben, zum anderen, quasi als Sahnehäubchen, mit der Erlaubnis, die spektakulärsten archäologischen Neufunde der letzten Jahre nach Berlin zu holen: die Bronzen von San Casciano. Es war ein direktes Versprechen des damaligen italienischen Kulturministers Gennaro Sangiuliano an die damalige Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Wir haben dann in kurzer Zeit Geld, Raum und den richtigen Zeitpunkt gefunden – und so konnten wir die Ausstellung am 4. Juli in der James-Simon-Galerie eröffnen.
Was macht die Funde von San Casciano so spektakulär?
MM: Es sind außergewöhnlich viele, sehr gut erhaltene Bronzestatuen aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. aus Mittelitalien, dem ehemaligen Gebiet der Etrusker. In dieser Zeit begannen die Römer dort Fuß zu fassen und es kam zu einer Vermischung etruskischer und römischer Kultur. Besonders spannend: Es handelt sich um Weihegaben, Votive von Kranken, die von ihren Gottheiten Heilung erhofften. Das Heiligtum lag an heißen Quellen, die bis heute mit etwa 40 Grad sprudeln und die man schon damals als gesundheitsförderlich ansah und mit göttlicher Kraft verband. Dort hat man gebadet, sich behandeln lassen und den Göttern Statuen gestiftet, von kleinen Figuren bis zu monumentalen Bronzen.
Das heißt, man gewinnt auch Einblicke in den Alltag dieser Menschen?
MM: Genau. Man erfährt, wer in dieses Heiligtum kam – Reiche, Arme, sogar Freigelassene und Sklaven. Man erkennt, dass dort etruskisch und lateinisch gesprochen wurde, bekommt Einblicke in religiöse Gebräuche und sogar in den Stand der Medizin. Besonders eindrucksvoll sind bronzene Plaketten, die den menschlichen Oberkörper mit Organen zeigen – Luftröhre, Lungen, Herz, Leber, Magen, Darm. Das setzt voraus, dass man Leichname öffnete und sich mit Anatomie beschäftigte. Man wusste also offenbar viel mehr über den Körper, als man lange Zeit annahm.
Sehr spannend! Die Schau läuft ja nun schon eine Weile. Wie war das Publikumsecho?
MM: Durchweg positiv und auffällig anders als sonst. Auf der Museumsinsel haben wir normalerweise rund 80 Prozent touristisches Publikum. Bei dieser Ausstellung ist es genau umgekehrt: Vor allem deutschsprachige Besuchende kommen, darunter auch viele Berlinerinnen und Berliner. Das merken wir auch an den Feedbacks vor Ort und daran, dass sich der deutsche Katalog viel besser verkauft hat als der englische.
Die Ausstellung wird nun wahrscheinlich verlängert. Warum sollte man sie jetzt unbedingt noch sehen?
MM: In dieser Vollständigkeit wird man die Funde außerhalb Italiens wohl nicht noch einmal erleben können. Wir haben jetzt die Verlängerung bis zum 9. November erwirkt. Danach gehen die Objekte zurück nach Italien, werden restauriert und geprüft, an einer weiteren Station in Italien (Aquileia nordöstlich von Venedig) gezeigt und dann endgültig in San Casciano in der Toskana ihre dauerhafte Bleibe finden. Wer sie in dieser Dichte außerhalb von Italien sehen will, hat jetzt wahrscheinlich die einzige Chance dazu.
Am 22.10.2023 schließt das Pergamonmuseum für eine grundlegende Sanierung. Wir sprachen Anfang des Jahres mit den Direktor:innen des Hauses, Barbara… weiterlesen
Was macht eigentlich eine erfolgreiche Ausstellung aus? Ein Gespräch mit Matthias Wemhoff, dem Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte… weiterlesen
Unsere Webseite verwendet Cookies. Diese haben zwei Funktionen: Zum einen sind sie erforderlich für die grundlegende Funktionalität unserer Website. Zum anderen können wir mit Hilfe der Cookies unsere Inhalte für Sie immer weiter verbessern. Hierzu werden pseudonymisierte Daten von Website-Besuchern gesammelt und ausgewertet. Das Einverständnis in die Verwendung der Cookies können Sie jederzeit widerrufen. Weitere Informationen zu Cookies auf dieser Website finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und zu uns im Impressum.
Funktional Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt.Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
Kommentare