Vom Verkaufstisch zum Museumshop: Neugestaltung in der Neuen Nationalgalerie

Museumsshops mit ausstellungsbegleitenden, aber auch kommerziellen Angeboten sind schon lange in deutschen Museen angekommen. Am Beispiel der Neuen Nationalgalerie stellt unsere Redakteurin Constanze von Marlin den Wandel in der Ausstattung dar.

Text: schmedding.vonmarlin.

Der Verkauf von ausstellungsbegleitendem und sammlungsbezogenem Material wie Postkarten und Kataloge war schon Teil des Planungsprozesses für den Bau der Neuen Nationalgalerie. In den Planunterlagen zum Museum hatte Ludwig Mies van der Rohe einen Verkaufstisch im „Erfrischungsraum“ vorgesehen, dem Raum, der in den ersten Jahren nach der Museumseröffnung als Automatencafé für die Besucherinnen und Besucher betrieben wurde. Ob der Verkaufstisch jemals genutzt wurde, lässt sich heute nicht mehr klären. Fotos belegen den Verkauf eines sehr kleinen Angebotes an Postkarten und Katalogen am Kassentresen im Foyer des Sammlungsgeschosses.

Neue Anordnung von Garderobe und Museumsshop © Plan: David Chipperfield Architects für das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Neue Anordnung von Garderobe und Museumsshop © Plan: David Chipperfield Architects für das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Mit steigendem Flächenbedarf für den Verkauf von Artikeln wurden in der Treppenhalle 1979 gläserne Wände gegenüber dem Café eingebaut, wo sich fortan ein eigenständig operierender Buchladen befand. Dieser Einbau befand sich unter der gestalterisch so wertvollen freistehenden Treppe und stellte eine extreme ästhetische Beeinträchtigung des Mies’schen Raumeindrucks dar. Außerdem konkurrierte der Buchladen im Foyer mit der Idee von Mies, diesen Raum als Erweiterung der Ausstellungsfläche zu nutzen. Nicht wenige Ausstellungen begannen bereits mit Exponaten an den Wänden des Foyers. Außerdem bedeutete der provisorische Buchladen eine unzulässige Brandlast in einem Fluchtweg. Deshalb musst im Rahmen der Grundinstandsetzung ein dauerhafter Standort für den Museumsshop gefunden werden.

Der Museumsshop bis zur Schließung der Neuen Nationalgalerie © Foto: Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects
Der Museumsshop bis zur Schließung der Neuen Nationalgalerie © Foto: Ute Zscharnt für David Chipperfield Architects

Spiegelgleich mit der Verlegung der Garderobe in das Gemäldedepot nutzt das Büro David Chipperfield Architects in seiner Neuorganisation der Raumplanung das Skulpturendepot für den Einbau eines Museumsshops, der auch weiterhin gegenüber dem Café liegt. Nun steht eine größere Verkaufsfläche zur Verfügung, die als abgeschlossene Einheit an einen externen Betreiber vermietet werden kann. Um in der Entwurfshaltung zu signalisieren, dass es sich bei dem Museumsshop um ein Weiterbauen im Bestand der Architektur von Mies van der Rohe handelt, verzichtet Chipperfield bei seiner Lösung auf eine Abhangdecke, stattdessen nutzt er die skulptural anmutende Rohbaudecke mit den charakteristischen Kassettenfeldern.

Rendering des Museumsshops © Rendering: David Chipperfield Architects für das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Rendering des Museumsshops © Rendering: David Chipperfield Architects für das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Im Zusammenspiel mit den edlen Materialien für die Innenausstattung, die gemäß der Miesmöbel in Brauneiche gefertigt werden, macht Chipperfield in seinem Entwurf deutlich, dass hier kein Rohbau zu sehen ist, sondern die Gestaltung auf die ästhetische Wirkung hin inszeniert ist. Die Umnutzung der beiden Depots für den Museumsshop und die Garderobe waren unter Beibehaltung des Ausstellungsgrundrisses die einzig mögliche Maßnahme, um die notwendigen neuen, öffentlich zugänglichen Räume zu schaffen.

Der Verkaufstresen im Cafe © Stiftung Stadtmuseum Berlin/Ludwig Binder
Der Verkaufstresen im Cafe © Stiftung Stadtmuseum Berlin/Ludwig Binder

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