Was macht eigentlich … Elke Bannicke, Kuratorin im Münzkabinett

Bei den Staatlichen Museen zu Berlin arbeiten täglich hunderte MitarbeiterInnen daran, den Betrieb zu managen und tolle Projekte auf die Beine zu stellen. Hier schauen wir ihnen über die Schulter. Dieses Mal: Elke Bannicke, Kuratorin im Münzkabinett

Woran arbeiten Sie gerade?
Einen Schwerpunkt unserer Sammlung bildet der Bestand an Münzen und Medaillen von Brandenburg-Preußen. Ich bin neben der üblichen Tagesarbeit von Sichtung und Erfassung dabei, u. a. den Bestand der Medaillen der Hohenzollern in unseren Internetkatalog aufzunehmen, damit er in naher Zukunft unabhängig von Dauer- oder Sonderausstellungen der breiten Öffentlichkeit zugänglich ist. Dieser Bestand beinhaltet auch das Vermächtnis des Sammlers Karl von Kühlewein, dessen Sammlung 1916, also vor 100 Jahren, in unsere Sammlung kam. Ein Aufsatz soll daran erinnern.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Wie heute in vielen anderen Berufen auch: Nach dem Anstellen des Computers steht das Beantworten der Anfragen per E-Mail an. Danach geht es weiter mit Eingaben von Objekten in unseren Internetkatalog, den Besuchern in unserem Studiensaal Fachliteratur oder bestimmte Bestände an Münzen und Medaillen vorlegen, Objekte inventarisieren, sich einen Überblick über die täglich eingehende Fachliteratur und zahlreichen Auktionskataloge verschaffen, Leihanträge bearbeiten, Exponate für Fotowünsche für den Fotografen bereitlegen, ehrenamtliche Mitarbeiter betreuen, die unsere Arbeit bereitwillig und mit großem Engagement unterstützen.

Was mögen Sie am meisten an Ihrem Beruf?
Dass man in einer so großen Sammlung immer auch noch Entdeckungen machen kann und oft bedingt durch Anfragen und Leihersuchen sich mit den unterschiedlichsten Themen beschäftigen muss und kann. Wenn es die Zeit hergibt, nicht nur wissenschaftliche Zuarbeiten für andere Museen, Institute und Sammler zu leisten, sondern selbst spannende Themen bzw. Neuentdeckungen auf Grundlage unserer Sammlungsbestände zu veröffentlichen.

Und was am wenigsten?
Dass man zunehmend einen großen Teil seiner Arbeitszeit am Computer verbringt, statt sich direkt und noch mehr mit den interessanten Objekten der Sammlung zu beschäftigen. Schließlich ist das An- und Erfassen von Münzen und Medaillen auch ein haptisches Vergnügen.
Außerdem ist es nicht so aufregend, wenn es bei fachlichen Hilfestellungen mehr um ökonomische als um numismatische oder medaillenkundliche Hintergründe geht.

Was ist das kurioseste oder aufregendste Erlebnis, das Sie mit Ihrem Job verbinden?
Aufregend waren die Zeit der Renovierung des Bode-Museums ab 1998 und seine Wiedereröffnung 2006. Die denkmalgerechte Sanierung brachte für das Münzkabinett die vollständige Auslagerung seiner mehr als 500.000 Objekte in Etappen und einer Interimszeit für Studiensaal und Mitarbeiter im Pergamonmuseum – und auch den ersten Zugang zum Internet.
Eine kurioses Erlebnis unter dem Aspekt ahnungsloser Unbefangenheit: Eines Tages kam ein Besucher unangemeldet in unseren Studiensaal und äußerte, dass sich seine Schwester für Münzen interessiere und er sich jetzt schon mal orientieren und sogleich einmal auf die Schnelle alle brandenburgisch-preußischen Münzen und Medaillen vorgelegt haben wolle – das wären immerhin mehr als 20.000 Objekte gewesen und hätte einige Wochen gedauert.

Letzte Frage: Was würden Sie nachts allein im Museum tun?
Gern einmal durch unser „Museumsschloss“ oder die Gemäldegalerie flanieren und die besondere Atmosphäre ohne Ablenkungen und Störungen auf mich einwirken lassen. Noch lieber aber würde ich am Tag einmal auf das Dach des Bode-Museums steigen dürfen und die Aussicht von dort genießen.

Foto: Achim Kleuker

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