„Bitte Motor abstellen“: Bus-Chaos auf der Museumsinsel

Friederike Seyfried arbeitet dort, wo andere Urlaub machen. Warum genau das zum Problem wird, erklärt die Direktorin des Ägyptischen Museums auf der Museumsinsel im Gespräch über den Reisebus-Gau auf dem Unesco-Welterbe.

Interview: Sven Stienen

Auf der Museumsinsel setzt sich die Interessengemeinschaft Kultur & Bildung Spreeinsel, in der neben den Staatlichen Museen zu Berlin auch der Berliner Dom, die Stiftung Humboldt Forum, die Zentral- und Landesbibliothek, die European School of Management and Technology (ESMT) und die Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ vertreten sind, für ein besseres Verkehrskonzept ein. Ein wachsendes Problem sind die bis zu 28 Reisebusse in der Stunde, die zu Spitzenzeiten dort rangieren und parken. Sie gefährden nicht nur den Status der Museumsinsel als Weltkulturerbe, sondern durch eine chaotische Verkehrssituation auch die Besucher. Am Dienstag lud die Interessengemeinschaft zum Gespräch mit Pressevertretern ein und intensivierte ihren Apell an die Politik, gemeinsam eine konstruktive Lösung zu finden.

Frau Seyfried, beginnt der Arbeitstag für Sie derzeit mit einem morgendlichen Aufreger, wenn Sie an den Reisebussen auf der Museumsinsel vorbei müssen?
Friederike Seyfried: Wenn ich den Weg durch die Bodestraße nehme, dann ja. Obwohl ich meist so früh ins Büro komme, dass dann noch keine Busse dort sind. Aber tagsüber ist das definitiv ein Ärgernis. Als ich nach unserer gestrigen Presseveranstaltung zur künftigen Verkehrsplanung auf der Museumsinsel im Berliner Dom wieder ins Büro ging, standen dort zwölf Busse, zum Teil in zweiter Reihe. Das ist auch für die Besucher nicht schön, denn der Blick auf das wunderschöne Unseco-Welterbe Museumsinsel ist dadurch völlig versperrt.

Mitarbeiter des Alten Museums bitten die Busfahrer auf der Museumsinsel, die Motoren abzustellen. Foto: Anke Weber
Mitarbeiter des Alten Museums bitten die Busfahrer auf der Museumsinsel, die Motoren abzustellen. Foto: Anke Weber

Parkende Busse stören die Atmosphäre des Unesco-Welterbes, aber was sind die konkreten Probleme, die durch diese Situation für den Museumsbetrieb entstehen?
Die Kollegen im Alten Museum haben ihre Büros auf der der Bodestraße zugewandten Seite. In den Fenstern dort können Sie kleine Schilder lesen: Bitte Motor abstellen. Doch die Busfahrer lassen in der Regel ihre Motoren laufen, weil sonst die Klimaanlagen in den Bussen nicht funktionieren. Die Folge ist, dass die Abgase in die Büros ziehen – das ist gerade im Sommer schlimm, wenn man lüften muss. Ein Grund für das gestrige Treffen war übrigens, dass der benachbarten Hanns-Eissler-Hochschule für Musik nun dasselbe droht, denn nach den Plänen der Verkehrsverwaltung sollen am Marstall, direkt vor dem Gebäude, ab November auch Busstellplätze eingerichtet werden.
Neben diesen Problemen für den täglichen Betrieb der Einrichtungen auf der Museumsinsel gibt es aber noch eine andere, dringendere Problematik: Die Bodestraße ist laut Verkehrskonzept eine Spielstraße, das heißt hier gilt Schritttempo. Daran hält sich aber niemand und so kommt es in der unübersichtlichen Situation auch zu Unfällen. Wir haben in der Vergangenheit bereits mehrere Personenschäden gehabt, es besteht also eine konkrete Gefährdung der Besucher.
Zu guter Letzt ist auch die Toilettensituation prekär. Es gibt ein kleines Toilettenhäuschen nördlich des Doms, das war‘s. Ein funktionierendes Verkehrskonzept muss auch so etwas berücksichtigen.

Bus-Chaos auf der Museumsinsel. Foto: Anke Weber
Bus-Chaos auf der Museumsinsel. Foto: Anke Weber

Die aktuelle Situation ist nicht akzeptabel – dennoch profitieren die Häuser auf der Museumsinsel auch von dem täglichen Touristenstrom. Gibt es aus Ihrer Sicht Alternativen, ohne den Zugang zu den Museen auf der Insel einzuschränken?
Ja, es gibt Alternativen, und die können meines Erachtens durch eine gute Kommunikation und konstruktive Diskussion erreicht werden. So könnten zum Beispiel in der Karl-Liebknecht-Straße, gegenüber dem Dom-Aquaree, Bushaltestellen eingerichtet werden. Dort gibt es Platz und die Besucher hätten einen kurzen Fußweg zur Museumsinsel und zum zukünftigen Humboldt Forum. Außerdem könnte in diesem Zuge auch weitere Infrastruktur geschaffen werden, etwa ein Infostand, Toilettenhäuschen, vielleicht ein Kiosk. Ich bin keine Stadtplanerin, aber ich denke, dass das machbar wäre, wenn wir mit der Stadt an einem Strang ziehen.
Es ist uns als Interessengemeinschaft mit allen Anrainern wichtig, dass wir offen und positiv an die Herausforderung gehen wollen. Wir werden das Problem nicht mit der Brechstange lösen können und es nützt auch nichts, die Busse zu ignorieren, denn sie sind da und werden auch nicht verschwinden. Wir sind also gesprächsbereit und wollen eine Lösung finden, die die Bedürfnisse unserer Besucher respektiert und eine langfristige Perspektive für die nächsten zehn Jahre bietet.

Firederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung auf der Museumsinsel. (c) Staatliche Museen zu Berlin /Juliane Eirich
Firederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums und Papyrussammlung auf der Museumsinsel. (c) Staatliche Museen zu Berlin /Juliane Eirich

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