Was macht eigentlich … Ceren Topçu, Mitarbeiterin im Projekt museum4punkt0?

Ceren Topçu ist wissenschaftliche Mitarbeiterin für digitale Kommunikation im Projekt museum4punkt0. Dieser Job ermöglicht es ihr oft, ganz in die Kreativität einzutauchen und der Frage nachzugehen: Wie sieht das Museum der Zukunft aus?

Woran arbeiten Sie gerade?
Für die Gemäldegalerie habe ich zuletzt eine Augmented-Reality-Anwendung entwickelt. Bei „Augmented Reality“ oder kurz „AR“ handelt es sich um eine „erweiterte Realität“, in der die Wahrnehmung um digitale Bilder und Töne ergänzt wird. In der Anwendung, die wir für die Gemäldegalerie entwickelt haben, können Nutzer zum Beispiel auf dem Tablet ein Triptychon virtuell öffnen, obwohl dies beim Original aus konservatorischen Gründen nicht möglich ist. Oder sie können ein Gemälde „röntgen“, um sichtbar zu machen, welche Änderungen der Künstler während des Malens vorgenommen hat. Die Anwendung wurde bei der „Langen Nacht der Museen“ im August 2018 von BesucherInnen getestet und kam sehr gut an.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Abwechslungsreich! Ich arbeite an der Konzeption und Umsetzung digitaler Produkte für die Staatlichen Museen zu Berlin. Dafür habe ich eine To-do-Liste, die drei Rubriken hat: Kreativität, Kommunikation und Verwaltung. Der kreative Teil besteht aus der Recherche, Brainstorming, Entwicklung der neuen Konzepte und der Dokumentation meiner Projekte. Dieser Teil erstreckt sich über meine ganze Arbeitswoche und ist schwer von meinem privaten Leben zu trennen. Bücher, Filme und Musik, die ich konsumiere, sowie die Veranstaltungen, die ich besuche, manchmal sogar Erlebnisse mit Familie und Freunden dienen diesem Teil meiner Arbeit. Innerhalb des Projektes bin ich verantwortlich für die Kommunikationsarbeit und daher angedockt an das Referat für Kommunikation, Presse und Sponsoring. Hier fallen Aufgaben wie die Organisation einer Pressekonferenz sowie redaktionelle und gestalterische Tätigkeiten für die Webseite und den Blog von museum4punkt0 an. Und dann gibt es noch die Verwaltung: Da erstelle ich Ausschreibungen, kalkuliere Projektbudgets und hole Angebote ein. Dieser Teil holt mich wieder zurück auf den Boden der Tatsachen, wenn ich mich einmal in der Kreativität verliere …

Gemeinsam Kunst aus neuen Blickwinkeln erleben: Eine Augmented Reality-App ermöglicht es, kunsthistorische Inhalte oder auch verborgene Malschichten spielerisch kennenzulernen. Der Prototyp wurde zur „Langen Nacht der Museen 2018“ mit Besu-cher*innen getestet. © Staatliche Museen zu Berlin
Gemeinsam Kunst aus neuen Blickwinkeln erleben: Eine Augmented Reality-App ermöglicht es, kunsthistorische Inhalte oder auch verborgene Malschichten spielerisch kennenzulernen. Der Prototyp wurde zur „Langen Nacht der Museen 2018“ mit Besu-cher*innen getestet. © Staatliche Museen zu Berlin

Was mögen Sie am meisten an Ihrem Beruf?
Ich liebe Kunst, ich liebe Technologie! Ich liebe Museen! Mein Beruf gibt mir einen Raum, in dem ich mich mit allen dreien intensiv beschäftigen kann.

Und was am wenigsten?
Als museum4punkt0-Team sitzen wir in Wilmersdorf und damit leider ein wenig entfernt von unseren Museums-Standorten. Daher verbringe ich sehr viel Zeit im Verkehr, was mich oft aus meinem Arbeits- Flow herausreißt.

Was ist das kurioseste oder aufregendste Erlebnis, das Sie mit Ihrem Job verbinden?
Bei der Eröffnung der Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ im Berliner Abgeordnetenhaus hat es sich ergeben, dass ich mit meinen Kolleginnen und Kollegen direkt hinter dem Bundespräsidenten in den Saal eingetreten bin. Plötzlich war der Saal ganz still und alle standen auf, als wir zu unseren Plätzen gingen. Das war schon sehr aufregend!

Letzte Frage: Was würden Sie nachts allein im Museum tun?
Ich würde mit einer mysteriösen Einladungskarte fünf meiner kreativsten Freunde ins Museum einladen. Dort würden wir uns von den Kunstwerken inspirieren lassen und neue Ideen entwickeln. Man kann ohne die neugierigen Blicke der Besucher oder besorgten Augen des Aufsichtspersonals in Ruhe kreativ arbeiten, einen kurzen Film drehen, Skizzen und Fotos machen, musizieren oder einfach über die Kunstwerke philosophieren. Nicht zuletzt würde ich auch gerne erfahren, wie meine Wahrnehmung der Kunstwerke sich ohne die Anwesenheit der anderen verändert. Daher wäre es sicher auch interessant, nachts einfach mal allein und ungestört die Kunstwerke und Objekte zu betrachten.

Dieses Interview erschien zuerst in MUSEUM, der Programmzeitung der Staatlichen Museen zu Berlin, Ausgabe I/2019.
Das Projekt museum4punkt0 wird gefördert durch Kulturstaatsministerin Monika Grütters aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Titelbild: © Ece Gökalp

Ähnliche Beiträge

kommentieren

Beitrag kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *