Was macht eigentlich … Friederike Seyfried, Direktorin im Ägyptischen Museum und Papyrussammlung

Bei den Staatlichen Museen zu Berlin arbeiten täglich hunderte MitarbeiterInnen daran, tolle Projekte auf die Beine zu stellen. Hier schauen wir ihnen über die Schulter, auf den Schreibtisch oder unter das Mikroskop. Dieses Mal: Friederike Seyfried, Direktorin im Ägyptischen Museum und Papyrussammlung.

Woran arbeiten Sie gerade?
Derzeit arbeite ich im Rahmen eines Kooperationsvorhabens mit dem ägyptischen Antikendienst an einem großen Evaluierungsbericht zu einem Museumsbauprojekt in Mittelägypten an. Dafür muss auch eine inhaltliche Gesamtkonzeption erarbeitet werden – dies ist eine sehr inspirierende Arbeit. Viele weitere Ausstellungsprojekte mit internationalen Partnern, zum Beispiel mit China, Japan und Chile, befinden sich in Bearbeitung und größere Forschungsvorhaben zu unseren Objektbeständen warten auf ihre Bewilligung.

Wie sieht Ihr Berufsalltag aus?
Der Alltag sieht ganz bestimmt nicht so aus, wie man sich das landläufig vorstellt, sondern ist vor allen Dingen mit Bürokratie und Schreibtischarbeit gepflastert. Die wissenschaftliche und museale Arbeit mit den altägyptischen Objekten kommt in meinem Alltag leider zu kurz.

Was mögen Sie am meisten an Ihrem Beruf?
Es bereitet große Freude, wenn man Menschen mit der Arbeit, die in Museen geschieht, positiv stimulieren und ihnen ein Stück Lebensqualität schenken kann.

Und was am wenigsten?
Der stetige Zuwachs an Bürokratie, sinnlose Email-Fluten und die Behinderung produktiver Arbeit.

Was ist das kurioseste oder aufregendste Erlebnis, das Sie mit Ihrem Job verbinden?
Kurios sind nach wie vor Nachfragen nach der Echtheit der Nofretete-Büste beziehungsweise die Behauptungen, sie sei eine Fälschung.
Eines der aufregendsten Erlebnisse war der Transport einer Kolossalstatue des Pharao Amenemhet vom Ehrenhof des Pergamonmuseums mit dem Kran über den Kupfergraben.
Eines der berührenden Erlebnisse war der Email-Kommentar eines ägyptischen Besuchers namens Tarek Amr zu einem Besuch der Nofretete im Nordkuppelsaal. Nicht nur das Original zog ihn in seinen Bann, sondern er war vollkommen überwältigt von der Tatsache, dass eine „betastbare Nofretete“ für Sehbehinderte mit zum Ambiente der Ausstellung gehört. Sein Kommentar schloss mit dem Satz: „For me that statue is more valuable than all the original items in the museum. It just symbolizes humanity.”

Letzte Frage: Was würden Sie nachts allein im Museum tun?
Durchatmen – die Ruhe genießen – und endlich in aller Stille die Objekte und die Räume auf mich wirken lassen.

Titelbild: Juliane Eirich

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