Was macht eigentlich … Paul Hofmann, leitender Restaurator im Bode-Museum

Der Zahn der Zeit nagt auch an bedeutenden Kunstwerken. Um die Sammlungen der Museen im bestmöglichen Zustand zu bewahren und bestehende Schäden zu reparieren, greifen Profis wie Paul Hofmann, Leiter der Restaurierungswerkstatt im Bode-Museum, auf altes Wissen und modernste Technik zurück.

Interview: Sven Stienen

Woran arbeiten Sie gerade?
Derzeit arbeite ich an einer Reliefgruppe aus der Werkstatt des italienischen Bildhauers Pietro Lombardo. Es ist eine Arbeit aus Marmor, die um 1500 in Venedig entstand und die ich nach einem historischen Foto von 1906 rekonstruiere, so wie sie damals von Wilhelm von Bode erstmals präsentiert wurde. Darüber hinaus erhielten wir durch eine überaus großzügige Förderung der Ernst von Siemens Kunststiftung umfangreiche Mittel zur Restaurierung von Objekten mit Kriegsschäden, die seit 1943 nicht mehr präsentiert werden konnten. Es geht um 59 Einzelrestaurierungen, von Wachs über Holz bis Stein, sowie drei Forschungsprojekte, die uns in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen werden. Darüber hinaus haben wir seit vergangenem Herbst eine Förderung durch die Bank of America für drei Restaurierungsprojekte bis zum Ende des Jahres erhalten.

Das klingt nach sehr viel, aber auch nach sehr spannender Arbeit. Auf welche Objekte freuen Sie sich besonders?
Die beiden Schildhalter von Tullio Lombardo aus Venedig um 1490 sind sicher die aufregendsten Restaurierungen in diesem Konvolut. Die beiden Skulpturen waren in der Endphase des Zweiten Weltkriegs im Leitturm eines Flakbunkers in Friedrichshain gelagert, in dem es 1945 verheerend gebrannt hat. Das Feuer hat den Marmor stellenweise zu Brandkalk und Gips umgewandelt. Ultraschall-Untersuchungen haben gezeigt, dass die Konsistenz des Materials heute der von feuchtem Ostseesand gleicht, den man in der Hand zusammendrückt. Viele Experimente und Wagnisse liegen vor uns, bis wir den Zustand des Marmors konservieren und eine erneute Präsentation der Objekte möglich machen können. Das ist schon eine besondere Herausforderung für Kuratoren und Restauratoren. Daher werden wir von externen Laboren unterstützt.

Wie sieht Ihr Berufsalltag neben solchen besonderen Projekten aus?
Im Moment ist es sehr stressig, denn die Staatlichen Museen zu Berlin verleihen derzeit so viele Objekte wie noch nie und unser Team ist dadurch auf Kurierreisen und beim Auf- und Abbau von Ausstellungen stark eingebunden. Hinzu kommt die Mitarbeit am Projekt „lab.Bode“ hier im Bode-Museum, die Vorbereitung eines Workshops mit russischen und italienischen Kollegen im April sowie zahlreiche Kleinigkeiten, die auf dem Schreibtisch liegen. Trotz der vielen organisatorischen Arbeit versuche ich, einen Tag der Woche in der Restaurierungswerkstatt zu arbeiten. Dieser Tag ist mir „heilig“, weil ich auf jeden Fall auch praktisch arbeiten möchte.

Was mögen Sie am meisten an Ihrem Beruf?
Wenn ich selber forschen kann. So arbeite ich gerade zusammen mit dem Kurator Neville Rowley über Schicksale einzelner Bildwerke unserer Sammlung, ihre kriegsbedingte Verlagerung nach Moskau und St. Petersburg und ihre Restaurierungsgeschichte seit 1945. Wir untersuchen dafür auch sammlungsübergreifend die durch die zwei Brände im Mai 1945 im Friedrichshainer Flakbunker geschädigten Bildwerke. Das sind sammlungsgeschichtliche Forschungen, die mir Freude machen und die für unsere Geschichte sehr wichtig sind.

Und was mögen Sie am wenigsten?
Wenn so viele Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten wie bei den Staatlichen Museen zu Berlin, werden gelegentlich auch mal die eigenen Befindlichkeiten höher bewertet als der eigentliche Inhalt der Arbeit. Mir ist es da wichtiger, den Fokus auf die Lösung der bestehenden Probleme zu legen.

Was ist das kurioseste oder aufregendste Erlebnis, das Sie mit Ihrem Job verbinden?
Oft tauchen Restaurierungen wieder auf, die ich selbst vor mehr als 25 Jahren durchgeführt habe. Wenn ich dann die Aufzeichnungen von damals nachlese, muss ich über mich selbst schmunzeln, weil sich die Sicht auf die Dinge meist sehr verändert hat. Für mich ist es nach wie vor sehr aufregend hier auf der Museumsinsel arbeiten zu dürfen. Meine persönliche Geschichte ist seit 1987 mit diesen Museen verbunden. Nachdem ich viele Jahre international als Restaurator auf Ausgrabungen oder in Museen tätig war, bin ich nun seit über zwei Jahren wieder hier. Die Staatlichen Museen zu Berlin lassen mich nicht mehr los, das hat schon etwas Kurioses.

Letzte Frage: Was würden Sie nachts allein im Museum tun?
Schlafen und wandeln! Ich würde die Ruhe mit den Kunstwerken genießen – vielleicht sprechen sie nachts über ihre Entstehung und ihre Geschichte? Vielleicht schleichen sich diese Geschichten in die Träume.

Paul Hofmann, Chefrestaurator von Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst im Bode-Museum, in seiner Werkstatt. © Foto: David von Becker
Paul Hofmann, Chefrestaurator
von Skulpturensammlung und
Museum für Byzantinische Kunst
im Bode-Museum, in seiner Werkstatt. © Foto: David von Becker

Dieser Text erschien zuerst in der Museumszeitung II/2018 der Staatlichen Museen zu Berlin.

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1 Kommentar

  1. Ida - 11. Juni 2018, 14:28 UHR

    Kurator und Restauratoren sind durchaus super interessante Berufsfelder, dies war mir nicht bewusst. Danke für das Interview, ich bin großer Fan des Bode Museums. Ich werde dem Workshop auf jeden Fall einen Besuch abstatten, falls möglich.

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