Räucherbowling – damit im Bett nichts anbrennt

Bowling mit Räucherstäbchen mag verrückt klingen, ist allerdings eine historische Tatsache. Räucherkugeln verbinden beides mit einigem technischem Geschick: Die Kugeln werden mit Weihrauch oder anderen duftenden, brennbaren Substanzen gefüllt und können sogar im Bett gerollt werden, ohne dass es Feuer fängt.

Text: Miriam Kurz

Weihrauch hatte bereits lange vor dem Besuch der heiligen drei Könige beim neugeborenen Jesuskind Hochsaison. Es ist ein kostbares Baumharz, das auf der Weihrauchstraße, einer alten Handelsroute, die von Oman nach Damaskus und Gaza zum Mittelmeer führte, lange Zeit teuer gehandelt wurde. Es wurde in römischen Tempeln benutzt, als entzündungshemmender Balsam in der Medizin, und in der katholischen Kirche wird heute noch damit geräuchert. Die Räucherkugel war eine geniale Erfindung, die mit einigem technischen Geschick Räucherstäbchen mit Bowling verbindet: Sie ist ein Räucherstäbchenhalter der Luxusklasse, der nicht nur schön aussieht, sondern eine solch ausgeklügelte Mechanik hat, dass man sie brennend rollen kann, ohne dass Asche oder die brennende Substanz herausfällt. Die Räucherkugel wurde im 13. Jahrhundert in Syrien hergestellt, dort also, wo früher die Weihrauchstraße vorbeiführte. Sie wurde möglicherweise in Palästen benutzt, um angenehme Düfte zu verbreiten. Eine sehr ähnliche Kugel stammt aus Italien im 15. Jahrhundert, was vermuten lässt, dass Räucherbowling auch dort sehr beliebt war und die Räucherkugeln über den Mittelmeerhandel ihren Weg nach Europa gefunden haben.

Syrische Räucherkugel aus dem 13. Jahrhundert © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst / Johannes Kramer
Syrische Räucherkugel aus dem 13. Jahrhundert © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst / Johannes Kramer
Syrische Räucherkugel aus dem 13. Jahrhundert © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst / Johannes Kramer
Syrische Räucherkugel aus dem 13. Jahrhundert © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst / Johannes Kramer
Räucherkugel aus Italien, spätes 15. Jahrhundert © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst / Christian Krug
Räucherkugel aus Italien, spätes 15. Jahrhundert © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst / Christian Krug

Diese Geschichte ist Teil des digitalen Adventskalenders des Museums für Islamische Kunst im Pergamonmuseum. Jeden Tag vom 1. bis zum 24. Dezember wird auf der Facebook-Seite des Pergamonmuseums unter dem Motto „Kultur on Tour“ eine Geschichte aus dem Museum für Islamische Kunst veröffentlicht.

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3 Kommentare

  1. Michael Braune - 6. Dezember 2020, 11:01 UHR

    Fehlen zu den interessanten Räucherkugeln nicht zwei Sätze zur kardanischen Aufhängung des 13. Jh., die doch erst Geronimo Cardano (gest.1576) erfunden erfunden haben soll?

    1. Miriam Kurz - 9. Dezember 2020, 10:30 UHR

      Die Aufhängung ist tatsächlich bemerkenswert und war bereits deutlich bevor Cardano sie beschrieb bekannt. Schon zu Zeiten der chinesischen Han Dynastie im 2. Jahrhundert n. Chr. gab es offenbar Räuchergefäße mit kardanischer Aufhängung. Es gibt Hinweise, dass die Mechanik der Aufhängung in China möglicherweise schon im 2. Jahrhundert v. Chr. existierte und sie wird ebenso von Philon von Byzanz (280-220 v. Chr.) beschrieben (wobei es Uneinigkeit über die Authentizität seiner Beschreibung gibt).

  2. Vielen Dank für diese wissenswerten Informationen und Abbildungen zur Tulpe.
    Ich möchte Sie daraufhin auf eine köstliche dazu passende kleine Geschichte hinweisen und zur Lektüre eines Buches aus dem 19.Jh. anregen:
    “Alphonse Karr, Reise um meinen Garten”
    Ein Roman in Briefen Aus dem Französischen von Caroline Vollmann
    Kapitel XV Die Geschichte von Arnold Tulpen
    Die Andere Bibliothek Bd. 425, April 2020
    Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen für 2021
    Gabriele Heidecker

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