Ethnologie:

Von der Insel Luf ins Humboldt Forum: Die Geschichte eines Südseebootes

Holz, geschnitzt, rot, weiß und schwarz bemalt, Bindungen aus Rotan und Kokosfaserschnur, pflanzliche Kittmasse, Bambus, Pflanzenfaser, Federn, Textil, Segel aus Palmblattstreifen geflochten (19. Jahrhundert)
Höhe x Breite x Tiefe 960 x 1520 x 650 cm (Gesamtmaß), Breite: (mit Ausleger, ohne Gegenbrücke): 380 cm
Inventar-Nr.: VI 23116
Geograf. Bezug: Para-Mikronesien
Inselgruppe: Luf (Hermit-Inseln, Agomes, Eremiteninseln)
Inselgruppe: Westliche-Inseln
Inselgruppe: Bismarck-Archipel
Systematik:
Kulturgeschichte / Schiffe / Boote Werbliche Nutzung nur nach Rücksprache!
© bpk / Ethnologisches Museum, SMB / Waltraut Schneider-Schütz

Jahrzehntelang standen die Südseeboote im Ethnologischen Museum auf festem Grund, nun brechen sie wieder auf. Doch für sie geht es nicht zurück ins Meer sondern ins Humboldt Forum nach Berlin-Mitte. Aus diesem Anlass zeichnen wir die Geschichte unseres Südseebootes von der Insel Luf hier nach.

Beitrag: Isabelle C. V. Bayer

Die Reise des Südseebootes aus dem Ethnologischen Museum begann auf der Insel Luf in Papua-Neuguinea. Aus einem Baumstamm und vielen Planken ließ der Häuptling Labenan den Rumpf des Bootes bauen. Offiziell kam es jedoch nie zum Einsatz, bis Max Thiel, ein Geschäftsführer der deutschen Handelsgesellschaft Hernsheim & Co das Boot 1903 erwarb und es zu einer Niederlassung der Firma auf der Insel Matupi transportieren ließ.

Luf-Boot vor Matupi
Luf-Boot vor der hernsheimschen Handelsstation auf Matupi, 1903
©Staatliche Museen zu Berlin- Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum/ Richard Parkinson.

Noch im selben Jahr wurde es vom Museum für Völkerkunde in Berlin angekauft und zunächst nach Hamburg verschifft. Von hier kam es dann im Februar 1904 ins Museum für Völkerkunde in die heutige Stresemannstraße in Berlin.

Ehem. Ausstellungsbereich Südsee vor dem Beginn des Umzugs der Großobjekte  ©  Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum/ Stefan Müchler.
Ehem. Ausstellungsbereich Südsee vor dem Beginn des Umzugs der Großobjekte
© Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum/ Stefan Müchler.

Seit 1906 wurde es dort ausgestellt. Während der beiden Weltkriege wurde es in Depoträumen des Museums eingelagert und kam erst 1949 wieder in eine öffentliche Ausstellung. Die „Schifffahrtausstellung“ im Bruno-Paul-Bau lud bis 1955 ihre Besucher zum Träumen ein.

 Aufstellung des Luf-Bootes in der „Schifffahrtsausstellung“ im Bruno-Paul-Bau, Dahlem, 1949-1955. ©  Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum.
Aufstellung des Luf-Bootes in der „Schifffahrtsausstellung“ im Bruno-Paul-Bau, Dahlem, 1949-1955
© Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum.

Nach dem Comeback erfolgte eine weitere Einlagerungsphase, diesmal im Lichthof der Ruine des Museums für Völkerkunde und dann in der Kraftfahrzeughalle der Gardeschützen-Kaserne in Lichterfelde.

Transport des Luf-Bootes in die Gardeschützen-Kaserne, 1958. ©  Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum.
Transport des Luf-Bootes in die Gardeschützen-Kaserne, 1958.
© Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum.

1970 wurde unser Luf-Boot schließlich aus dem Dornröschenschlaf geweckt und kam in die Dauerausstellung des Ethnologischen Museums, in der es bis 2017 verweilte. Dann schloss das Museum in Dahlem seine Pforten und die Vorbereitungen für den großen Umzug in das Humboldt Forum in Berlin-Mitte begannen.

Im Zuge der Schließung des Ethnologischen Museums luden wir zum gemeinsamen Instawalk ein, dabei entstanden außergewöhnliche Bilder. Weitere Fotos seht ihr hier.

 

south sea boat #emptymuseendahlem

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Kurz darauf begannen die ersten Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen, um die Dahlemer Südseeboote transportfit zu machen. Dazu wurde eine „Restaurierungwerkstatt“ eingerichtet, in der alle Objekte geprüft, „entwest“ – also von eventuellen Schädlingen befreit – und dokumentiert wurden. Die ehemalige Ausstellungsfläche glich dabei eher einem neuartigen Raumschiff.

Entwesungsanlage in der ehemaligen Südseeabteilung. ©  Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum/ Stefan Müchler.
Entwesungsanlage in der ehemaligen Südseeabteilung. © Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum/ Stefan Müchler.

Nach diesem gründlichen Check-up konnte unser Boot für seinen vorerst letzten Umzug verpackt werden. Dazu waren spezielle Kräne und Sicherheitsvorkehrungen nötig.

Verlegung des Hochsee Segelboots. ©SPK/photothek.net/Thomas Koehler.
Verlegung des Hochsee Segelboots. ©SPK/photothek.net/Thomas Koehler.

Da neben unserem Luf-Boot noch sechs weitere Boote ins Humboldt Forum einziehen, zeigt unser vorerst letztes Bild die ersten Boote verpackt in Transportkisten. Sie warten nun geduldig auf ihren spektakulären Einzug ins Humboldt Forum ab Montag, 28.5.2018.

Die Südseeboote in ihren Transportkisten ©  Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum / Stefan Müchler
Die Südseeboote in ihren Transportkisten © Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Ethnologisches Museum / Stefan Müchler

Aktuelle Infos zum Umzug gibt es auf unseren Social-Media-Kanälen Instagram und Facebook.

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