Antiker Münzfund in Spandau: „Die Welt war vor Jahrtausenden schon verbunden“
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In Berlin-Spandau ist eine griechische Münze aus dem 3. Jh. v. Chr. entdeckt worden. Es handelt sich um den ersten archäologischen Fund der griechischen Antike im Stadtgebiet.
Interview: Sven Stienen
Eine griechische Münze, die in Berlin-Spandau entdeckt wurde, wirft neues Licht auf überregionale Beziehungen in der Antike. Die Münze datiert in die Zeit zwischen etwa 281 und 261 v. Chr. und ist eine hellenistische Prägung aus der Münzstätte Ilion (Troja, heute Nordwesttürkei). Derzeit wird sie im PETRI Berlin gezeigt. Der Archäologe Jens Henker vom Berliner Landesdenkmalamt erklärt, welche Bedeutung der Fund für die Wissenschaft hat.
Herr Henker, es wurde eine griechische Münze in Berlin-Spandau gefunden, die nun im PETRI Berlin gezeigt wird – was ist das Besondere an diesem Fund?
Jens Henker: Die Bedeutung erhält die Münze durch den Ort, an dem sie gefunden wurde. Die Münze an sich ist nicht wertvoll oder besonders selten – aber es ist die erste derartige Münze, die in Berlin im Boden gefunden wurde. Das ist tatsächlich außergewöhnlich.
Aus welcher Zeit stammt die Münze?
Sie wurde auf 280 bis 260 v. Chr. datiert, also eisenzeitlich. Wir haben aus dieser Zeit römische Münzen, aber bisher noch keine griechische.
Woher weiß man, ob die Münze tatsächlich in dieser Zeit hierherkam und nicht später einem Sammler aus der Tasche gefallen ist?
Vor allem wegen des Fundorts! Die Münze wurde in Spandau auf einem Acker gefunden – und dieser Acker ist Archäologen bereits bekannt. Hier wurden seit den 1950er Jahren immer wieder Funde gemacht, einige reichen bis in die Bronzezeit zurück. Und es gibt auch einzelne Metallfunde, die direkt an der Oberfläche liegen, ebenso wie römische Keramik oder spätere slawische Funde. Wahrscheinlich handelt es sich hier um ein Gräberfeld, das von der Bronzezeit über die römische Kaiserzeit bis in die slawische Zeit und das Frühmittelalter genutzt wurde. Die Münze passt sehr gut ins Fundspektrum, deswegen gibt es keinen Grund, an ihrer Authentizität zu zweifeln. Man kann aber natürlich nie komplett ausschließen, dass sie vielleicht doch einem Sammler aus der Tasche gefallen ist.
Wie interpretiert die Forschung diesen Münzfund, was lässt sich daraus ableiten?
Die Münze ist ein handfestes Indiz dafür, dass es tatsächlich Kontakte zwischen der antiken griechischen Welt und den hiesigen Gemeinschaften gegeben hat. Es gibt auch andere Hinweise darauf: So wurde etwa Bernstein aus dem Baltikum auch in der griechischen Welt verarbeitet, und die Bronze des Mittelmeerraumes wurde teilweise mit Zinn aus Großbritannien hergestellt. Darüber hinaus sind Berichte überliefert, wonach der griechische Entdecker Pytheas den Norden erkundet hat und dabei auf Polarlichter und Packeis gestoßen ist. Von den Zeitgenossen wurde er dafür ausgelacht, man hat ihm nicht geglaubt. Heute wissen wir, dass er echte Phänomene beschreibt. Es gab also Kontakte und auf jeden Fall auch Vorstellungen davon, wie die Welt nördlich des Mittelmeers ausgesehen hat.
Es ist also jemand aus dem antiken Griechenland bis in die Gegend des heutigen Berlins gereist und hat die Münze dort verloren oder sie mit ins Grab genommen?
Ob es genau so war, wissen wir natürlich nicht. Es kann auch sein, dass die Münze nicht auf direktem Weg hierher gelangte, sondern z. B. über die Kelten oder die Kulturen des Schwarzmeerraums, die mit den Griechen ebenso Kontakte pflegten wie mit den nördlichen Germanenstämmen. So oder so zeigt sie aber, dass es Kontakte gegeben hat.
Es ist faszinierend, wie viel in so einem kleinen, unscheinbaren Fund steckt …
Die Münze ist ein schöner Denkanstoß, dass wir die Verbindungen in der antiken Welt noch genauer erforschen müssen. Die Welt war ganz sicher auch vor Jahrtausenden schon verbunden, es ist nur oft schwierig, das archäologisch nachzuweisen – deswegen sind Funde wie diese Münze so wichtig.
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