Wer war Nofretete? Die schöne Königsgattin im Neuen Museum

Die Büste der Nofretete ist eines der berühmtesten Objekte auf der Berliner Museumsinsel – regelmäßig erreichen die Fachleute des Ägyptischen Museums Nachfragen zu der Gemahlin des Pharaos Echnaton. Die Ägyptologin Oliva Zorn beantwortet im Gespräch einige davon.

Interview: Sven Stienen

Wer war Nofretete?
Olivia Zorn: Nofretete war die Gemahlin des ägyptischen Pharao Echnaton, der im 14. Jh. v. Chr. geherrscht hat. Das Besondere an Nofretete ist, dass sie als „Große königliche Gemahlin“ offenbar auf einer Ebene mit ihrem Gatten stand – auf dem Hausaltar des Königspaares, der sich ebenfalls im Ägyptischen Museum in Berlin befindet, ist sie auf gleicher Höhe mit Echnaton dargestellt. Auch sonst war sie wohl bei allen religiösen Riten und der herrschaftlichen Amtsausübung anwesend, nach der damaligen Vorstellung bildete Nofretete gemeinsam mit ihrem Mann und dem Gott Aton eine göttliche Triade. Für eine königliche Gemahlin scheint sie also sehr viel Einfluss gehabt zu haben. Leider fehlen uns aber Quellen und Funde, um ihren Lebensweg verlässlich und im Detail nachzuzeichnen. Wir wissen lediglich, dass sie aus einer bürgerlichen Familie stammte und sechs Töchter hatte. Ob sie beispielsweise Echnaton vor oder nach dessen Thronbesteigung geheiratet hat, wissen wir ebenso wenig wie ihr Alter und ob sie tatsächlich so aussah, wie sie in Form ihrer berühmten Büste dargestellt worden ist.

Die Büste der Nofretete ist eines der berühmtesten Kunstwerke der Welt. Welche Bedeutung hat sie, sowohl kulturhistorisch, als auch für Ägyptolog*innen?
Für Ägyptolog*innen ist vor allem die Frage interessant, welche Funktion die Büste hatte. Ist sie nur ein Modell oder wurde sie öffentlich präsentiert? Derartige Darstellungen sind überaus selten, daher haben wir kaum Vergleichsmöglichkeiten. Darüber hinaus sagt die Büste wenig über Nofretete als Person aus – wir wissen, wie gesagt, nicht einmal, ob sie wirklich so ausgesehen hat. Da sind für uns Ägyptolog*innen andere Quellen wichtiger. Aber die Skulptur ist durch ihre Qualität und die Tatsache, dass sie bemalt und auch so gut erhalten ist, natürlich singulär – das und ihr strahlendes und einnehmendes Aussehen sind sicher Gründe, warum sie so berühmt ist.

Büste der Königin Nofretete © Staatliche Museen zu Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung / Sandra Steiß
Büste der Königin Nofretete © Staatliche Museen zu Berlin, Ägyptisches Museum und Papyrussammlung / Sandra Steiß

Wie wurde die Büste entdeckt und wie gelangte sie ins Museum?
Die Büste der Nofretete wurde am 6. Dezember 1912 bei einer Ausgrabung der Deutschen Orient-Gesellschaft im mittelägyptischen Tell el-Amarna gefunden. Der Fund war eher ein Zufall, der Grabungsleiter Ludwig Borchardt war wegen anderer Verpflichtungen gar nicht anwesend, als nachmittags während der Grabungen unter Leitung seines Stellvertreters Hermann Ranke plötzlich ein Stück der blauen Krone aus dem Sand ragte. Nachdem Borchardt hinzugerufen worden war, wurde die Büste freigelegt. Es war sicherlich sofort klar, dass die Nofretete ein besonderes Objekt ist, doch sie hatte nie einen Sonderstatus im Fundkonvolut aus dieser Grabung. Auch bei der späteren Fundteilung wurde sie als Teil des Konvolutes behandelt und es wurde festgelegt, dass sie der deutschen Seite in Person von James Simon, dem Berliner Mäzen und Finanzier der Grabung, zugesprochen werden sollte. Dieser Vorgang war völlig legal und folgte dem damals üblichen Prozedere bei Fundteilungen: Es wurden Listen mit allen Funden erstellt, anhand derer die Konvolute in Menge und Bedeutung der Objekte gleichwertig aufgeteilt wurden. So kam die Nofretete nach Deutschland, während etwa ein dem Berliner Objekt vergleichbarer, bedeutender Hausaltar in Ägypten blieb. Die Funde aus Amarna kamen also als legale Erwerbung nach Berlin und in das Eigentum von James Simon. Dieser überließ sie zunächst als Leihgabe den Berliner Museen und schenkte sie 1920 offiziell dem Ägyptischen Museum. So wurde die Nofretete-Büste Eigentum der Staatlichen Museen zu Berlin.

Nofretete nach 3D-Scan; © Staatliche Museen zu Berlin, Daniel Hofer
Nofretete nach 3D-Scan; © Staatliche Museen zu Berlin, Daniel Hofer

Nun wurde eine eigene Webseite zur Büste der Nofretete eingerichtet. Was können Besucher*innen nun auf der neuen Webseite über Nofretete erwarten?
Die Webseite vereint Antworten auf die vielen Fragen zu Nofretete und ihrer Büste, die uns in den letzten Jahren immer wieder erreicht haben. Wir haben alle Infos und Fakten gesammelt, komprimiert und übersichtlich auf der Seite zusammengestellt. Außerdem enthält die Seite weitergehende Informationen, zum Beispiel über andere Objekte, die mit Nofretete im Zusammenhang stehen. So können Besucher*innen sich umfassend informieren und den Besuch unserer Ausstellung vor- oder nachbereiten.

Auf der Webseite smb.museum/nofretete werden ab sofort die wichtigsten Informationen über Nofretete, die Büste der Nofretete sowie ihre Bedeutung heute kompakt präsentiert.

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