Zehnerpack: Wir sind mit’m Radl da!

Am 3. Juni ist der internationale Tag des Fahrrads. Im Juni 1817 machte Karl Freiherr von Drais die erste Fahrt mit seiner „Laufmaschine“, die heute als Urform des Fahrrads gilt. Wir haben anlässlich des 202. Jubiläums dieser bedeutenden Erfindung einige Impressionen der bewegten Bike-Geschichte aus der Kunstbibliothek zusammengestellt.

Die ersten Tests mit dem Fahrrad waren tatsächlich eher “Gehversuche”: Dieser Kupferstich aus der November-Ausgabe der „Allgemeinen Moden-Zeitung“ von 1817 zeigt die Funktionsweise der Drais’schen Laufmaschine.

Die Fahrmaschine des Herrn vonDrais, kolorierter Kupferstich, in: „AllgemeineModen-Zeitung“, November 1817(Nr. 96), © Kunstbibliothek – StaatlicheMuseen zu Berlin / Dietmar Katz
Die Fahrmaschine des Herrn vonDrais, kolorierter Kupferstich, in: „AllgemeineModen-Zeitung“, November 1817(Nr. 96), © Kunstbibliothek – StaatlicheMuseen zu Berlin / Dietmar Katz

Die Erfindung war in den Anfangsjahren sehr populär, bereits ein Jahr später schwangen sich englische Damen und Herren auf ihre abenteuerlichen „hobby horses“. Die ersten Laufräder waren nicht immer ohne Komplikationen, wie dieser Stich von 1817 zeigt …

Federlithografie, „Die Tücken des Laufrades“, 1817 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Knud Petersen
Federlithografie, „Die Tücken des Laufrades“, 1817 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Knud Petersen

Als in den 1860ern dann Tretkurbeln hinzugefügt wurden, begann der Siegeszug des Velos. Die berühmten Hochräder sind charakteristisch für die frühphase der Pedalradelei. Sie waren aufgrund ihrer Höhe und den Geschwindigkeiten, die man damit erreichen kann, ziemlich gefährliche Geräte. Das hielt die Zeitgenoss*innen nicht davon ab, sie mit Enthusiasmus zu nutzen – als Fortbewegungsmittel und als modisches Accessoire …

Fahrradmoden im Jahr 1969, kolorierter Kupferstich, in: Der Beobachter deutscher, französischer und englischer Herrenmoden, August 1869, Dresden, © Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin / Dietmar Katz
Fahrradmoden im Jahr 1969, kolorierter Kupferstich, in: Der Beobachter deutscher, französischer und englischer Herrenmoden, August 1869, Dresden, © Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin / Dietmar Katz

Es folgte das „Sicherheitsrad“, das deutlich niedriger als das Hochrad war, auf Kettenantrieb setzte und der Prototyp heutiger Fahrräder war. Spätestens mit dieser Entwicklungsstufe war der Siegeszug des Fahrrads für alle Geschlechter und Altersklassen vorgezeichnet. Zahlreiche Plakate zeigen, wie enorm die Fahrradproduktion ab den 1880er-Jahren anstieg und wie wirtschaftliche und soziale Veränderungen das Fahrrad zum beliebtesten Fortbewegungsmittel machten. Auch für Frauen war das Fahrrad nun ein Mittel der Fortbewegung – und der Emanzipation.

Friedrich Rehm, Victoria Fahrrad-Werke, 1899, Plakat (Lithografie), © Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin / Dietmar Katz
Friedrich Rehm, Victoria Fahrrad-Werke, 1899, Plakat (Lithografie), © Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin / Dietmar Katz

Nicht alle waren mit radfahrenden Frauen einverstanden. Da fiel die Großmutter schon mal in Ohnmacht, wenn die frisch angetraute Schwiergertochter auf dem Rad zum Antrittsbesuch kam, wie die Satirezeitung “Simplicissimus” es hier 1896 augenzwinkernd darstellt: “Sie hatte noch nie ein modernes Weib gesehen.”

    Simplicissimus, 31.10.1896 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek
Simplicissimus, 31.10.1896 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

Um die Jahrhundertwende hieß es überall „All Heil!“ – auch auf Bruno Pauls Titelblatt der Zeitschrift „Jugend“ vom August 1896 prangt der Radlergruß. Die Werbemedien spiegeln zudem den ästhetischen Zeitgeist der Jahre um 1900: Fahrradsilhouetten und fließende Jugendstil-Formen vereinen sich.

    © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek
© Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

Der sportliche Aspekt des Fahrrads gewinnt schnell an Bedeutung: Kunstradeln und Radrennen sind en vogue. Die reduzierten Formen der Neuen Sachlichkeit finden ab den 1920er Jahren Eingang in die Gestaltung von Fahrradplakaten: Klarheit in Linie und Aufbau kennzeichnen Grafik wie Produkt, noch bis in die 1950er-Jahre. Eine neue sportive Mode nimmt diese Aspekte auf.

    © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek
© Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek

Das Fahrrad entwickelte sich zum gesellschaftlichen Allrounder, ob bei der Ausfahrt der feinen Leute oder als Arbeitsgerät, etwa der Zeitungsboten. „Beim Straßenrennen gab es stets sportbegeisterte Mitfahrer, die dann den Schwanz bildeten“, schrieb der Berliner Fotograf Willy Römer zu dieser Aufnahme eines Rennens von Zeitungsfahrern aus dem Jahr 1920.

Willy Römer: Straßenrennen der Zeitungsfahrer, 1920 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Photothek Willy Römer
Willy Römer: Straßenrennen der Zeitungsfahrer, 1920 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Photothek Willy Römer

Für Frauen blieb das Rad bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ein Politikum und ein Vehikel der Emanzipation und Unabhängigkeit. So konnte etwa diese junge Frau, die Willy Römer um 1930 festhielt, ihren Umzug mit dem Fahrrad machen.

© Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Photothek Willy Römer
© Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Photothek Willy Römer

Von den Anfängen bis in die Gegenwart ist das Fahrrad nicht nur ein Emanzipationsmittel, da es eine nie gekannte Mobilität ermöglichte, es ist auch ein soziales und politisches Phänomen, das besonders heute an neuer Bedeutung gewinnt: Umwelt- und Klimaschutz und neue Mobilitätskonzepte sind brennende Themen, in deren Mittelpunkt das Fahrrad steht. Mit Fahrrad-Demos, Critical Mass und Fahrrad-Aktivismus treiben Bike-Freund*innen die Radel-Revolution voran – es bleibt spannend.

    Henning Wagenbreth: Radfahrer haben nichts zu verlieren als ihre Ketten, 2015, Plakat (Siebdruck) / www.instagram.com/henningwagenbreth/ © Kunstbibliothek– Staatliche Museen zu Berlin /Henning Wagenbreth
Henning Wagenbreth: Radfahrer haben nichts zu verlieren als ihre Ketten, 2015, Plakat (Siebdruck) / www.instagram.com/henningwagenbreth/ © Kunstbibliothek– Staatliche Museen zu Berlin /Henning Wagenbreth

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