Food Revolution im Kunstgewerbemuseum: Kosuke Araki und die Beziehung zwischen Mensch und Natur

Die Ausstellung Food Revolution 5.0 zeigt über 30 teils praktische, teils spekulative Arbeiten, die Alternativen zum aktuellen Ernährungssystem vorschlagen. Neila Kemmer sprach mit dem japanischen Designer Kosuke Araki über die Möglichkeiten des Designs, Visionen für eine bessere Zukunft zu gestalten.

Interview: Neila Kemmer

Die Ausstellung Food Revolution 5.0 beschäftigt sich kritisch mit dem Nahrungssystem und unserem Verhältnis zu Lebensmitteln. Brauchen wir eine Food Revolution und wenn ja, wie könnte sie aussehen?
Kosuke Araki: Ja, ich denke, wir müssen Dinge rund ums Essen überdenken in vielen Aspekten, wie sie in der Ausstellung diskutiert werden. Zum Beispiel ziehen Lebensmittelmärkte Leute wegen ihrer Lebendigkeit und Frische an, aber besuchende Leute scheinen unwillig, darüber nachzudenken, wie viele Lebensmittel dort verschwendet werden. Supermärkte produzieren eine Menge Biomüll. Jeder einzelne Lebensmittelladen tut das mehr oder weniger. Ich fragte einmal in Lebensmittelläden mir Gemüse zurückzulegen, die weggeworfen werden sollten. Einige davon waren verdorben, einige waren aber immer noch frisch genug, um sie zu essen. Man kann sich leicht vorstellen, dass dieses Gemüse nur einen kleinen Teil ausmacht von den enormen Mengen an Essen, das jeden Tag weggeworfen wird.

Foodwasteware / photo by Masami Naruo
Foodwasteware / photo by Masami Naruo

Die Ausstellung geht von einem revolutionären Potential des Designs aus. Worum geht es bei Ihren Geschirrserien Food Waste Ware und Anima, die in der Ausstellung zu sehen sind? Wie tragen diese Arbeiten zur Food Revolution bei?
Ich hoffe, dass meine Projekte dabei helfen, die Beziehung zwischen Natur und Menschen wieder neu zu verweben. Essen ist nichts anderes als Leben. Ich denke, nicht viele Menschen sehen Essen als Leben, wenn sie es verkaufen, kaufen oder essen. Ich glaube, das Fehlen dieses Bewusstseins ist einer der Faktoren, warum täglich so viele ‚Lebensmittel‘ aus ökonomischen oder anderen Gründen verschwendet werden, was eventuell verschiedene Umweltprobleme verursacht.
Als Tribut für das verschwendete Leben wurde eine Geschirrserie entwickelt. Gemüseabfall wird verkohlt, pulverisiert und dann mit tierischen Materialien und Urushi vermengt, einem japanischen Lack, der für zusätzliche Stabilität sorgt. Ich frage mich, was man fühlt, wenn einem Essen auf diesem Geschirr serviert wird.

Worin liegt ihr Hauptinteresse in Ihrer Design-Praxis?
Mein aktuelles und wahrscheinlich lebenslanges Interesse an Design ist, wie wir unser Leben innerhalb des natürlichen Kreislaufs verbessern können. Da unser urbanes Leben so tief von der Natur getrennt ist, tendieren wir dazu, zu vergessen, dass unsere Existenz nur dank ihr möglich ist. Dieses Mindset muss notwendigerweise wieder hergestellt werden, um nicht nur Probleme rund ums Essen sondern auch andere Umweltprobleme im Jetzt und in der Zukunft zu regeln.
Ich würde sagen, mein Kunde ist die Natur. Ich möchte immer dafür sorgen, der Umwelt keinen Schaden zuzufügen und ich möchte Dinge herstellen, die die reiche Vielfalt des Universums feiert.

Woran arbeiten Sie gerade? Geht es bei Ihren aktuellen Arbeiten auch ums Essen?
Ich arbeite gerade an zwei Projekten. Eines ist die Weiterentwicklung der Anima-Reihe. Ich verbessere die Machart und plane die Reihe auszuweiten. Das andere bezieht sich nicht aufs Essen, aber auf etwas Natürliches. Ich designe etwas aus Holz, indem ich verschiedene Qualitäten des Materials ausnutze. Mehr kann ich dazu bis Ende Oktober nicht verraten.

Foodwasteware Material Carbonisation / photo by Masami Naruo
Foodwasteware Material Carbonisation / photo by Masami Naruo

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