Besuch aus Småland: Streichhölzer „Made in Sweden“

Auch wenn Småland als Region nicht jedem bekannt ist, so fanden doch viele Erzeugnisse aus dieser schwedischen Provinz Eingang in unseren Alltag. Während der Laufzeit der Småländischen Kulturtage im Museum Europäischer Kulturen stellt die wissenschaftliche Volontärin Alina Helwig hier die wichtigsten småländischen Exportschlager vor. Diese Woche: Streichhölzer „Made in Sweden“.

Jeder kennt die Herkunftsbezeichnung „Made in“, die uns auf Bekleidungslabels, Elektronik oder Spielzeug begegnet und einer Signatur gleicht. Lange Zeit galt etwa „Made in Germany“ als Qualitätssiegel, während „Made in China“ eher Skepsis hervorrief. Jüngst avancierte „Made in Bangladesh“ zum Synonym für schlechte Arbeitsbedingungen in riesigen Textilfabriken. Aber „Made in Sweden“? Damit konnte ich bis zur Vorbereitung der Småländischen Kulturtage wenig anfangen. Bis ich erfuhr, dass zwei Brüder in Jönköping in den 1850er Jahren – zur gleichen Zeit als auch der Begriff „Made in Sweden“ aufkam – eine gewissermaßen zündende Idee hatten. Sie entwickelten das sichere Streichholz und machten damit die småländische Kleinstadt zum europäischen Zentrum der Streichholherstellung.

Mitte des 19. Jahrhunderts kamen erstmalig Zündhölzer zur Entfachung von Feuer zur Anwendung. Der schwedische Chemiker Gustaf Erik Pasch erfand 1844 das Sicherheitszündholz, dessen Zusammensetzung von den Gebrüdern Lundström weiterentwickelt und verbessert wurde. Sie gründeten die erste Zündholzfabrik in Jönköping und entwickelten sie zu einem weltweit bekannten Unternehmen. Die Streichhölzer „Made in Sweden“ wurden aufgrund ihrer hohen Qualität und ihres erschwinglichen Preises schnell zu einem Exportschlager. Verschiedene Schachtelgrößen und rund 15.000, meist von Künstlern gestaltete und auf die jeweiligen Märkte zugeschnittene Etikettenmotive zeugen von diesem Erfolg.

Doch auch diese Erfolgsgeschichte der Industrialisierung hatte ihren Preis. Viele Arbeiter und Arbeiterinnen erkrankten aufgrund des gesundheitsschädlichen Arbeitsumfeldes an Phosphornekrose. Die aufsteigenden Dämpfe der giftigen Phosphormasse, in die das Streichholzstäbchen eingetaucht wurde, schädigten das Zahnfleisch der Arbeiter, bis ihnen die Zähne ausfielen, und griffen dann weitere Gewebe- und Knochenstrukturen im Gesicht an, bis diese teilweise entfernt werden mussten.
Die Produktion von Zündhölzern in Schweden besteht bis heute fort und läuft nunmehr weitgehend automatisiert. Allein der Hersteller „Swedish Match“ stellt täglich ca. 250 Millionen Streichhölzer her. Dies entspricht 950 Millionen Schachteln pro Jahr und lediglich drei Prozent davon sind für den Binnenmarkt bestimmt. Streichhölzer „Made in Sweden“ – ein echter Exportschlager aus Schweden.

Verschiedene Etikettenmotive für die Streichholzschachteln der Firma Jönköpings Tändstickfabrik, ca. 1890 – 1960. © Tändsticksmuseet Jonköping. Foto: Ute Franz-Scarciglia
Verschiedene Etikettenmotive für die Streichholzschachteln der Firma Jönköpings Tändstickfabrik, ca. 1890 – 1960. © Tändsticksmuseet Jonköping. Foto: Ute Franz-Scarciglia

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