Die richtige Zeit für starke Verbindungen: Museumsinsel zu Gast in Armenien
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Die Museumsinsel ist zu Gast in Eriwan, im nächsten Jahr ist eine Ausstellung mit armenischen Partnern in Berlin geplant – Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, erklärt, wie es dazu kam und warum diese Kooperation wichtig ist.
Interview: Sven Stienen
Das Museum für Vor- und Frühgeschichte und weitere Museen haben eine Kooperation mit Armenien begonnen, derzeit läuft eine Ausstellung mit Leihgaben aus Berlin in Eriwan. Was hat es damit auf sich?
Matthias Wemhoff: Bisher haben wir vor allem Ausstellungen anderer Länder bei uns gezeigt. Bei einem Besuch in Armenien haben wir aber festgestellt, dass auch dort großes Interesse besteht, die eigenen Museen international stärker zu präsentieren und mit anderen Institutionen in Austausch zu treten.
Und das ist natürlich ein großartiger Einstieg für uns – gerade in dem Zeitraum, in dem wir 200 Jahre Museumsinsel feiern –, auch einmal als Museumsinsel anderswo zu Gast zu sein. Eriwan ist zudem ein toller Ort, an dem wir gerne präsent sind. So kam die Kooperation zustande.
MW: Richtig, im kommenden Jahr wird auf der Museumsinsel eine große Armenien-Ausstellung stattfinden. Im Museum für Vor- und Frühgeschichte haben wir sofort erkannt, dass wir das gut gemeinsam mit anderen Sammlungen machen können. Fünf Sammlungen der Museumsinsel sind jetzt mit Objekten vertreten und werden auch bei der Armenien-Ausstellung in Berlin mitwirken: die Antikensammlung, das Museum für Islamische Kunst, die Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst, das Münzkabinett sowie das Museum für Asiatische Kunst.
Was wird in der Ausstellung in Eriwan gezeigt?
MW: Wir haben uns ein Thema überlegt, das den Schwerpunkten der armenischen Sammlung entgegenkommt. Insgesamt bringen wir 50 Objekte von der Museumsinsel nach Armenien, die von armenischer Seite um Objekte aus den eigenen Beständen ergänzt werden. Es ist also auch eine Begegnung der Objekte.
Dabei geht es vor allem um Kosmologie. Die Idee kam daher, dass wir in unserer Sammlung ein Objekt haben, das so etwas wie ein Erkennungszeichen des Armenischen Nationalmuseums ist. Es handelt sich um ein sehr altes Objekt, eine Art Anhänger mit einer Darstellung verschiedener Himmelskörper in einem bestimmten Verhältnis zueinander.
Dann haben wir das Thema um ganz unterschiedliche Objekte erweitert, die mit Kosmologie zu tun haben. Das ist sehr spannend, weil man das Thema über verschiedene Epochen hinweg und anhand ganz unterschiedlicher Objekte betrachten kann.
Die Ausstellung in Armenien steht in einer langen Reihe internationaler Kooperationsprojekte Ihres Museums. Wieso fiel die Wahl jetzt auf Armenien?
MW: Wir sind schon seit einigen Jahren sehr stark in Zentralasien und in der Kaukasusregion tätig. Wir haben mit Georgien und Usbekistan zusammengearbeitet, diesen Herbst zeigen wir gemeinsam mit der Mongolei eine große Ausstellung zu Dschingis Khan in Berlin und die Kooperation mit Armenien reiht sich hier ebenfalls ein.
Das hat zum einen damit zu tun, dass Russland als Partner sowohl für uns als auch für viele Länder dieser Weltregion weggefallen ist. Außerdem haben diese Nationen seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und ihrer Unabhängigkeit eine viel stärkere Wahrnehmung und Wertschätzung der eigenen Kultur entwickelt – und auch der Institutionen, die dahinterstehen.
Heute sagen sie: Wir wollen wahrgenommen werden und unsere wiederentdeckte Wertschätzung für die eigene Kultur mit der Welt teilen. Insofern ist jetzt genau die richtige Zeit, mit diesen Nationen zusammenzuarbeiten und starke Verbindungen aufzubauen.
Noch einmal zurück nach Berlin: Die Museumsinsel ist ein starker Verbund, der durch die Stiftungsreform noch stärker zusammenwächst und auch autonomer agiert. Wie war die Zusammenarbeit innerhalb der Sammlungen für dieses Projekt? Ist es einfacher geworden?
MW: Absolut, das hat wirklich wunderbar geklappt. Wir haben jetzt für alle Sammlungen nur einen Vertrag gemacht, das ist ein Beispiel dafür, wie durch die Reform ganz praktische Vorgänge vereinfacht wurden.
Wir haben für das Projekt mit Catalina Heroven eine wunderbare Kuratorin hinzugeholt, die mit allen Sammlungen direkt zusammenarbeitet. Unsere Sammlungsbereiche lassen sich ja nicht haarscharf voneinander trennen, sie gehen teilweise ineinander über. Es gibt Grenzregionen und verschiedene Ansätze, mit bestimmten Zeiten und Epochen umzugehen, außerdem haben die Sammlungen natürlich unterschiedliche Schwerpunktsetzungen.
Insofern liegt die Stärke auch in der Zusammenarbeit und dem Nutzen von Synergien. Auch für die Marke Museumsinsel, die uns sehr am Herzen liegt, ist es eine gute Idee, diese Pionierarbeit jetzt einmal zu machen.
Wird die Ausstellung in Berlin 2027 ein ähnliches Thema wie in Eriwan haben oder geht es um etwas ganz anderes?
MW: Wir sind noch in der Vorbereitung und werden das jetzt auch im Zusammenhang mit der Eröffnung noch einmal vor Ort in Armenien vertiefen.
Im Augenblick ist unser Plan, dass wir verschiedene Fundplätze aus unterschiedlichen Epochen zeigen, die markant für das sind, was in Armenien geschehen ist. Wir wollen dabei einen großen Bogen von der Bronzezeit bis zum Aufblühen des Christentums schlagen. Ein Vorteil ist, dass es in unseren Sammlungen bereits seit der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg viele Verbindungen in diese Weltregion gibt.
Also eine Erkundungstour durch die armenische Geschichte?
MW: Wir haben natürlich nicht den Anspruch, die Geschichte vollständig zeigen zu können – dafür ist dieses Land viel zu facettenreich und faszinierend, um es in einer Ausstellung umfassend zu erzählen. Aber es gibt verschiedene Fokuspunkte, anhand derer wir zeigen können, wie vielfältig die Geschichte in diesem zunächst sehr klein wirkenden Land ist. Es hat faszinierende, tiefe Täler, die sehr unterschiedliche kulturelle Zeugnisse bewahrt haben.
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