Zehnerpack: Grafik im Kupferstichkabinett

Das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin ist eine der bedeutendsten graphischen Sammlungen weltweit – hier dreht sich alles um Kunst auf Papier.

Normalerweise lädt das Team des Kupferstichkabinetts alljährlich im November zu einem Aktionstag im Rahmen des „Wochenendes der Graphik“ dazu ein, direkt im Museum in Gesprächen, Workshops und Kurzführungen Blicke hinter die Kulissen zu werfen und faszinierende Facetten von Zeichenkunst und Druckgraphik zu entdecken. Am „Wochenende der Graphik“ rücken graphische Sammlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre verborgenen Schätze in den Blickpunkt. Dieses Jahr kann dies nur digital geschehen. Für diesen virtuellen Blick in die Sammlung des Kupferstichkabinetts hat sich das Team etwas Besonderes einfallen lassen: einen Zehnerpack der Superlative – zehn Künstler, von denen das Museum den jeweils größten Bestand weltweit verwahrt.

Martin Schongauer (1440/45–1491), Madonna auf der Rasenbank mit einem Nelkenstock, 1475/80, Feder in Braun © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders
Martin Schongauer (1440/45–1491), Madonna auf der Rasenbank mit einem Nelkenstock, 1475/80, Feder in Braun © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Nirgendwo werden mehr Zeichnungen von Martin Schongauer aufbewahrt, als im Berliner Kupferstichkabinett: von insgesamt nur etwa zwölf erhaltenen Blättern, verwahrt das Museum vier Zeichnungen, darunter diese Studie einer Madonna, die vielleicht schönste Zeichnung des Künstlers.

Sandro Botticelli (um 1445–1510), Die Göttliche Komödie: sechster Gesang des Paradieses – Dante und Beatrice, um 1492–1495, Metallstift und Feder in Braun auf Pergament © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Philipp Allard
Sandro Botticelli (um 1445–1510), Die Göttliche Komödie: sechster Gesang des Paradieses – Dante und Beatrice, um 1492–1495, Metallstift und Feder in Braun auf Pergament © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Philipp Allard

Mit 85 Zeichnungen zu Dantes Göttlicher Komödie sowie einer weiteren Studie von der Hand des Künstlers besitzt das Kupferstichkabinett weltweit die größte Gruppe von Werken Sandro Botticellis.

Hieronymus Bosch (um 1450–1516), Das Feld hat Augen, der Wald hat Ohren, Feder in Braun © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders
Hieronymus Bosch (um 1450–1516), Das Feld hat Augen, der Wald hat Ohren, Feder in Braun © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Das Kupferstichkabinett verwahrt über die Hälfte der noch erhaltenen eigenhändigen Zeichnungen von Hieronymus Bosch. Darunter nimmt „Das Feld hat Augen, der Wald hat Ohren“ als eines der drei sogenannten Meisterblätter eine herausgehobene Stellung ein.

Matthias Grünewald (1465–1528), Drei Männerköpfe in der Glorie (so genanntes Dreigesicht), 1510–1515, schwarze Kreide © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders
Matthias Grünewald (1465–1528), Drei Männerköpfe in der Glorie (so genanntes Dreigesicht), 1510–1515, schwarze Kreide © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Mit 19 Zeichnungen besitzt das Kupferstichkabinett über die Hälfte des erhaltenen zeichnerischen Gesamtwerkes von Matthias Grünewald.

Pieter Bruegel (der Ältere) (um 1526/1530–1569), Die Imker, 2. Drittel 16. Jh., Feder in Braun © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders
Pieter Bruegel (der Ältere) (um 1526/1530–1569), Die Imker, 2. Drittel 16. Jh., Feder in Braun © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Von etwa 60 Zeichnungen erhaltenen Zeichnungen Pieter Bruegels befinden sich acht im Kupferstichkabinett: die größte Sammlung von Blättern des Künstlers in einem Museum weltweit.

Georg Flegel (1566–1638), Jonquilla-Narzisse, Gelbliche Schwertlilie, Schachblume und Hornisse, um 1630, Aquarell und Deckfarben mit Weißhöhungen © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders
Georg Flegel (1566–1638), Jonquilla-Narzisse, Gelbliche Schwertlilie, Schachblume und Hornisse, um 1630, Aquarell und Deckfarben mit Weißhöhungen © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Georg Flegels gesamtes künstlerisches Œuvre auf Papier wird im Berliner Kupferstichkabinett aufbewahrt. Von den ursprünglich 110 in Deck- und Aquarellfarben ausgeführten Blumenstudien Georg Flegels sind heute noch 80 erhalten. Die übrigen gelten als Kriegsverluste.

Karl Friedrich Schinkel (1781–1841), Die Sternenhalle der Königin der Nacht, Entwurf zur Dekoration für die Zauberflöte (Oper von Wolfgang Amadeus Mozart), um 1815, Gouache © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Wolfram Büttner
Karl Friedrich Schinkel (1781–1841), Die Sternenhalle der Königin der Nacht, Entwurf zur Dekoration für die Zauberflöte (Oper von Wolfgang Amadeus Mozart), um 1815, Gouache © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Wolfram Büttner

Das Kupferstichkabinett verwahrt das Erbe des Architekten, Zeichners, Malers und Designers Karl Friedrich Schinkel, eine Sammlung von mehr als 6.000 eigenhändiger Aquarelle, Gouachen, Zeichnungen.

Carl Blechen (1789–1814), Rastender Pilger in einer gotischen Kirchenruine, Aquarell über Bleistift © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders
Carl Blechen (1789–1814), Rastender Pilger in einer gotischen Kirchenruine, Aquarell über Bleistift © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Mit 1324 Ölskizzen, Aquarellen, Zeichnungen und drei Skizzenbüchern besitzt das Kupferstichkabinett die weltweit umfangreichste Sammlung an Werken Carl Blechens.

Adolph Menzel (1815–1905), Besuch im Eisenwalzwerk, 1899/1900, Aquarell und Gouache © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders
Adolph Menzel (1815–1905), Besuch im Eisenwalzwerk, 1899/1900, Aquarell und Gouache © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Mit über 6.000 Werken – 70 Skizzenbücher des Künstlers nicht eingerechnet – befindet sich der weltweit größte Bestand an Zeichnungen Adolph Menzels im Kupferstichkabinett, und das trotz erlittener Kriegsverluste.

Vincent van Gogh (1853–1890), Ernte in der Provence (für Émile Bernard), 1888, Rohrfeder in Graubraun, über Vorzeichnung mit Graphitstift © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders
Vincent van Gogh (1853–1890), Ernte in der Provence (für Émile Bernard), 1888, Rohrfeder in Graubraun, über Vorzeichnung mit Graphitstift © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Das Kupferstichkabinett hat heute fünf Zeichnungen von Vincent van Gogh im Bestand. Das klingt nach wenig. Tatsächlich ist unsere Sammlung aber die umfangreichste an Zeichnungen des Künstlers in Museumsbesitz.

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2 Kommentare

  1. Stefan Heller - 19. November 2020, 21:28 UHR

    Die größte Museumssammlung an van Gogh-Zeichnungen? Naja.
    Das Musée d’Orsay hat 7 Zeichnungen, das Boijmans Van Beuningen Museum hat 6 Zeichnungen, das Art Institute of Chicago hat 8 Zeichnungen, das Metropolitan Museum of Art hat 6 Zeichnungen, das Kröller-Müller Museum hat über 100 Zeichnungen und das Van Gogh Museum hat einige 100 Zeichnungen.

  2. Anna Pfäfflin - 27. November 2020, 13:43 UHR

    Stimmt. In “deutschem Museumsbesitz” hätte es heißen müssen. Dank für den Hinweis!

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