Mäzene und Meisterinnen: Jahresrückblick 2019 aus der Blogredaktion

2019 war ein bewegtes Jahr bei den Staatlichen Museen zu Berlin. Mit der James-Simon-Galerie und dem Haus Bastian wurden gleich zwei neue Häuser eröffnet und einige Ausstellungshighlights wurden zum Gesprächsthema der Stadt – oder sogar der Republik. Im Jahresrückblick lassen wir einige besondere Momente und Projekte Revue passieren.

100 Jahre Weimar

Willy Römer: Wahl zur Nationalversammlung, 1919 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Photothek Willy Römer / Willy Römer
Willy Römer: Wahl zur Nationalversammlung, 1919
© Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Photothek Willy Römer / Willy Römer

Das Jahr begann mit einem historischen Jubiläum: Vor 100 Jahren, im Februar 1919, wurde mit der Weimarer Republik die erste deutsche Demokratie gegründet. Kurz nach den Wirren der Novemberrevolution 1918/19 setzten sich die demokratischen Kräfte durch und es wurde die Republik ausgerufen, deren Vertreter fortan in Weimar, fernab vom politisch aufgeheizten Berlin, tagten. Anlässlich des Jubiläums haben wir die eindrucksvollsten Bilder aus unserem Archiv zusammengesucht, die einen faszinierenden Blick durch die Zeit ermöglichen.

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Mantegna und Bellini, innige Rivalen

Andrea Mantegna: Christus am Ölberg, um 1458-60 © The National Gallery, London
Andrea Mantegna: Christus am Ölberg, um 1458-60 © The National Gallery, London

Eines der ersten Highlights des Jahres war ab März die Begegnung der beiden Renaissance-Meister Andrea Mantegna und Giovanni Bellini in der Gemäldegalerie. Sie gelten als zwei der größten italienischen Maler der Epoche – doch ebenso spannend wie ihre Kunst ist ihr persönliches Verhältnis. Denn die beiden Künstler waren verschwägert, seit der Newcomer Mantegna 1453 in die bereits etablierte Künstlerdynastie der Bellinis eingeheiratet hatte. Es folgte eine lebenslange Verbindung von Mantegna und Bellini, die immer von Bewunderung und Rivalität gleichermaßen geprägt war.

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Emil und die Demagogen

Emil Nolde in München, Januar/Februar 1937. Foto von Helga Fietz, der Ehefrau von Noldes Münchner Kunsthändler Günther Franke. Nolde Stiftung Seebüll © Nolde Stiftung Seebüll
Emil Nolde in München, Januar/Februar 1937. Foto von Helga Fietz, der Ehefrau von Noldes Münchner Kunsthändler Günther Franke.
Nolde Stiftung Seebüll
© Nolde Stiftung Seebüll

Große Aufregung gab es im April um die Ausstellung zu Emil Nolde im Hamburger Bahnhof: Sie ging erstmals umfassend auf die Verstrickung des Künstlers in den Nationalsozialismus und seine antisemitischen Ansichten ein. Nolde, seit jeher als vorbildhafter Künstler und Gegner der Nazis verehrt, muss aufgrund aktueller Forschung völlig neu bewertet werden. Die Ausstellung der Nationalgalerie markierte einen bedeutenden Schritt auf dem Weg zu Aufarbeitung und löste nebenbei einen kleinen Skandal um einen Nolde im Kanzleramt aus.

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Der Prinzessin von Britz

Die englische Anthropologin Natasha Powers (links) erläutert den Berliner Archäologinnen Marion Bertram (Mitte) und Claudia M. Melisch die Ergebnisse ihrer osteologischen Analyse der „Britzer Prinzessin“. Foto: Thilo Rückeis.
Die englische Anthropologin Natasha Powers (links) erläutert den Berliner Archäologinnen Marion Bertram (Mitte) und Claudia M. Melisch die Ergebnisse ihrer osteologischen Analyse der „Britzer Prinzessin“.
Foto: Thilo Rückeis.

Ein spannender Fall aus dem Frühmittelalter beschäftigte die Archäolog*innen im Neuen Museum dieses Jahr. Die so genannte “Britzer Prinzessin”, ein opulent bestattetes Teenagerskelett aus dem 6. Jahrhundert, stellte sich bei neuesten Untersuchungen als “Britzer Prinz” heraus – und als Verwandter des in einer anderen Grabung gefundenen “Neuköllner Reiters”. Ein historischer Krimi, der mit noch weiteren Überraschungen aufwartet …

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Geheimnisse eines Museumsmachers

Matthias Wemhoff, Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte in der Ausstellung "Bewegte Zeiten" im Martin-Gropius-Bau. © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Matthias Wemhoff, Direktor des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte in der Ausstellung “Bewegte Zeiten” im Martin-Gropius-Bau.
© Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Matthias Wemhoff, Archäologe und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte im Neuen Museum, hat ein Händchen für gute Ausstellungen. Seine Schau “Archäologie in Deutschland” war ein großer Erfolg und auch für 2020 hat er bereits einiges in Planung. Im Sommer erzählte er uns, worauf es dabei ankommt und wie er es schafft, sich und andere immer wieder zu begeistern.

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Ein Mäzen kehrt zurück

Willi Döring: Bildnis James Simon am Schreibtisch seines Zimmers, 1901 © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Volker-H. Schneider
Willi Döring: Bildnis James Simon am Schreibtisch seines Zimmers, 1901 © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Volker-H. Schneider

Bereits rund eine Million Menschen besuchten im Jahr 2019 die James-Simon-Galerie. Die Architektur begeistert, doch wer war eigentlich der Namensgeber des neuen Hauses? James Simon, einer der größten Mäzene der Berliner Museen im frühen 20. Jahrhundert, schenkte ihnen nicht nur die Nofretete und andere bedeutende Kunstwerke – er war auch ein großer Philanthrop. Mit der Benennung des neuen Hauses auf der Museumsinsel nach ihm, wird der Name Simon hoffentlich wieder in den allgemeinen Wortschatz der Berliner*innen aufgenommen werden.

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Unter der Kunst liegt die Kunst

Fritz Rhein: Dame mit Kind, 1910 © Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie / Andres Kilger
Fritz Rhein: Dame mit Kind, 1910 © Staatliche Museen zu Berlin, Alte Nationalgalerie / Andres Kilger

Besonders spannend wird es im Museum immer, wenn Restaurator*innen mit den Werken arbeiten und dabei lang gehütete Geheimnisse lüften. Mit modernster Technologie decken sie auf, was sich hinter und unter den Leinwänden und Farbschichten befindet. Manchmal, so wie in diesem Fall in der Alten Nationalgalerie, finden sie dabei sogar ganz neue Gemälde …

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Schönster Neuzugang der Stadt

Blick auf den äußeren Säulengang der James-Simon-Galerie © Ute Zscharnt für / for David Chipperfield Architects
Blick auf den äußeren Säulengang der James-Simon-Galerie © Ute Zscharnt für / for David Chipperfield Architects

Es kommt nicht oft vor, dass ein neues Museum in der Stadt eröffnet. Technisch gesehen ist die James-Simon-Galerie auch kein Museum, sondern das neue Eingangsgebäude der Museumsinsel. Doch auch ohne eigene Sammlung lockte der Bau des Stararchitekten David Chipperfield in diesem Jahr fast eine Million Menschen an, die sich an der klassischen Ästhetik erfreuten und auf der Sonnenterrasse einen Drink nahmen, bevor sie ins Pergamonmuseum oder ins Neue Museum weiterzogen. Im Juli luden wir einige Berliner Instagrammer*innen zum Instawalk in dem Gebäude ein. Ihre Bilder bringen die Schönheit und Eleganz des Baus gekonnt auf den Punkt.

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Das starke Geschlecht

Anna Dorthea Therbusch: Selbstbildnis, 1782 © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders
Anna Dorthea Therbusch: Selbstbildnis, 1782 © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders

“Muss eine Frau sich erst ausziehen, um ins Museum zu kommen?” Das fragte die Künstlerinnengruppe Guerilla Girls in den 1990er Jahren und brandmarkte damit den verbreiteten Sexismus in der Kunstwelt. Die Alte Nationalgalerie widmete im Oktober, genau hundert Jahre, nachdem die erste Frau offiziell zur Berliner Kunstakademie zugelassen wurde, eine Ausstellung der Rolle von Frauen in der Kunst vor 1919. Die Ausstellung zeigt, wie Frauen sich in einer männerdominierten Welt Freiräume erkämpften, aber vor allem macht sie deutlich, dass Künstlerinnen mit ihren Werken ihren männlichen Kollegen in nichts nachstanden.

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Gemeinsam in die Zukunft

Nehoa Hilma Kautodonkwa, Cynthia Schimming und Julia im Depot des Ethnologischen Museum Berlin. Filmstill aus Tracing Namibian-German Collaborations at the Ethnologisches Museum Berlin (AT). Foto: Moritz Fehr, 2019
Nehoa Hilma Kautodonkwa, Cynthia Schimming und Julia im Depot des Ethnologischen Museum Berlin. Filmstill aus Tracing Namibian-German Collaborations at the Ethnologisches Museum Berlin (AT). Foto: Moritz Fehr, 2019

Wohl kaum eine Debatte wurde im letzten Jahr so vehement geführt, wie die um Objekte aus kolonialem Kontext. Oft geht dabei unter, dass die Museen viele teils wegweisenden Projekte durchführen, um gemeinsam mit Menschen aus den Herkunftsgesellschaften der Objekte nach Möglichkeiten und Perspektiven für den Umgang mit ethnologischen Sammlungen heute zu suchen. Ein solches Projekt ist das Namibia-Projekt im Ethnologischen Museum. Im September sprachen wir mit Jonathan Fine und Julia Binter vom Museum sowie mit Golda Ha-Eiros und Hertha Bukassa aus Namibia darüber, wie sie zusammen die Sammlungsgeschichte aufarbeiten und Konzepte für die Zukunft der Objekte entwickeln.

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Wir wünschen allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und freuen uns auf viele tolle Ausstellungen und Projekte in 2020!

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