Museen in Zeiten von Corona: Jahresrückblick 2020

Was für ein Jahr! Die wenigsten werden 2020 eine Träne nachweinen und auch bei den Museen machen wir drei Kreuze, wenn es vorbei ist. Doch vorher blicken wir in der Blogredaktion noch ein letztes Mal zurück, auf ein Jahr voller Ungewissheiten und Überraschungen – manche davon trotz allem positiv!

Vorfreude auf eine alte Bekannte

Innenraum der Friedrichswerderschen Kirche nach den Sanierungsarbeiten 2019. © Staatliche Museen zu Berlin / Andres Kilger
Innenraum der Friedrichswerderschen Kirche nach den Sanierungsarbeiten 2019. © Staatliche Museen zu Berlin / Andres Kilger

Alles begann ganz harmlos – voller Vorfreude blickten wir am Jahresanfang der Wiedereröffnung der Friedrichswerderschen Kirche entgegen. Der Schinkel-Bau von 1824, der die Skulpturen der Alten Nationalgalerie beherbergt, war seit 2012 wegen Sanierung geschlossen und öffnete im Rahmen mehrerer Tage der offenen Tür erstmals im Januar 2020 wieder seine Pforten. Anlässlich dieser ersten Phase der Wiedereröffnung hat unser Kollege Christof Hannemann die bewegte Geschichte des Hauses eindrucksvoll nachgezeichnet.
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Zuhause ist’s am schnödsten

Willy Römer: Mit Kopfhörern in der Badewanne hört diese Amerikanerin das Radiokonzert des New Yorker Senders an. 1923, New York © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Photothek Willy Römer
Willy Römer: Mit Kopfhörern in der Badewanne hört diese Amerikanerin das Radiokonzert des New Yorker Senders an. 1923, New York © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek, Photothek Willy Römer

Kurz darauf im März dann der Schock: Pandemie, Lockdown, alles muss dichtmachen! Auch in der Blogredaktion saßen wir plötzlich im Home Office fest und machten erste Bekanntschaft mit der schrägen Situation, die bald zur neuen Normalität werden sollte: Was tun, wenn soziale Begegnungen plötzlich nicht mehr gehen und der persönliche Freiraum auf die eigenen vier Wände schrumpft? Wir sammelten unsere besten Tipps gegen den Lagerkoller in einer kurzweiligen Bilderstrecke.
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Geschichten der Objekte

Hermann Göring mit seiner Frau Emmy und seinem jungen Löwen in Carinhal: bpk-Bildagentur, Bild-Nr. 30041622 (bpk | Heinrich Hoffmann).
Hermann Göring mit seiner Frau Emmy und seinem jungen Löwen in Carinhal: bpk-Bildagentur, Bild-Nr. 30041622 (bpk | Heinrich Hoffmann).

Zum Glück blieben uns trotz der Schließung wenigstens die Inhalte unserer Museen erhalten. Ein besonders spannendes – und immer wichtigeres – Thema ist die Provenienzforschung, die Suche nach den Objektbiografien. Im April erzählten unsere Provenienzforscher*innen in der Reihe „Biografien der Objekte“ anlässlich des Tags der Provenienzforschung die spannendsten Geschichten aus ihrer Forschung. Von Hermann Görings Löwensarkophag über einen königlichen Nutznießer in Deutsch-Ostafrika bis hin zum rätselhaften Federschmuck der Omaha-Indianer zeigt die Reihe, welche faszinierenden Geschichten sich hinter teils unscheinbaren Objekten verstecken.
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Perspektiven in der Pandemie

Prof. Dr. Christina Haak Stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Prof. Dr. Christina Haak
Stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin
© Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Während die Schließung der Museen andauerte und die Zukunft ungewiss schien, interessierte uns immer mehr: Was lief eigentlich währenddessen hinter den Kulissen der Entscheidungsgremien ab und wie konnten die Museen Wege finden, um mit der Situation umzugehen? Im Interview erzählte uns Christina Haak, die Stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin, wie sie die Situation erlebte, welche Planungen gerade Priorität hatten und wie eine Zukunft nach der Pandemie aussehen könnte.
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75 Jahre Kriegsende in Berlin

Mit dem Krieg kam die Zerstörung: Blick in den Saal mit dem weltberühmten Pergamonaltar nach Bombentreffern, 1943. © Staatliche Museen zu Berlin, Zentralarchiv
Mit dem Krieg kam die Zerstörung: Blick in den Saal mit dem weltberühmten Pergamonaltar nach Bombentreffern, 1943. © Staatliche Museen zu Berlin, Zentralarchiv

Ein wichtiges Jubiläum stand im Mai 2020 an: Berlin feierte 75 Jahre Kriegsende. Auch bei den Staatlichen Museen zu Berlin ist dieses Jubiläum ein besonderer Grund zur Freude, denn die Häuser und Sammlungen waren von Zerstörungen und Plünderungen schwer getroffen. Petra Winter, die Leiterin des Zentralarchivs, zeichnete aus diesem Anlass eindrucksvoll die letzten Kriegstage auf der Berliner Museumsinsel nach.
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Pop on Paper

Aufbau der Ausstellung © Staatliche Museen zu Berlin
Aufbau der Ausstellung © Staatliche Museen zu Berlin

Viele Ausstellungsprojekte waren besonders hart von der Schließung der Museen betroffen. Unsere Autorin Karolin Korthase traf im Mai Andreas Schalhorn, Kurator am Kupferstichkabinett. Der hatte gerade die Vorbereitungen für die große Pop-Art-Schau „Pop on Paper“ abgeschlossen, als die Nachricht vom Lockdown eintraf. Die Ausstellung konnte dann unter Einhaltung strikter Hygiene-Auflagen doch öffnen und zeigte einen bunten Überblick über die Pop Art von Andy Warhol bis Ulrike Ottinger.
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Wiedergeburt mit Hindernissen

David Blacks "Sky Piece" (1972) im Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie
David Blacks “Sky Piece” (1972) im Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

Die normale Arbeit in den Museen lief natürlich auch in Zeiten von Corona weiter – unter anderem die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie. Eine besonders spannende Geschichte aus der Restaurierungswerkstatt des Hauses erzählte Restauratorin Hana Streicher unserem Redakteur Sven Stienen. Sie arbeitet seit fünf Jahren daran, eine Skulptur aus den 1970er Jahren zum Leben zu erwecken und hat dabei u.a. mit altem Plastik und vergessenen Fertigungstechniken zu kämpfen …
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Ein reicher Schatz

Nach Michelangelo Buonarotti Kopf des Moses Gelatineform, 1914 (Original 1513-1515, San Pietro in Vincoli al Colle Oppio, Rom) © Staatliche Museen zu Berlin, Gipsformerei / Philip Radowitz
Nach Michelangelo Buonarotti
Kopf des Moses
Gelatineform, 1914
(Original 1513-1515, San Pietro in Vincoli al Colle Oppio, Rom)
© Staatliche Museen zu Berlin, Gipsformerei / Philip Radowitz

Die Gipsformerei ist eines der faszinierendsten Häuser der Staatlichen Museen zu Berlin. Seit über 200 Jahren werden dort perfekte Kopien berühmter Kunstwerke und Artefakte hergestellt und konserviert, aber auch Abformungen von Menschen, Tieren und Pflanzen. Die Kunsthistorikerin Veronika Tocha leitet ein Forschungsprojekt, das diesen reichen Schatz an Wissen und Objekten nun heben und systematisch erforschen will.
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Leben mit Corona

Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Zwei der größten Ausstellungen 2020, die „Germanen“-Schau des Museums für Vor- und Frühgeschichte und die „Belgischen Symbolisten“ in der Alten Nationalgalerie, waren stark von der Pandemie betroffen. Im großen Interview gaben Matthias Wemhoff, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte, und Ralph Gleis, Leiter der Alten Nationalgalerie, Einblicke in ihre Arbeit und ihren Umgang mit der Pandemie als Ausstellungsmacher.
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Ikonengeburtstag

Museumsinsel, Pergamonmuseum: Reinigungskräfte auf den Stufen des Pergamonaltars, vor 1945. © Staatliche Museen zu Berlin, Zentralarchiv
Museumsinsel, Pergamonmuseum: Reinigungskräfte auf den Stufen des Pergamonaltars, vor 1945. © Staatliche Museen zu Berlin, Zentralarchiv

Ein weiteres Jubiläum stand in 2020 an: Das Pergamonmuseum feierte im Oktober seinen 90. Geburtstag! Wir stießen (via Zoom) drauf an und stellten eine Fotostrecke mit den schönsten Bildern aus der langen Geschichte des berühmtesten Berliner Museums zusammen.
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Von Dürer bis Dior

Restauratorin Alexandra Czarnecki arbeitet an dem Gipsmodell von Johann Gottfried Schadows "Prinzessinnengruppe" © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Restauratorin Alexandra Czarnecki arbeitet an dem Gipsmodell von Johann Gottfried Schadows “Prinzessinnengruppe” © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Eines der größten Privilegien für Mitarbeiter*innen der Museen ist es, den Restaurator*innen dabei über die Schulter sehen zu können, wie sie teils weltberühmten Meisterwerken wieder zum ursprünglichen Glanz verhelfen. Für unsere Museumszeitung besuchten wir einige von ihnen und durften miterleben, wie sie Werke von Dürer, Schadow, Dior oder unbekannten antiken Künstler*innen restaurieren.
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Welt trifft Stadt

Leichtfüssig in die Zukunft: Die Museumsinsel ist ein Wahrzeichen Berlins, so wie der Fernsehturm. Bode-Museum Am Kupfergraben © Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker
Leichtfüssig in die Zukunft: Die Museumsinsel ist ein Wahrzeichen Berlins, so wie der Fernsehturm. Bode-Museum
Am Kupfergraben
© Staatliche Museen zu Berlin / David von Becker

Die Staatlichen Museen zu Berlin sind in ihrer Gesamtheit eine riesige Kultureinrichtung. Wir nutzen im Oktober die Gelegenheit und machten uns daran, einmal die ganze Geschichte zu erzählen: Wie haben sich museale Standorte wie die Museumsinsel und das Kulturforum eigentlich entwickelt? Woher kommen sie, wohin könnten sie in Zukunft streben? In unserer großen Story beleuchten wir die Ursprünge und erklären, wie die Berliner Museen zu dem wurden, was sie heute sind.
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… und es geht weiter

Federlithografie, „Die Tücken des Laufrades“, 1817 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Knud Petersen
Federlithografie, „Die Tücken des Laufrades“, 1817 © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Knud Petersen

Zum Jahresende kam dann doch noch das dicke Ende: steigende Fallzahlen, erneute Schließung der Museen, Lockdown 2.0. Wir nahmen es mit Fassung und reagierten sofort: Mit gesundheitsfreundlichen Tipps für die persönliche Fitness in der Selbstisolation! Unser Zehnerpack mit Leibesübungen für zuhause liefert übrigens auch wunderbare Inspirationen für die guten Neujahrsvorsätze, denn eines ist sicher: irgendwann werden auch die Museen wieder öffnen – warum die Zeit bis dahin nicht nutzen? In diesem Sinne wünschen wir in der Blogredaktion allen Leser*innen alles Gute für 2021, viele schöne Museumsbesuche und vor allem: Gesundheit!
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